Mittwoch, 26. Dezember 2012

Pakistan: Das Jahr 2012 geht an die Taliban

Jedes Land hat den Jahresrückblick, den es verdient. Er erzählt viel über ein Land (und das, was die Verkäufer der Informationen als noch einmal für vermarktbar halten.)

The Dawn, eine der wichtigsten englisch-sprachigen Newsplattformen Pakistans, begnügt sich nicht mit einer langweiligen, chronologischen Aufzählung der Ereignisse des Jahres. Sie zieht eine Bilanz:
"Dieses Jahr geht an die Taliban und die Militanten", wie in einem Boxkampf: "Diese Rund geht an...".

Donnerstag, 1. November 2012

Hurrikan Sandy: Islamische Fundamentalisten bieten Hilfe an.

Hafiz Said steht ganz weit oben auf der Liste der meistgesuchten Terroristen der US-Regierung. Das US-Aussenministerium hat im vergangenen April eine Kopf-Prämie von 10-Millionen US-Dollar auf den Mit-Gründer der Lashkar-e-Taiba (LeT) ausgesetzt. Die aus Pakistan operierende LeT gilt gemäss dem "Terrorism Research & Analysis Consortium (TRAC)" oder dem CIA-Terrorspezialist Bruce Riedel,  der die letzten 3 US-Präsidenten für den Bereich Südasien beraten hat, als "gefährlichste Terror-Organisation der Welt" und "gefährlicher als al-Qaida".

Samstag, 27. Oktober 2012

Jahrhundertflut In Nigeria - Wen kümmert's?

Überflutung Nigerdelta (Nigeria) 2012
Nigeria, das bevölkerungsreichste Land Afrikas, ist von einer Jahrhundertflut betroffen. Rund eine Million Menschen musste ihre Wohngebiete verlassen. Es soll Hunderte von Toten gegeben haben.

Berichte in Medien ausserhalb Afrikas gibt's dazu praktisch keine und wenn, kommen sie als Exotikas daher: "Flut bringt Krokodile und Flusspferde in die Häuser".


Dienstag, 3. Juli 2012

Das Geständnis: "Nicht eine besser Welt ...(ist) das Ziel."

Ich weiss, dass ich es mir in meiner beruflichen Position eigentlich nicht erlauben kann, medienkritische Blogbeiträge zu schreiben. Aber ich kann es mir heute einfach nicht verkneifen:
Endlich spricht einer der wichtigen Schweizer Verleger Klartext: Norbert Neininger von den Schaffhauser Nachrichten, etc.:

Montag, 11. Juni 2012

Der Fussball braucht eine spielerisch-taktische Revolution

Fussball ist langweilig.
Ein neuer Beweis für diese Tatsache waren die bisherigen Spiele der Fussballeuropameisterschaft, eines der wichtigsten Schaufenster dieser Sportart. Schon fast schmerzhaft langweilig war das Spiel der beiden europäischen Topmannschaften - eben: Frankreich und England. "Standfussball in Perfektion", ätzt der Tagi zurecht.
Sogar der Trainer-Clown Gilbert Gress im EM-Studio des Schwiezer Fernsehens findet's nur noch „langweilig“. Schiedsrichter Chef Bertolini ist „fast eingeschlafen“ und Arno Del Curto, der Eishockeytrainer, bringt es auf den Punkt: „Einfach schlecht.“

Samstag, 9. Juni 2012

Die Abtreibungsfrage als Symbol der globalen, konservativen Moderne

Demo für die Erhaltung des Rechts auf Abtreibung, Istanbul Juni 2012
Jetzt bewegt die Frage der Abtreibung auch die Türkei. Premierminister Recep Erdogan nutzt bald jede Gelegenheit, um seine konservative Haltung auszudrücken: Abtreibung sei Mord und seine Regierung sei daran, ein Gesetz vorzulegen, dass die Abtreibung nach der 4. Lebenswoche eines Fötus verbieten soll.

Klar ist das eine konservative Position. Aber dies ist keineswegs ein demaskierendes Zeichen einer rückwärtsgewandten oder gar islamistisch-fundamentalistischen Haltung der türkischen Regierungspartei. Die AKP, dieses "Vorbild" einer modernen, "gemässigten" islamischen Partei ist auch gerade wegen ihrer konservativen Haltung ein Modell des modernen Islam.

Freitag, 8. Juni 2012

Reverse Flow: Europäische Wirtschaftsflüchtlinge nach Afrika

Mitte April hat die algerische Küstenwache vier Spanier aufgegriffen, die illegal in das nordafrikanische Land einreisen wollten. Sie gaben an, aus Spanien auf der Suche nach Arbeit  hierher geflohen zu sein.
Am 2. Februar hat die angolanische Immigrationsbehörde am Flughafen von Luanda, der Hauptstadt Angolas, 20 Portugiesen festgehalten, die illegal einreisen wollten. Auch sie waren auf Arbeitssuche.
Das sind nur zwei Fälle, die in letzter Zeit den Weg in die europäischen Medien fanden.

Donnerstag, 7. Juni 2012

Die Türkei als Ordnungsmacht in Nahost und die Christenfrage

Völkermord in Armenien 1915 - 1922
Der Abzug der USA aus dem Irak droht die Machtverhältnisse in Nahost, wie sie seit dem Rückzug der Türken, respektive dem Zerfall des osmanischen Reichs vor 100 Jahren geherrscht haben, grundsätzlich zu verändern. Um den definitiven Aufstieg des Iran als neue Führungsmacht im "alten Orient" doch noch zu verhindern, setzt der Westen, speziell die USA, auf die alten Machthaber der vorwestlichen Ordnung in Nahost: die Türken.

Montag, 4. Juni 2012

Südafrika schaut in den Spiegel

Seit Wochen bewegt ein Bild des (weissen) Künstlers Brett Murray Süafrika. Besser: Es schüttelt Südafrika. Die Medien sind voll davon. Allein im Blog "Thought Leader" der Wochenzeitung Mail&Guardian sind in den letzten 4 Wochen locker dreissig Kolumnen der verschiedensten Autoren erschienen. Und es scheint noch kein Ende der Aufregung in Sicht.
Das Bild mit dem Titel "The Spear" zeigt den südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma in Leninpose. Vor allem aber sieht mein seinen nackten Penis.

Mittwoch, 23. Mai 2012

Atomverhandlungen Iran: Will der Westen keinen Kompromiss?



Heute Mittag gab es viele positive Signale: Der Iran sei zu Zugeständnissen bereit, liessen die westlichen Verhandlungsführer gegenüber den Medien verlauten.
Ein Dejà-Vu. Nicht zum ersten mal signalisiert der Iran die Bereitschaft zu einem Kompromiss. Und anders als es in den Westmedien dargestellt wierden wird, dürfte erneut nicht der Iran einer Lösung im Weg stehene, sondern der Westen – weil er nicht wirklich eine Lösung will.

Sonntag, 29. April 2012

Wer Einfluss nimmt/hat, muss Verantwortung tragen.

Harvard-Professor Dani Rodrik ist einer der "linken" US-amerikanischen Professoren, die versuchen, mit marktwirtschaftlichen Argumenten Gegensteuer zum gescheiterten Turbo-Neoliberalismus zu geben. Sein Blog ist eine Empfehlung. Sein Buch "Das Globalisierungsparadox" ein Must.
Jetzt hat (der türkisch-stämmige) Rodrik im Economist's Club des "Project Syndicate" einen sehr treffenden Artikel "Ideas over Interests" veröffentlicht.

Freitag, 27. April 2012

Afrika wird aufgekauft

Landgrab weltweit (Karte: Land Matrix)
Etwa 5 Prozent des landwirtschaftlich nutzbaren Bodens in Afrika sind seit dem Jahr 2000 von Investoren aus dem Ausland aufgekauft worden. Rund 2 Millionen Quadratkilometer oder etwa 50-mal die Fläche der Schweiz.
Erstmals sind jetzt wissenschaftlich gesicherte Daten des "Landgrabs" verfügbar. Die Daten des Land Matrix Portals sind sehr reichhaltig und attraktiv interaktiv aufbereitet.

Donnerstag, 26. April 2012

Schweizer Rohstoffhändler: "Wir sind alle Banditen."

Genf, Welthauptstadt der Rohstoffe
Genf ist die "Welthauptstadt der Rohstoffe". Glencore ist die grösste Firma der Schweiz, und der Welt grösster Rohstoffhändler. Seit die bislang äusserst diskrete Firma mit Sitz in Baar/ZG letztes Jahr an die Börse ging, wird Stück für Stück mehr bekannt über die nicht ganz umstrittenen Geschäftspraktiken des Zuger Unternehmens. Foreign Policy bringt jetzt neue, aufregende Details.
Für uns Schweizer speziell interessant, sind einige anekdotische Details, die der FP-Autor Ken Silverstein zum Besten gibt. Voralllem, weil sie illustrieren, welch erschreckendes Image die Schweiz im internationalen Business hat:

Sonntag, 15. April 2012

Kony 2012: Schadensbegrenzung dringend nötig

Kony 2012. War da was? Der Hype ist vorbei. Am Actiontag nächsten Freitag/Samstag werden vielleicht ein paar junge Menschen - aus Ignoranz, oder aus Trotz, weil sie nicht zugeben können, dass sie missbraucht worden sind? - noch ein paar Plakate auch in unseren Städten aufhängen. Aber es dürften wenige sein. Das ist kein Trost.
Denn die Kapampagne hat längst ihre negative Wirkung erzielt. Die Jagd auf Joseph Kony hat bereits begonnen. So hat z.B. die Afrikanische Union (AU) mitte März entschieden, eine Sondertruppe von 5000 Mann in das Grenzgebiet der Zentralafrikanischen Republik, des Kongo und des Südsudan zu schicken, wo der "Schlächter von Uganda" sich zur Zeit mit seiner handvoll übriggebliebener "Rebellen" umtreibt. Die Leidtragenden werden diejenigen sein, denen die PR-Kampagne vorgeblich helfen wollte: Die lokale Bevölkerung.

Dienstag, 3. April 2012

Parallelen: Katholizismus und Islamismus

Khairat al Shater, Präsidentschaftskandidat Muslimbrüder Ägypten
Wir beobachten das Phänomen Post-Islamismus - und die zunehmende Ratlosigkeit des Westens mit der neuen politischen Realität des modernen, politischen Islam im arabisch-nordafrikanischen Raum. Neustes Kapitel: Der starke Mann der ägyptischen Muslimbruderschaft, Khairat al-Shater, kandidiert als Präsidentschaftskandidat. Der erfolgreiche Unternehmer und Vizepräsident der Muslimbrüder passt fast perfekt ins Bild der westlichen Propaganda und ihrem Verdacht des Wolfs im Schafpelz. Vor lauter Angst vor den Fundamentalisten" ist man im Westen offenbar bereit, sich weiterhin mit den definitiv demokratie-feindlichen Kräften der ägyptischen Armee ins Bett zu legen. Dabei würde ein Blick in die eigene (europäische) Geschichte helfen, etwas entspannter auf die neue Konstellation im muslimischen Nordafrika zu reagieren: Es gibt erstaunliche Paralleln des Postislamismus in Ägypten, Tunesien oder Marokko mit dem Katholizismus in Europa im 19. Jahrhundert:

Montag, 2. April 2012

Schweiz/Deutschland: Grotesker Tumult

Der kommentierenden Analyse des Bloggers Ewyler von "der Freitag" ist eigentlich nichts beizufügen:
Deutschland und die Schweiz, zwei Länder die gleich nebeneinander liegen. Das eine ist recht groß, das andere eher klein. Die Menschen in diesen Ländern sprechen mehr oder weniger die selbe Sprache, kucken den selben Mist im Fernsehen und sind auch sonst nahe. Natürlich kritteln die Menschen aus den beiden Ländern gerne am jeweils anderen Land und seinen Leuten rum, aber trotzdem, man kommt gut miteinander aus, wandert aus und ein, heiratet sogar. Gibt es aber einmal eine politische Auseinandersetzung, scheinen die beiden Länder mindestens auf zwei verschiedenen Planeten zu liegen. Das Steuerabkommen offenbart eine seltsame und erschreckende Distanz.

Indien: Lernen, eine Grossmacht zu sein

BRICS Gipfel New Delhi/Indien 29.3.2012
Ein Nachtrag zum BRICS-Gipfel letzte Woche in Indien:
Die "Aufsteigenden Nationen", die BRICS-Staaten, haben mit breiter Brust deutlich gemacht, dass wir inzwischen in einer multipolaren Welt leben. Bemerkenswerestes Resultat des Gipfels der BRICS-Staaten war ihr unmissverständliches Unterlaufen der Embargo-Massnahmen des Westen gegen den Iran:  Der Iran habe das Recht, die Atomenergie zu nutzen - genau wie andere Staaten. (siehe auch Contextlink-Artikel) Man werde deshalb auch weiterhin Öl bei den Mullahs einkaufen.
Aus Sicht eines indischen Beobachters erscheint diese eigenständige, von der Doktrin des Westens/Nordens unabhängige Politik selbstverständlich. Für Sudheendra Kulkarni, den Kolumnisten des "Indien Express" ist das Bemerkenswerteste am Gipfel von New Delhi letzte Woche nicht die Iranposition der BRICS, sondern die Schwierigkeit Indiens, die neue Rolle als internationale Grossmacht zu leben.

Sonntag, 19. Februar 2012

Die unbeachtete Revolution: Das neue Christentum

Ougadougou (Burkina Faso) Nov. 2011 (Bild: 3Afilm.ch)
Die westliche Welt taumelt von Krise zu Krise. Zusehends zeichnen sich neben den wirtschaftlichen auch soziale Probleme ab. Die Schere zwischen unten und oben öffnet sich immer weiter.  Inzwischen ruft sogar der Weltwirtschaftsgipfel von Davos zur Suche nach Lösungen, zum Umdenken auf. Weil man aber „ein Problem nicht mit der Denkweise löst, die es erschaffen hat“, wie schon Einstein wusste, scheint jeder neue Gipfel der Mächtigen die Krise eher zu verlängern als einer Lösung näher zu bringen. Während das herrschende Establishment weiterhin „rat- und orientierungslos“ ist, wie das „Handelsblatt“ schreibt, ist längst eine unbeachtete „Revolution von unten“ im Gang.

Samstag, 18. Februar 2012

Leuchtturm 14: ... und immer dieses Gerede von Gott.

Screenshot Al-Jazeera "Working Man's Death". Slaughterhouse Port Harcourt/Nigeria
Was für ein Horrorfilm. Die Bilder, aber nicht zuletzt auch der Ton. Den Gestank fügt das Hirn von selbst hinzu. Ein echter Leuchtturm: Die Al-Jazeera-Reportage des österreichischen Filmemachers Michael Glawogger aus dem Open-air-Schlachthaus in Port Harcourt, Nigeria. "Learning about civilisation", sagt einer der Schlächter. Fast unerträglich macht den Film das ständige Gerede von Gott.

Freitag, 3. Februar 2012

Gottes Revolutionär

Pastor Sunday Adelaja, God's Embassy, Kiew
"Ich nutze meinen Glauben, um eine ganze Nation zu unterwerfen und zu ändern." "Die Revolution soll beginnen." Zitate aus dem Buch "Church Shift" des Mannes, wegen dem wir heute nach Kiev geflogen sind: Sunday Adelaja, Gründer und Vorsteher der Kirche "God's Embassy", der grössten evangelikalen Kirche in Europa mit rund 30'000 Mitgliedern allein in Kiev und angeblich 1 Million Anhängern weltweit.

Pastor Sunday ist für unser Filmprojekt "Kreuzzug" eine sehr vielsprechende Figur: