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Freitag, 11. Januar 2013

Berichterstattung Pakistan: "Den Tod verdaubar machen."

Quetta (Pakistan) 10.1.2012 (Bild: LUBP)
Das Jahr 2013 hat übel begonnen in Pakistan. Es scheint die düsteren Prognosen definitiv wahrmachen zu wollen. Die Schreckensmeldungen häufen sich und die Bilanzen der täglichen terroristischen Anschläge sind so gravierend, dass die News aus Pakistan sogar wieder Eingang in unsere Medien finden. Die Bilanz des gestrigen Tages: 137 Tote (115 Quetta, 22 Mingora, ...???).

Der Tod droht das Leben in Pakistan zu ersticken, schreibt Rafia Zakaria heute in der Kolumne des "Dawn" ... und das herrschende Establishment inszeniert sein pseudo-demokratisches Polit-Theater.

Donnerstag, 3. Januar 2013

Pakistan: düstere Perspektive 2013

Seit einigen Jahren bildet Pakistan eine Art Kulisse für den auch medial inszenierten „Clash of Civilisation“.
Die spektakulärsten Bilder fanatisierter Islamisten an Hassdemos gegen den Westen stammen meist aus Pakistan; hier richten „Gotteskrieger“ ungestraft Schulmädchen hin, die ihr Recht auf Bildung wahrzunehmen versuchen; Pakistan ist das Land, das Osama bin Laden jahrelang Unterschlupf geboten hat; hier befinden sich die Ausbildungslager, in denen auch militante Islamis­ten aus Europa ihr Terrorhandwerk lernen; und: Pakistan hat die «Islamische (Atom-)Bombe».

Die „Islamische Republik Pakistan“ mit ihren rund 180 Millionen Einwohnern ist zur Inkarnation des Feindbilds Islam geworden. Und es spricht leider Einiges dafür, dass das Land auch 2013 eine ideale Fläche zur Projektion unserer Vorurteile und Ängste bieten wird.

Dabei haben wird alle keine Ahnung von Pakistan. Das Land ist längst hinter den Feindbildern verschwunden.

Mittwoch, 26. Dezember 2012

Pakistan: Das Jahr 2012 geht an die Taliban

Jedes Land hat den Jahresrückblick, den es verdient. Er erzählt viel über ein Land (und das, was die Verkäufer der Informationen als noch einmal für vermarktbar halten.)

The Dawn, eine der wichtigsten englisch-sprachigen Newsplattformen Pakistans, begnügt sich nicht mit einer langweiligen, chronologischen Aufzählung der Ereignisse des Jahres. Sie zieht eine Bilanz:
"Dieses Jahr geht an die Taliban und die Militanten", wie in einem Boxkampf: "Diese Rund geht an...".

Dienstag, 8. Dezember 2009

Pakistans moderne Musikszene: "Unser Problem sind nicht die Taliban, sondern die Amerikaner."

Wieder mal ein anderer Blick auf die Welt: Wir, hier im Westen, nehmen Pakistan nur wahr als Land endloser Probleme und Katastrophen. Wir sehen fast täglich schlimme Bombenanschläge, lesen von Kämpfen gegen die Taliban und von eher mittelalterlichen Zuständen.
Da frappiert ein Bericht von "The Dawn", dem News-Portal aus Pakistan, doppelt: "Tuned out by the New York Times."
Der Autor denkt über das Video der New York Times "Tuning out te Taliban" ("Die Taliban werden ausgeblendet") nach, welches sich sehr enttäuscht gibt darüber, dass die jungen Intellektuellen Pakistans, symbolisiert durch die moderne, junge Musikszene des Landes, nicht die Taliban verurteilt, sondern anti-amerikanische "Propaganda" macht. Das Video gehört zu einem Blog der New York Times "Pakistan Rock Rails Against the West, Not the Taliban".

Der Artikel/das Video (siehe unten) und der Dawn-Bericht zeigen zwei Dinge:

1. Pakistan ist nicht nur rückständig-konservativ. Es hat eine lebendige, junge Musikszene und eine riesige Fangemeinde von jungen, gut ausgebildeten Pakistani, die sich stark an der westlichen Musikkultur und anderen westlichen Werten orientiert.
2. Trotzdem ist diese junge, pakistanische Szene nicht bereit, einfach die westlichen, die amerikanischen Positionen zu übernehmen. Sie teilen zwar die kritische Haltung des Westens gegenüber dem islamischen Fundamentalismus, sie sind sehr kritisch gegenüber dem autoritären Regime, aber - und das schockiert den Berichterstatter der News York Time in seinem Blog "Tuning out te Taliban" ("Die Taliban werden ausgeblendet") - sie hassen die USA. "Die Taliban", sagt ein junger, moderner Pakistani im NYT-Video, "sind unser kleinstes Problem." Das eigentliche Probleme sei der totalitäre Staat, die Korruption, die Armut, welche den Extremismus (wie den der Taliban) fördert. Und eine Hauptschuld an der Entwicklung trägt nach Meinung vieler Pakistani die USA mit ihrer hegemonistischen Politik in Asien, speziell in Pakistan und Afghanistan, welche die totalitäre Politik der lokalen Regierungen stützt.

Freitag, 10. April 2009

Blut-Smaragde aus der Schweiz Asiens

Bilder: alle von www.fieldgemolgy.org

Die Taliban haben sich neue Geldquellen (neben dem Opium-Handel) zur Finanzierung ihrer Kriegskosten im Kampf gegen die USA (und die pakistanische Regierungsarmee) gesichert. Wie auch andernorts wird der Krieg in Af-Pak nicht zuletzt durch Rohstoffe finanziert. Was in Sierra Leone, Angola oder dem Kongo die Blut-Diamanten sind ( Global Witness hat 1998 die Welt mit ihrem Bericht "Rough Trade" schockiert, ein starker DOK hat 2007 die Geschichte der Blutdiamanten nacherzählt), sind in Af-Pak die Blut-SMARAGDE.
Ende März haben Taliban-Kämpfer der TNSM (Tehreek-e-Nafaz-e-Shariat-e-Mohammadi = Bewegung zur Durchsetzung der Sharia) des Taliban-Führers Maulana Fazlullah die Smaragd-Minen von Mingora im Swat-Tal, der "Schweiz Asiens", in ihre Gewalt gebracht und sofort mit deren Ausbeutung begonnen. Vereinzelt wurde auch in den westlichen Medien darüber berichtet.
Im vergangenen Herbst hat Fazlullah gemäss dem indischen Politik-Institut IPCS zusammen mit dem verbündeten Taliban-Führer Baitullah Mehsud bereits die Smaragdminen von Fiza Ghat weiter oben im Swat-Tal erobert.
Diese Smaragdbergwerke rund um den Swat-Hauptort Mingora (Bild links) wurden bis anhin vom pakistanischen Staat kontrolliert. Eine Konzession für die Ausbeutung der Minen rund um die Stadt Mingora im Swat-Tal, hatte die amerikanische Bergbaufirma Luxury International inne, welche sich aber im vergangenen Sommer aufgrund des Bürgerkriegs zwischen der pakistanischen Regierungsarmee und den Taliban aus dem Gebiet zurückgezogen und die Minen stillgelegt hat. Die Taliban machen jetzt gemäss BBC geltend, dass sie mit der wieder Inbetriebnahme der Minen rund 1000 Menschen im Tal wieder Arbeit zu geben.
Oppositionelle Kreise in Pakistan behaupten, der pakistanische Geheimdienst ISI habe die Minen den Taliban zugehalten, um ihnen eine Finanzierungsquelle für den Krieg in Afghanistan zu bieten. (Hintergrund Pakistanischer Geheimdienst - Taliban siehe Contextlink-Beitrag "Obama und der Kampf um die Seidenstrasse").

Seit einiger Zeit sind die Taliban im Swat-Tal auch aggressiv in das Holz-Business eingestiegen, wie domain-b.com schreibt.

Auch im Norden Afghanistans haben die Taliban ihre Hand auf den Smaragdbergbau und - Handel gelegt. Im Panjshir-Tal, nördlich der NATO-Basis Bagram, wo zusammen mit den Amerikanern auch deutsche Bundeswehr-Einheiten stationiert sind.

Spannende fachspezifische Hintergründe zu den Smaragden aus Af-Pak liefert fieldgemology.org, eine Reiseorganisation für Diamantenfreunde, deren Experten 2006 eine Reise zu den Bergbaustätten im Swat- und Panjshirtal gemacht haben. Aus dem dazugehörigen Bericht stammen auch all die exklusiven Fotos in diesem Contextlink-Beitrag.
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Montag, 30. März 2009

Die Schatten-Armee Taliban/al-Qaida

Foto: Autor unbekannt, dem Long War Journal zugespielt

Die Krieger auf dem Foto sind der Hauptfeind in der neuen Af-Pak-Strategie der USA, der Afghanistan-Pakistan-Strategie: Die al-Qaida.
Die Zerschlagung der al-Qaida hat Präsident Obama bei der Verkündigung der neuen Strategie am vergangenen Freitag als oberstes Ziel genannt. (siehe Contextlink hier).

Dabei versuchen die USA eine Unterscheidung zwischen der al-Qaida und den Taliban zu machen. Die amerikanische Armeeführung um General Petraeus weiss, dass sie mit den "gemässigten Taliban" ins Geschäft kommen muss, wenn sie überhaupt je eine Chance auf eine Befriedung Afghanistans haben will.
Doch diese Unterscheidung ist sehr schwierig, weil es sie in der Praxis nicht wirklich gibt, wie das "Long War Journal" (LWJ) in einem erschreckenden Artikel über die "Schattenarmee" berichtet.
Ich habe im Contextlinkbeitrag "Die Schweiz Pakistans: Sharia und Krieg" versucht, einige Informationen über die verschiedenen extremistischen Organisationen im Af-Pak-Grenzgebiet und ihre führenden Köpfe zusammen zu tragen. Dazu gehört auch Baitullah Mehsud (Bild links), der Führer der Tehrik-e-Taliban, welchen die Informanten des LWJs auch als einen der führenden Köpfe der Lashkar al Zil", der "Schattenarmee", bezeichnen. Die Taliban sind fast alle Paschtunen (siehe auch Contextlink "Obama's Krieg"), sprechen eine persische Sprache, sind aber nicht Shiiten wie die Iraner, sondern fundamentalistische Sunniten, Wahhabiten. Der Wahhabismus ist in Saudi-Arabien Staatsdoktrin und die Saudis werden denn auch immer wieder als die wichtigsten Sponsoren der Taliban bezeichnet; zumindest finanzieren die Saudis in den Talibangebieten grosszügig Moscheen, Hilfsprojekte und Flüchtlingslager.

Diese "Lashkar al Zil", die Schattenarmee der al-Qaida/Taliban, ist eine paramilitärische Spezialtruppe der vereinigten al-Qaida/Taliban, welche in der Region diesseits und jenseits der Grenze von Pakistan und Afghanistan für das Grobe zuständig ist. Es ist eine internationale Truppe. Aufgrund der Kleidung gehen die Informanten des LWJ davon aus, dass es sich bei den Kämpfern auf dem Bild zum Beispiel nicht um Afghanen handelt, sondern um Pakistaner oder Zentralasiaten (Tatschiken, Usbeken, Tschetschenen, etc.). Traditionell gehen in diesen Spezialeinheiten nicht nur Männer mit Erfahrungen aus anderen Kriegen wie Tschetschenien, Palästina oder Somalia ihrem blutigen Beruf nach, sondern immer wieder auch Abenteurer oder Fanatiker aus Europa. Ein speziell wichtiger Rekrutierungsort scheint Bosnien zu sein.

Dort machen Internet-Portale der ehemaligen el-Mudjahid-Einheit der bosnischen Armee
offen Werbung für al-Qaida. Offenbar kehren Mitglieder der Talibankräfte in Af-Pak mit dem Auftrag nach Europa zurück , neue Kämpfer für den Krieg gegen den Erzfeind Amerika zu rekrutieren. Die Internetseite Put Vjernika (Pilgerreise) zum Beispiel publiziert massenweise Propaganda-Material der Dschihadisten inkl. üble Videos aus dem Irak und Afghanistan.

Das International Security Network der ETH Zürich hat eben einen doch etwas beunruhigenden Hintergrund zur sehr aktiven, fundamentalistsichen Wahhabiten-Szene in Bosnien, mitten in Europa, veröffentlich.

Es ist wohl besser, all die jungen Amerikaner (und ihre Mütter), die in den nächsten Jahren nach Af-Pak geschickt werden, sind nicht allzu gut informiert, über das, was sie dort erwartet.

Donnerstag, 12. März 2009

Die Schweiz Pakistans: Sharia und Krieg

Swat-Tal in Pakistan (Foto: Desktop-Beauty)

Zur Zeit herrscht ein fragiler Friede in der "Schweiz Pakistans", wie das Swat-Tal an der Grenze zu Afghanistan gern genannt wurde, als es noch eine der wichtigsten und schönsten Touristendestinationen Pakistans war. Heute ist diese Schweiz in Asien eine der Hochburgen der "Jihadisten", der fundamentalistischen Islamisten und der Taliban. Nach einem blutigen Bürgerkrieg hat die Regierung in Pakistan nicht nur die Kontrolle über das 200-Kilometer lange Tal (Karten siehe diesen Contextlinkbeitrag) verloren, sondern auch zugestimmt, dass die Scharia in der rigiden Version der lokalen islamistischen Kriegsherren eingeführt wird.

Die wichtigsten Köpfe - teilweise miteinander verwandt, teilweise verfeindet - sind einerseits Mullah Suffi Mohammad, der Gründer der TNSM (Tehreek Nifaz-e-Shariat-e-Muhammadi; Bewegung zur Durchsetzung der Scharia) (im Bild rechts) und sein Nachfolger und Schwiegersohn Mullah Fazlullah (links).

Anderseits, die zur Zeit mit den TNSM jetzt verbündeten Taliban-Warlords Hafiz Gul Bahadur (links), Mullah Nazir (mitte) und der zur Zeit offenbar mächtigste Taliban, Baitullah Mehsud (rechts).

Gemäss dem Al-Jazeera-Report sind die Menschen im Swat-Tal zuerst einmal einfach froh, dass der Krieg momentan ruht.



Es muss leider davon ausgegangen werden, dass sich die Menschen im Swat-Tal schon bald nicht mehr nur mit der unerbittlichen Herrschaft der Fundamentalisten abfinden müssen, sondern auch bald wieder unter einem neuen Krieg leiden werden. Es spricht gemäss verschiedenen Experten einiges dafür, dass bald nicht nur wieder die pakistanischen Truppen versuchen werden, das Regime der Taliban gewaltsam zu beenden, sondern dass in der Schweiz Pakistans bald auch amerikanische Soldaten kämpfen und sterben werden.
Gelingt es nicht, das Swat-Tal zu befrieden, wird es nicht nur keinen Frieden in Afghanistan geben, sondern ganz Pakistan droht unter die Kontrolle der Islamisten/Jihadisten zu fallen. Das jedenfalls befürchten die USA und nicht zuletzt auch Experten, die Präsident Obama beraten.

Ein Swat/Pakistan-Hintergrund der CBS: "The war in Pakistan":

Menschen im Kriegsgebiet Pakistan/Afghanistan

Foto: AP/Morenatti: Flüchtling im Grenzgebiet Afghanistan/Pakistan
Klick auf's Bild = grosses Bild

Wir werden uns in den nächsten Wochen und Monaten daran gewöhnen müssen, viele "Informationen" und Bilder aus Afghanistan und den angrenzenden Gebieten in Pakistan konsumieren zu müssen. Afghanisten (und damit der Nordwesten Pakistans) wird zu "Obama's Krieg" (siehe Contextlink-Hintergründe hier inklusive Karten und hier).

Es werden vorallem Kriegsbilder zu sehen sein von bärtigen Talibankämpfern und ihren radikalen Führern. Es wird noch mehr zivile Opfer geben und noch viel mehr Leid in der Bevölkerung in dem riesigen Gebiet diesseits und jenseits der Grenze im Land der Pashtunenstämme.
Gleichzeitig gibt es wie in jedem Krieg neben all dem Elend und Grauen auch auch viel "Normalität". Die Menschen haben erts Recht in der Kriegssituation ein grosses Bedürfnis nach kleinen "Normalitäten". Das Leben geht weiter, nicht selten sogar heiter. Die Menschen werden versuchen, "normal" weiterzuleben. Sie haben weiterhin auch ganz normale Bedürfnisse. Mütter bekommen Kinder, Jugendliche verlieben sich, Bauern gehen auf's Feld, Männer in die Beiz, etc..

Schon heute kann man im Internet Bilder der Normalität, der Menschen im Kriegsgebiet finden, die in unseren Medien kaum abgebildet werden. Aufgefallen sind mir insbesondere Bilder des italienischen Fotographen Emilio Morenatti, der für AP arbeitet. Eine ganze Serie davon findet sich bei "Big Picture" Boston.com. Von dort stammt auch das Kopfbild dieses Beitrags. Und hier noch drei weitere:

Foto AP/Morenatti: Flüchtling im Grenzgebiet Afghanistan, Pakistan

Foto: AP Morenatti: "Coiffeursalon in de Nähe der Stadt Peshawar/West-Pakistan

Foto: AP/Morenatti: Demo in der Stadt Barikot in der Nähe des Swat-Hauptortes Mingora

Sonntag, 15. Februar 2009

Obama's Krieg

(Technischer Hinweis:Eine Doppelklick auf die Bilder macht sie grösser)

Ein spannender Hintergrund heute in der Printausgabe der Washington Post zum Afghanistan Krieg, auch als Stütze meines diesbezüglichen Contextlink-Beitrags "Obama und der Kampf um die Seidenstrasse.". Hier der WP-Artikel als PDF.

WP schreibt:
"Obama’s War
Der Irak war George W. Bushs Krieg, aber der Krieg, der jetzt Afghanistan und Pakistan verwickelt, dürfte Obamas Krieg werden - ein Krieg, in den er 30'000 US Soldaten mehr einbringen will.
Werden diese Soldaten vom 'Friedhof der Grossmächte' aufgesogen, wie das den Briten und den Sowiets zuvor passiert ist? Oder gelingt es Obama, Frieden und Stabilität in die Region zu bringen? Hier sind einige der wichtigsten Trends, die zur Beantwortung der Frage beitragen können:"