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Donnerstag, 26. April 2012

Schweizer Rohstoffhändler: "Wir sind alle Banditen."

Genf, Welthauptstadt der Rohstoffe
Genf ist die "Welthauptstadt der Rohstoffe". Glencore ist die grösste Firma der Schweiz, und der Welt grösster Rohstoffhändler. Seit die bislang äusserst diskrete Firma mit Sitz in Baar/ZG letztes Jahr an die Börse ging, wird Stück für Stück mehr bekannt über die nicht ganz umstrittenen Geschäftspraktiken des Zuger Unternehmens. Foreign Policy bringt jetzt neue, aufregende Details.
Für uns Schweizer speziell interessant, sind einige anekdotische Details, die der FP-Autor Ken Silverstein zum Besten gibt. Voralllem, weil sie illustrieren, welch erschreckendes Image die Schweiz im internationalen Business hat:

Sonntag, 20. November 2011

Rohstoffe Kongo: Beweise für massiven Betrug auf Kosten der Bevölkerung

Bild: Comdev
Was wir alle schon lange wissen, scheint der englische Parlamentsabgeordnete Eric Joyce jetzt beweisen zu können:
Dokumente, die er als Präsident der britische Parlamentskommission für die Grossen Seen Afrikas erhalten und auf seinem Blog veröffentlicht hat, “bestätigen zum ersten Mal, dass Elemente der Regierung der DRC (Kongo), speziell der aktuelle Präsident Joseph Kabila, grosse Minenrechte zu Dumpingpreisen an verschiedenen Off-Shore-Firmen verkauft haben."
“Diese mächtigen Beweise", schreibt Joyce, "belegen, dass die natürlichen Rohstoffe des Kongo nicht als legitime Einnahmequelle für die kongolesische Bevölkerung genutzt werden. Eine ganze Reihe von komplexen Abmachungen zwischen der (kongolesischen) Regierung und den Briefkastenfirmen sorgt dafür, dass einige Wenige sich auf Kosten der breiten Bevölkerung bereichern." Wert der durch die illegalen Machenschaften verlorenen Einnahmen: über 5,5 Milliarden US-Dollar.

Sonntag, 9. August 2009

Rohstoffe: Glencore, der Strippenzieher aus der Schweiz

Der britisch-schweizerische Rohstoffmulti Xstrata mit Sitz in Zug greift nach dem südafrikanischen Bergbau-Giganten Anglo American, der u.a. auch den Diamanten-Monopolisten De Beers kontrolliert (siehe Contextlinkbeitrag grad unterhalb).
Noch ist nicht sicher, ob ein wichtiger Teil der südafrikanischen Wirtschaft bald von der Bahnhofstrasse 2 in Zug von der Schweiz aus gesteuert wird. Sicher scheint aber, dass eine andere Schweizer Grossfirma im Rohstoffbusiness, die Glencore International, umsatzstärkstes Unternehmen der Schweiz (noch vor Nestlé und Novartis) und grösster Rohstoffhändler der Welt, von dem Deal profitieren wird. (Ein Porträt der Glencore von SF findet sich am Ende dieses Beitrags).
Internationale Spezialisten sind sich auf jeden Fall einig, dass Glencore, der eigentliche Strippenzieher hinter der aggressiven Politik der Xstrata ist.

John Foley von "BreakingViews" schreibt in World Finance unter dem Titel "Core of the matter": "Xstrata boss Mick Davis mag der König der gewagten Uebernahmen im Minen-Business sein. Aber Glencore ist der Königsmacher."

Tatsächlich ist die Xstrata de facto eine Tochter von Glencore - auch wenn sie auf das Schweizer Traditionsunternehmen Südelektra (gegründet 1926) zurückgeht. Der Zuger (genau Baar ZG) Rohstoffhandelskonzern hält knapp 35% der Aktien des Bergbauunternehmens und die Verwaltungsräte beider Unternehmen werden von dem deutschen Willi R. Strothotte (im Bild links) kontrolliert.

Die Handelszeitung, von der ich den Titel "Strippenzieher aus der Schweiz" abgekupfert habe, schreibt, Glencore spiele im Hintergrund "die Schlüsselrolle" in diesem Deal und "könnte als Großaktionär von Xstrata seinen ohnehin enormen Einfluss auf die globalen Rohstoffmärkte weiter ausbauen." Ohne die Zustimmung und "ohne die tiefen Taschen" seines mit 35 Prozent größten Aktionärs, könnte Xstrata-Boss Mick Davis keine Fusion mit Anglo betreiben.

BoerseGo.de titelt gar "Xstrata, Anglo American & der lachende Dritte". Der Dritte ist natürlich Glencore. "Obwohl offiziell Kostenersparnisse durch Synergien als Argument für einen Zusammenschluss (Xstrata/Anglo; d.V.) angeführt werden, geht es in Wahrheit wohl vor allem um Macht und Zugriff auf Lagerstätten." Und: "Ein Zusammenschluss von AngloAmerican und Xstrata würde die Position von Glencore als führendes Rohstoffhandelsunternehmen der Erde klar verstärken."
Glencor verdient sein Geld mit der Vermarktung der Rohstoffe, die seine Partner weltweit aus dem Boden holen. Mit einer Kontrolle der AngloAmerican würde Glencore wohl auch die Verkaufsrechte der Anglo-Rohstoffe (von Kohle über Diamanten und Gold bis Zink und Kupfer) übernehmen. Damit würde Glencore nicht nur noch mehr Geld verdienen, sondern auch seinen Einfluss auf den Rohstoffmarkt ausbauen. "Die damit verbundene Marktmacht", schreibt boerseGo.de, "kann es dem Konzern ermöglichen, die Preise wenn nicht zu steuern, so doch erheblich zu beeinflussen. Dabei wird es zunehmend wichtiger, tatsächlich Zugriff auf das physische Angebot zu haben. Durch die gegenwärtige Regulierungsdebatte auf dem Finanzmarkt und die Neuordnung der US-Börsenaufsicht werden Geschäfte nur auf dem Papier zukünftig erschwert werden. Das ist schlecht für die Konkurrenz, aber zweitrangig für Glencore. Schließlich handelt man kein Papier, sondern kontrolliert tatsächlich die Warenflüsse."

Mit dem Anglo-Deal könnte die Glencore gleichzeitig aber noch ein anderes Ziel verfolgen: eine raschere Behebung seiner (angeblichen) Liquiditätsengpässe und die Befriedigung seiner eigenen Cashbedürfnisse. Auch Glencore leidet unter der aktuellen Wirtschaftskrise und den sehr tiefen Rohstoffpreisen. John Foley von "BreakingViews" bringt deshalb auch eine Variante ins Spiel, Glencore könnte sich schliesslich direkt am Anglo Deal beteiligen und Aktien kaufen. "So günstig wie jetzt", schreibt boerseGo.de, "lassen sich Bergbaukonzerne wohl auf absehbare Zeit nicht mehr übernehmen. Neben Bargeld sind auch Aktien eine gute Akquisewährung." (siehe auch "Glencore auf Schnäppchenjagd" und "Die Elefanten des Bergbaus sind die Banken von morgen").
Mit neuen Anglo American-Aktien zusätzlich zu ihren Xstrata-Anteilen wäre Glencore in einer exzellenten Position, wenn sich ein anderes Gerücht in der Rohstoffwelt bewahrheiten sollte: Die Nummer 2 der Branche, die Vale (früher Companhia Vale do Rio Doce (CVRD)) aus Brasilien beteiligt sich wieder aktiv am aktuellen Konzentrationsprozess im Bergbau-Business.

Warum sollen nicht Teile der Xstrata und der Anglo neu zusammengefügt an die Brasilianer verkauft werden oder gar die ganze neue Xstrata/Anglo American?
Vor etwas mehr als einem Jahr wollte die Vale die Xstrata schon einmal übernehmen, "unfriendly". Nur ein nicht ganz koscheres Manöver der Glencore, hat die Uebernahme verhindert. Dem Vernehmen nach ist der Deal damals aber nicht zuletzt daran gescheitert, dass die Vale der Glencore nicht sämtliche Vermarktungsrechte der von Xstrata geförderten Rohstoffe garantieren wollte.
Gegenüber damals ist Glencore heute in einer noch stärkeren Position: Vale muss einkaufen, wenn sie gegenüber der Nummer 1 im Rohstoffmarkt, der BHP Billiton, die kräftig weiter acquiriert, nicht weiter an Boden und Einfluss verlieren will. Glencore aber würde einem Ganz- oder Teilverkauf von Xstrata/Anglo American an die Brasilianer wohl nur zustimmen, wenn es seine alte Forderung erfüllt erhält, wie boerseGo.de schreibt: "Weiterreichende Zugeständnisse von Vale bei der Vermarktung der Rohstoffe durch Glencore."

Glencore könnte als mit seinem Poker um AngloAmerican via seine Tochter Xstrata "zwei Fliegen auf einen Schlag" treffen: Mit dem Erlös aus dem Aktienverkauf an Vale würden grosse flüssige Mittel in die Kasse fliessen und gleichzeitig wären zusätzliche, milliardenwerte Verkaufsrechte gesichert.

Und hier nocheinmal das Glencore-Porträt des Wirtschaftsmagazins "Eco" des Schweizer Fernsehens:

Samstag, 8. August 2009

Schweizer Rohstoff-Giganten greifen nach Südafrikas Kronjuwelen

Verrückte, globalisierte Welt: Es ist gut möglich, dass der wichtigste Teil der Südafrikanische Wirtschafts- und Sozialpolitik schon bald von der Schweiz, von einem kleinen Büro an der Bahnhofstrasse 2 in Zug, gesteuert wird. Das ist die Geschichte:

Im internationalen Rohstoffgeschäft gilt schon länger das Motto "fressen und/oder gefressen werden." Zur Zeit geht es allen im Business schlecht, weil die Rohstoffpreise wegen der Wirtschaftskrise im Keller sind. Alle Bergbauunternehmen sind von feindlichen Uebernahmen bedroht, (fast) alle sind aber gleichzeitig selbst Angreifer und bedrohen Konkurrenten.
Ein aktuelles Beispiel ist die britisch-schweizerische Xstrata mit Sitz in Zug.

Mit einer aggressiven Einkaufsstrategie hat "Big Mick", Mick Davis, der CEO des Zuger Multis, die Xstrata innerhalb von knapp 8 Jahren zur Nummer 4 im Milliardenmarkt Bergbau gemacht. Wichtigster Rohstoff der Xstrata ist heute die Kohle (früher Ferrochrom und Vanadium), aber mit den Einkäufen verfügt die Firma über eine strategisch starke Diversifizierung in Kupfer, Platin, Gold Kobalt, Zink, u.a.m..

Anlässlich der Präsentation des Halbjahresergebnisses 2009 letzte Woche (4. August) hat die Xstrata den folgenden Chart präsentiert und auf die Firmenhomepage gestellt: Die Umsatzstärksten Unternehmen im Welt-Minen-Geschäft. Zu beachten, die Marktposition der Xstrata nach der angestrebten Fusion mit der AngloAmerican:
Noch letztes Jahr drohte der Xstrata eine Uebernahme durch die brasilianische Vale, Nummer 2 im Weltmarkt. Das "Unfriendly Takeover" konnte nur dank der tatkräftigen - und nicht in allen Teilen koscheren - Unterstützung von Hauptaktionärin Glencore, abgewendet werden.

Jetzt greift Xstrata einen der traditionellen Top-Player im Bergbaubusiness an, die britisch-südafrikanische Anglo American. Anglo American (AAC) ist noch immer einer der grössten Rohstoffmultis der Welt, aber gleichzeitig eine Legende. Gegründet 1917 von Ernest Oppenheimer steht AAC für die Geschichte des klassischen Minenlandes Südafrika. Im Guten wie im Schlechten. Anglo American kontrolliert mit einer Aktienmehrheit auch den vielleicht noch etwas berühmteren Diamanten-Monopolisten DeBeers.

Ein Mega-Unternehmen gebaut auf Milliarden Schulden
Offiziell ist das Angebot, das Mick Davis der AAC Ende Juni unterbreitet hat, eine "Fusion unter Gleichen". Gleich sind nicht nur - in etwa - die aktuellen Umsätze der beiden Unternehmen, gleich gross - gigantisch gross - ist auch die aktuelle Verschuldung: Die Xstrata sitzt aktuell auf einem Schuldenberg von sage und schreibe 13 Milliarden Dollar, bei der AAC sind es "nur" 11 Milliarden.
Nichts kann aus meiner Sicht den kranken Zustand der Weltwirtschaft besser illustrieren als dieser Umstand, dass zwei total verschuldete Unternehmen zur Sicherung ihres Bestandes nicht zuerst einmal versuchen, ihre Schulden zu reduzieren, sondern im Gegenteil offenbar über Mittel verfügen, die es ihnen erlauben, maximal in die Offensive zu gehen und neue Milliardengeschäfte zu tätigen. Das ganze Business basiert zur Zeit auf Spekulation. Man hofft, dass die Rohstoffpreis bald wieder ansteigen und die Unternehmen wieder so satte Gewinne einfahren wie früher. Tatsächlich spricht da ja einiges dafür, allerdings kommt der Aufschwung nicht so schnell wie erhofft (Die aktuellen Zahlen 1. Hälfte 2009 gibt's hier). Immerhin bauen die Geldgeber im Bergbaugeschäft nicht nur auf virtuelle Werte wie im reinen Finanzbusiness. Die Bodenschätze sind reale Werte, die beim zu erwartenden Wirtschaftsaufschwung auch wirklich gebraucht und verkauft werden können - sei es Eisenerz, Gold, Kupfer, Uran oder Oel.

Mit dem Merger Xstrata/Anglo American würde ein Unternehmen mit einem Umsatz von rund 54 Milliarden US-Dollar entstehen (Zahlen Basis 2008), fast so gross wie die Welt Nummer 1 BHP Billiton. Die Fusion der australischen BHP mit der britischen Billiton 2001 hat gezeigt, dass so eine Elephantenhochzeit tatsächlich nicht nur grosse Synergieeffekte im Sinn von Ersparnissen beim Betrieb bringen kann, sondern auch eine krisenresistentere Position im Markt.

Politischer Widerstand
Trotzdem reagiert man in der Konzernzentrale in London und vor allem in Südafrika selbst sehr alarmiert auf die Offerte aus der Schweiz. Der Staat Südafrika ist nicht nur ein wichtiger Aktionär der Anglo, die AAC ist schlicht ein Teil von Südafrika, Teil seiner Identität und einer der wichtigsten Arbeitgeber. Anglo American und DeBeers sind so etwas wie die Kronjuwelen Südafrikas.
In den internationalen Medien sind denn auch verschiedentlich Kommentare zu lesen, dass der Deal nicht zustande kommen werde, weil die Südafrikanische Regierung ihr Veto einlegen werde. Ein absoluter Insider im Rohstoffbusiness betont gegenüber Contextlink, Südafrikas Staatspräsident Jacob Zuma engagiere sich persönlich: "Er übt grossen Druck auf die AAC aus, die Fusion zu vermeiden." "Allerdings", realisiere er nicht, "dass die AAC schon längst ihr ganzes Geld in London hat, wohin sie ihren Geschäftssitz vor 12 Jahren verlegt hat."

Diese Woche hat Mick Davis sein Angebot an die Anglo nocheinmal bestätigt und es ist ein offenes Geheimnis, dass es eine ganze Reihe von wichtigen AAC-Aktionären gibt, die ein Zusammengehen mit der Schweizer Xstrata sehr gerne sähen, nicht zuletzt, weil sie nach wie vor kein Vertrauen in die Anglo-Chefin Cynthia Carroll (im Bild links) haben. (Dahinter steckt auch eine spannende Geschichte über die Chancen und Schwierigkeiten einer Frau in der Top-Etage des internationalen Business, die ich in einem späteren Beitrag zu erzählen versuchen werde.)

Rohstoffmacht Schweiz
Es ist also sehr gut möglich, dass ein Unternehmen aus der rohstoffarmen Schweiz, bald das Sagen in einem Schlüsselbereich der südafrikanischen Wirtschaft hat. Gleichzeit würde aus der Provinzstadt Zug in der Schweiz das 2. grösste Bergbauunternehmen der Welt gesteuert.

Einer der ganz grossen Profiteure des Deals wäre eine andere Schweizer Firma, umsatzstärkstes Unternehmen der Schweiz (vor Nestlé und Novartis!) und grösster Rohstoffhändler der Welt: die Glencore mit Sitz ebenfalls in Zug (genau in Baar ZG).
Glencore ist mit 35% Aktienanteil nicht nur der grösste Teilhaber an der Xstrata, sondern ihr Verwaltungsratspräsident Willy R. Strothotte ist auch der oberste Boss der Xstrata. Die Xstrata ist eine Tochter der Glencore. In der Rohstoff- und Finanzwelt weiss man denn auch, dass der eigentliche Strippenzieher der andauernden Xstrata-Offensive - und ihre finanzielle Absicherung - die Glencore ist. (Dazu möchte ich aber eine separaten Contextlink-Beitrag verfassen.)

Dienstag, 17. Februar 2009

Die Elefanten des Bergbaus sind die Banken von morgen (Update)

Minen-Fotos: KatangaMining

GoldInvest.de, das "Portal für Kapitalanlagen und Rohstoffaktien" empfiehlt, unter dem Titel "Die Elephanten des Bergbaus sind die Banken von morgen" mitten in der schlimmsten Krise des Rohstoffmarktes und -handels, Aktien von Bergbaugrosskonzernen wie Anglo American, BHP oder Rio Tinto zu kaufen.
Am Rande der größten Bergbaukonferenz Afrikas, der INDABA in Kapstadt, sagte Mark Tyler, Direktor für Bergbau und Ressourcen der Nedbank, gegenüber GoldInvest, dass vor dem Platzen der Finanzblase ca. 50% der Minenprojekte durch Fremdkapital, also die Aufnahme von Schulden, finanziert wurde. Diese Quellen der Banken sind nun komplett versiegt. Finanzkäftige Rohstoffkonzerne übernehmen diese Rolle jetzt - gezwungenermassen - selbst

Nicht namentlich erwähnt GoldInvest den grössten Rohstoffhändler der Welt, die Glencore mit Sitz in Zug. Vermutlich, weil sich das Stuttgarter Rohstoffportal schwergewichtige auf das Goldgeschäft konzentriert. Aber Glencore erfüllt perfekt die Bedingungen, die die Spezialisten als erfolgversprechend beschreiben

Grosskonzerne auf Schnäppchenjagd
Finanzkräfte Unternehmen wie Glencore leiden zwar auch unter der Krise, sind aber so finanzstark, dass sie in dieser Krise erfolgreich auf Einkaufstour gehen können. GoldInvest formuliert es so: "Auf den heute drastisch eingebrochenen Kursen kann man auf Einkaufstour gehen wie zu besten kombinierten Sommer- und Winterschlussverkaufszeiten zusammen. Viele Unternehmen haben bis zu 90% ihres Kurswertes eingebüßt und sind entsprechend günstig zu haben."

Wie das in der Praxis geht, habe ich am Beispiel der Übernahme des potenziell grössten Kupferproduzenten Afrikas und des grössten Kobaltproduzenten der Welt, der KatangaMining im Kongo, in meinen entsprechenden Publikationen im Newsnetz und in der Printausgabe der Basler Zeitung beschrieben: "Schweizer Rohstoffgigant Glencore auf Schnäppchenjadg" und "Heikler Deal zwischen Schweizer Rohstoffgiganten".

Das Zuger Nachfolgeunternehmen von Marc Rich, Glencore, hat am 9. Februar 2009 für rund 265 Millionen US Dollar mit KatangaMining die "Kronjuwelen des Kongo" übernommen. Der Wert der Firma wurde letztes Jahr noch auf 3,3 Milliarden Dollar geschätzt.

Kaufempfehlung für billige Rohstoffaktien
Natürlich ist Glencore nicht der einzige Rohstoffkonzern, der die Krise nutzt, um sein Imperium zu vergrössern.Deshalb ermuntert das Aktienportal Goldinvest potentielle Aktienkäufer, jetzt in solche Projekte und Unternehmen zu investieren:
"Gleichzeitig können solche Beteiligungen ein Katalysator für den Aktienkurs des Unternehmens werden, das finanziert wird, denn wenn sich ein „Elefant” an einer „Maus” beteiligt, dann hat das immer einen triftigen Hintergrund! Profitieren kann man hier auf beiden Wegen. Zum einen mit Elefanten-Aktien der Branchengrößen wie Agnico-Eagle, BHP, Goldcorp, Newcrest Mining, Silver Wheaton und viele andere mehr. Auf der anderen Seite kommen aber genau die gefallenen Engel (Mäuseaktien) in Betracht die der Markt einfach nur verdroschen hat, ohne genau hinzusehen."

Exportsteuern praktisch auf Null gesenkt
Inzwischen könnte sich der Deal der Glencore - und alle, die es riskieren in KatangaMining zu investieren - bereits weiter positiv entwickelt haben. Um den aktuell arg Not leidenden, vornehmlich ausländischen Bergbauunternehmen das Überleben während der Krise zu erleichtern, hat die kongolesiche Regierung eben entschieden, die Exportsteuer von bisher schon - wie die 3.Weltorganisationen sagen "skandalösen" - 5% auf 1% zu reduzieren. De Facto können damit die Rohstoffe bis auf Weiteres gratis aus dem potentiell reichsten Land Afrikas exportiert werden.

Pax Americana
Gleichzeitig scheint die neue Regierung der USA jetzt mit Macht dafür sorgen zu wollen, dass im Kongo endlich Friede einkehrt, was nicht zuletzt den Bergbaukonzernen zugute käme und neue Invetsitionen im rohstoffreichsten Land Afrikas erlauben würde. Alles deutet darauf hin, dass es die neue Obama-Administration war, die das "Wunder" bewirkt hat, dass zur Zeit die gut ausgebildete und disziplinierte ruandische Armee gemeinsam mit den maroden kongolesischen Regierungstruppen den rohstoffreichen Osten (Kivu) des Landes befriedigen - was immer das für die leidgeprüfte Zivilbevölkerung heisst (Bild: AFP). Die unabhängige kongolesische Tageszeitung "Le Potentiel" spricht von einer "Pax Americana" und macht den logischen Link zu den Rohstoffen. Bei der amerikanischen Initiative gehe es nicht nur um den Frieden, sondern auch um die Sicherung des US-Einflusses für westliche Rohstoff-Unternehmen als Reaktion auf die immer stärkere Rolle, welche China auch im Kongo spielt.

Profitieren von den Chinesen
Doch auch das chinesische Engagement wird den westlichen Rohstoffkonzernen wie Glencore von Vorteil gereichen: China hat sich nämlich als Gegenleistung für umfangreiche Schürfrechte im Kupfergürtel der Südprovinz Katanga verpflichtet, eine 3500 Kilometer lange Verbindungsstrasse und parallel dazu eine Eisenbahnlinie zwischen den Berbaugebieten des Südens mit den Minen (Gold, Diamanten, Coltan, u.a.) im Kivu zu bauen. Für 9 Millarden US Dollar. (Dazu ein BBC-Hintergrund inkl. Video hier; aus dem Video stammt auch das Foto des chinesischen Vermessers mit afrikansichem Gehilfen).

Hohes Risiko
Doch das Geschäften in Afrika, speziell im Kongo bleibt sehr riskant. Heute ist noch unsicher, ob die aktuellen Militäraktionen der vereinten ruandisch-kongolesischen Streitkräfte wirklich erfolgreich sein werden. Wenn nicht, dürfte Kongos Staatspräsident Joseph Kabila nicht mehr lange im Amt sein. Und die Erfahrung lehrt, dass sich neue Staatschefs im Kongo wenig um die Verträge und Abmachungen ihrer Vorgänger kümmern.
Doch für Anleger gilt das gleiche wie es der Präsident von Glencore für die Grosskonzerne formuliert hat: "Je unbeständiger die Situation, desto grösser das Risiko, und je höher das Risiko, desto höher darf die Rendite sein." (Zitiert aus einem spannenden Hintergrund der Wirtschaftssendung "Eco" des Schweizer Fernsehens SF).

Update:
Es deutet einiges daraufhin, dass die Spekulation für Glencore (und andere) schneller aufgeht, als erwartet. Das grossen Minenportal "Mine Web" erwartet, dass sich die Kupferpreise schneller erholen werden als erwartet.
"A review of what is happening in copper supply suggests that losses in output through closures and project abandonments may be sufficient to turn the market round quicker than many analysts would seem to contemplate."
Entwicklung und Stand des Kupferpreises am 19. Februar 2009: