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Donnerstag, 26. April 2012

Schweizer Rohstoffhändler: "Wir sind alle Banditen."

Genf, Welthauptstadt der Rohstoffe
Genf ist die "Welthauptstadt der Rohstoffe". Glencore ist die grösste Firma der Schweiz, und der Welt grösster Rohstoffhändler. Seit die bislang äusserst diskrete Firma mit Sitz in Baar/ZG letztes Jahr an die Börse ging, wird Stück für Stück mehr bekannt über die nicht ganz umstrittenen Geschäftspraktiken des Zuger Unternehmens. Foreign Policy bringt jetzt neue, aufregende Details.
Für uns Schweizer speziell interessant, sind einige anekdotische Details, die der FP-Autor Ken Silverstein zum Besten gibt. Voralllem, weil sie illustrieren, welch erschreckendes Image die Schweiz im internationalen Business hat:

Sonntag, 20. November 2011

Rohstoffe Kongo: Beweise für massiven Betrug auf Kosten der Bevölkerung

Bild: Comdev
Was wir alle schon lange wissen, scheint der englische Parlamentsabgeordnete Eric Joyce jetzt beweisen zu können:
Dokumente, die er als Präsident der britische Parlamentskommission für die Grossen Seen Afrikas erhalten und auf seinem Blog veröffentlicht hat, “bestätigen zum ersten Mal, dass Elemente der Regierung der DRC (Kongo), speziell der aktuelle Präsident Joseph Kabila, grosse Minenrechte zu Dumpingpreisen an verschiedenen Off-Shore-Firmen verkauft haben."
“Diese mächtigen Beweise", schreibt Joyce, "belegen, dass die natürlichen Rohstoffe des Kongo nicht als legitime Einnahmequelle für die kongolesische Bevölkerung genutzt werden. Eine ganze Reihe von komplexen Abmachungen zwischen der (kongolesischen) Regierung und den Briefkastenfirmen sorgt dafür, dass einige Wenige sich auf Kosten der breiten Bevölkerung bereichern." Wert der durch die illegalen Machenschaften verlorenen Einnahmen: über 5,5 Milliarden US-Dollar.

Dienstag, 25. Januar 2011

Wettlauf um Guinea (Up-Date 26.1. 0700)

Prospektionsarbeiten Eisenerzmine Simandou (Guinea)
Wie Contextlink eben erfahren hat, hat Präsident Condé seinen Besuch in Davos abgesagt. Er ist heute und morgen in Tripoli und wird am Wochenende am African-Union-Gipfel in Adis Abeba erwartet. Weil die Hintergrund-Infos aber weiter gültig sind, lasse ich den Blogpost von gestern 25.1. stehen:

Alpha Condé am WEF ! Diese Schlagzeile wird's in den Medien nicht geben. Doch der neue Präsident aus Guinea ist in Davos dabei und seine Agenda  dürfte schon länger ausgebucht sein. Insbesondere Regierungsvertreter und Lobbyisten aus China, Brasilien, Russland und Australien umschwärmen den 73-jährigen ersten zivilen Präsidenten Guineas seit seiner offiziellen Amtseinsetzung am vergangenen 22. Dezember.
Guinea, zur Zeit (noch) eines der ärmsten Länder dieser Welt, ist wohl die fetteste Beute, die auf dem Weltrohstoffmarkt zu verteilen ist:

Donnerstag, 30. Dezember 2010

Guinea: Unterwegs zur afrikanischen Positiv-Geschichte

Alpha Condé, neuer Präsident von Guniea (Conakry)
Afrika ist zur Zeit wieder einmal in den Schlagzeilen der Westpresse. Natürlich negativ. Der Sudan ist unterwegs zum 38. Bürgerkrieg und die Elfenbeinküste bestätigt alle unsere Vorurteile: Afrika ist nicht zur Demokratie fähig.
Keine Schlagzeilen macht ein anderes Land westlich der Elfenbeinküste, auch wenn es Positiv-Schlagzeilen verdient hätte: Guinea. Während die mediale Welt zusieht, wie sich die Elfenbeinküste - respektive ihre politischen Machthaber - selbst im Weg steht, hat Guinea nach über 50-Jahren Militärherrschaft eben den friedlichen Übergang zu einer zivilen Regierung geschafft.

Am 22. Dezember wurde der "ewige Oppositionelle", Alpha Condé (73), lange Jahre Politologie-Professsor an der Sorbonne in Paris, offiziell in das Amt des Präsidenten eingesetzt. Demonstrativ hat der letzte militärische Machthaber, Sékouba Konaté, Condés Arm nach der Amtseinsetzung zum Triumph erhoben.  (Bild rechts).

Sonntag, 14. März 2010

"Blood in the Mobile" (Blut im Handy)

Bild: Global Witness: Cassiterite im Ost-Kongo

Über den Zusammenhang zwischen dem schier endlosen Albtraum im Osten des Kongo und unseren elektronischen Geräten habe ich auf Contextlink schon mehrfach berichtet. Im kommenden September soll jetzt ein DOK-Film zum Thema in die Kinos kommen: "Blood in the Mobile". Dies ist der Trailer dazu:


Auch wenn ich den Film natürlich noch nicht gesehen habe, scheint mir das schon jetzt ein Stück aus der Abteilung "Journalismus at its best". (Das gibt es noch!). Aus zwei Gründen:

1. Das Thema ist hochrelevant
2. Der journalistische Approach

zu 2. Der journalistische Approach:
Der dänische Autor, Frank Piasecki Paulsen, verbindet sein Informationsbedürfnis mit seiner Lust auf Abenteuer. Er wagt es, ein Thema, das weder neu noch in den Westmedien besonders gefragt ist, anzugehen. Mit viel Aufwand.

Zur PR seines Dok-Films hat er nicht nur eine spezielle Homepage, inkl. Facebook Fanseite eingerichtet, sondern er hat während den Dreharbeiten einen Videoblog mit 10 Beiträgen (Screenshot von F. Paulsen rechts) geführt. Diesen Blog finde ich als Mich-irgendwie-verwandt-Fühlender besonders aufregend: Frank spricht vor Ort, spontan in die Kamera, und erlaubt damit nicht nur seltene Einblicke in die Arbeit eines Reporters im Feld, sondern auch in seine persönliche Befindlichkeit in der heiklen Situation. Das wirkt unglaublich authentisch und diese Reportageform schafft bei mir eine maximale Identifikation mit diesem Reporter-Menschen und löst lange Gedankenreisen in meine eigene Zeit im Kongo aus.

Zu 1. das Thema ist hochrelevant:
Der Zusammenhang zwischen der endlosen Katastrophe im Ost-Kongo, der Ausbeutung der Bodenschätze im Ostkongo (Kivu) und unserem Bedarf nach diesen Materialen unter anderem in unseren Handys und Computern ist hochaktuell. Vergeblich versuchen NGOs wie "Global Witness" seit Jahren, die westlichen Hersteller unserer elektronischen Geräte dazu zu bringen, keine Materialien aus den Bürgerkriegsgebieten zu verwenden, weil damit die Konflikte finanziert und am Leben erhalten werden.
Im letzten Sommer hat Global Witness einen grossen Bericht mit breiter Dokumentation der Zusammenhänge herausgegeben: "Faced with a gun, what can you do?" (siehe auch Contextlink dazu)
Die Hoffnung, dass sich mit dem Ende des Bürgerkriegs zu Beginn des letzten Jahres endlich auch die Verhältnisse im Ostkongo bessern werden und unter anderem das illegale Minenwesen unter Kontrolle kommen werde, haben sich inzwischen als (neue) Illusion erwiesen.
Weder hat sich die Situation für die Zivilbevölkerung verbessert, noch ist ein Ende des ungeregelten Rohstoffgeschäfts in Sicht.
Eben berichtet Global Witness, die grössten Casserite-Minen in Bisie, im Raum Walikale (siehe Karte rechts von Global Witness) , wo der Dok-Film "Blood in the Mobile" gedreht wurde, sei jetzt unter Kontrolle der CNDP, der ehemaligen von Ruanda unterstützen Rebellen-Armee von Laurent Nkunda. Die CNDP wurde beim Friedensabkommen zu Beginn des letzten Jahres in die reguläre kongolesische Armee eingegliedert. Mit Unterstützung durch reguläre ruandische Verbänden haben sie 2009 die FDLR, die aus Resten der nach dem Völkermord in Ruanda 1994 geflüchteten Hutu-Armee besteht, gemeinsam gejagt. Insbesondere haben diese Hutu-Einheiten seit rund 15 Jahren auch die wichtigsten Zinn- ( Casserite- und Coltan-)Minen) unter anderem in Bisie/Walikale (Bild links) kontrolliert. Diese haben jetzt also die ehemaligen Rebellen der CNDP geerbt. Irgendwie musste ja das Einlenken der Nukunda-Armee und ihre Eingliederung in die reguläre kongolesische Armee abgegolten werden.

Damit aber sind wir wohl von einer Regelung der Verhältnisse im Minengeschäft des Ost-Kongo so weit entfernt wie zuvor. Es wird so weiter gehen, wie die letzten 15 Jahre: Bereicherung lokaler Businessgrössen und Warlords, grosses Leid für die lokale Bevölkerung.

Ein Bann der Rohstoffe aus dem Krisengebiet ist nicht in Sicht. Wir werden weiter mit Blut in unseren Handys telefonieren.




Donnerstag, 22. Oktober 2009

Boliviens Lithium-Zukunft (FP)

Bild: GettyImages: Flamingos auf dem Lithium-See Uyuni in Bolivien

Jetzt hat auch Foreign Policy das Thema Lithium und Bolivien aufgenommen: "Bolivia's Lithium-Powered Future". "Was der weltweite Batterien-Boom für das ärmste Land Südamerikas bedeutet."

Contextlink hat schon einige Zusammenhänge dazu zusammengetragen. Die Story auf FP ist aber sehr lesenwert, speziell dank der vielen Bilder.


Bild: GettyImages: Erste Anzeichen der Lithium-Ausbeutung am Uyuni-See in Bolivien

Dienstag, 6. Oktober 2009

Die Zukunft der Elektroautos liegt in Bolivien: Der Rohstoff Lithium

Die Zukunft des Autos ist elektronisch. Das hat inzwischen - dank der Wirtschaftskrise - auch die Automobil-Industrie begriffen. Jetzt endlich forcieren sie die jahrzehntelang vernachlässigte Forschung am abgasfreien Elektro-Antrieb.
Das Hauptproblem ist allerdings noch nicht gelöst: Die Speicherkapazität der Batterien. Nicht nur die Technik ist ein Problem: Noch wenig bekannt ist, dass es auch am nötigen Rohstoff fehlt. Basis der Lithium- Ionen-Akkus in den Autos ist der Rohstoff Lithium. Und auch dieser Rohstoff ist rar. Wir haben ein "Problem mit dem Lithium". Es gibt auf der Erde zu wenig Lithium, um die geplanten Millionen-Flotten von Hybrid- und Elektroautos anzutreiben.

Und - auch das ist für Manche ein Problem - die Hälfte der bekannten Lithiumvorräte dieser Welt liegen in Bolivien, unter dem Uyuni-Salzsee, auf rund 3700 Meter über Meer in der unwirtlichen Atacama Wüste. Jahrhundertelang haben Fremde die Rohstoffe des armen Andenstaates ausgebeutet. Zuerst die Spanier (Silber) und dann internationale Rohstoffkonzerne. Bolivien und die Bolivianer selbst hatten - mit Ausnahmen einer kleinen Gruppe von lokalen Oligarchen - wenig davon. Der ganze Reichtum aus dem bolivianischen Boden - sei es Silber, Zink, Oel, Gas oder Soja - floss ins Ausland. Seit 2006 ist das anders. Seit seinem Machtantritt hat der erste indianische Präsident eines lateinamerikanischen Landes den ausländischen Rohstoff-Firmen und den einheimischen Oligarchen Bedingungen aufgezwungen, die den Staat und damit die Bevölkerung Boliviens an den Einnahmen aus dem Rohstoffgeschäft beteiligen.

Und auch in Sachen Lithium hat Präsident Morales von Anfang an klargestellt, dass der bolivianische Staat den Abbau des "grauen Golds" kontrollieren will: "Wir suchen Partner - nicht Herren", hat er u.a. gegenüber dem österreichischen "Standard" gesagt.

Die Westmedien setzen schon reisserische Titel: Bolivien könnte "Mit Lithium reich wie Saudiarabien werden" ("Der Standard") oder "Salziges Gold" ("Süddeutsche Zeitung"). Und der "Spiegel" schreibt: "Es ist kaum zu glauben, dass der Rest der Welt, angeführt von großen Industriestaaten wie etwa Deutschland, Japan und den USA, irgendwie von dem desolaten Salzsee in Bolivien abhängig sein könnte. Doch genau das wäre der Fall, wenn die Regierungen, Rohstoffkonzerne und Autohersteller des Westens weiterhin energisch auf eine Zukunft mit Millionen von Hybrid- und Elektroautos setzen - auf leise summende Antriebe mit Akku-Paketen und Ladestationen mit Stromkabeln und Steckern anstelle von Tankstellen, Zapfsäulen und Tankrüsseln."

Doch Bolivien geht das Problem langsam und sichtlich gelassen an. Die Preise für Lithium steigen kontinuierlich und am Uyuni-See wird erst eine Versuchsfabrik gebaut, wie der sehr informative, zweiteilige Report von ArteTV zeigt, den ich ans Ende dieses Contextlink-Beitrags stelle.

Zuvor aber noch das:
Der Westen, die Auto produzierenden Industriestaaten haben alles Interesse daran, dass Bolivien stabil bleibt. Doch diese Stabilität ist sehr gefährdet. Am kommenden 6. Dezember finden in Bolivien Präsidentschaftswahlen statt. Evo Morales dürfte die Wahlen gewinnen. Doch internationale Beobachter fürchten, das es nach den Wahlen zu einer erneuten Eskalation der innenpolitschen Situation kommt. Insbesondere die von Morales etwas kürzer gehaltenen (meist weissen) Oligarchen drohen mit der Teilung des Landes. Offen reden sie von einem Bürgerkrieg und einer Abspaltung des reicheren, im Osten gelegenen Tieflandes. Nicht, dass ein Bürgerkrieg westliche Rohstoffkonzerne bisher daran gehindert hätte, die Rohstoffe eines Landes trotzdem auszubeuten. Aber mit Sicherheit, ist ein friedliches und sicheres Bolivien für den Abbau des so wichtigen Rohstoffes Lithium günstiger, als wenn das Land in einem gewalttätigen Chaos versinkt.
Vielleicht aber ist das Lithium auch eine Chance für Bolivien: Die Oligarchen könnten es sich angesichts der formidablen Gewinnaussichten mit dem Lithium im westlichen Hochland vielleicht doch noch einmal überlegen, ob sie es mit einer Abspaltung des östlichen Tieflandes wirklich ernst meinen.
Und für Morales bedeutet das Lithium die reale Chance, zumindest einen Teil der Hoffnungen, die man in Bolivien, in Südamerika und in der ganzen Dritten Welt auf ihn setzt, wahr zu machen.

"Lithium. das graue Gold" Report Arte TV 2009:
Teil 1:


Teil 2:

Montag, 21. September 2009

USA in Afrika: Kampf um Einfluss und Rohstoffe

Bild: AFRICOM: US-General William "Kip" Ward in Ruanda

"Americas neue Frontlinie" heisst die 4-teilge Dokumentation von Al-Jazeera über die neue, sehr aktive Rolle der USA in Afrika. (siehe dazu auch Contextlink: Obamas aerster Sieg in Afrika"). Autor des AJ-Reports ist Rageh Omaar, 42-jähriger ex-BBC Journalist mit somalischen Wurzeln. Der in Mogadischu geborene dunkelhäutige Omaar macht nicht nur eine Vielzahl spannender Aussagen, sondern kann sich auch spezielle Sätze erlauben: Vor dem Weissen Haus stellt er fest, dass dieses Gebäude nicht nur von schwarzen Sklaven gebaut wurde, sondern dass heute auch dessen aktueller "Herr" ein Schwarzer ist.

Rages Theorie, die er mit Aussagen von der US-Regierung sehr nahestehenden Spezialisten belegt, ist nicht neu: Afrika ist zu einem geostrategisch wichtigen "Einflussgebiet" geworden. Auch in Afrika geht es den USA nicht um "Freiheit" oder "Demokratie", sondern schlicht um ökonomische Interessen: Um die Sicherung der Rohstoffe Afrikas, nicht zuletzt einmal mehr um Oel. Hauptkonkurrent - natürlich - China.
Viele Bilder, die man so noch nicht gesehen, auf "unseren" TV-Kanälen, u.a. eine nahe Begleitung des (schwarzen) Kommandanten von AFRICOM, des Zentralen Kommandos der USA für Afrika, welches auch mit dem Anspruch auftritt, zivile Hilfe zu leisten.

Speziell spannend, wie deutlich er herausarbeitet, welch' zentrale Rolle im amerikanischen Dispositiv Ruanda spielt. Und die Bilder und Analysen zum Disaster des ersten US-amerikanische Kampf-Einsatzes in Zentralafrika bei der Jagd nach den Rebellen der "Lord's Resistence Army" im Dreiländegebiet Uganda, Sudan, Kongo.

Viele vor-Ort-Eindrücke, viel grossräumige Analyse. Jorunalism at its best.

Teil 1: Kampf und Oel und andere Rohstoffe



Teil 2: AFRICOM: Die Militärs als Entwicklungshelfer?




Teil 3: Brückenköpfe Djibouti und Ruanda




Teil 4: Aktiver Kampfeinsatz in Zentralafrika


Sonntag, 9. August 2009

Rohstoffe: Glencore, der Strippenzieher aus der Schweiz

Der britisch-schweizerische Rohstoffmulti Xstrata mit Sitz in Zug greift nach dem südafrikanischen Bergbau-Giganten Anglo American, der u.a. auch den Diamanten-Monopolisten De Beers kontrolliert (siehe Contextlinkbeitrag grad unterhalb).
Noch ist nicht sicher, ob ein wichtiger Teil der südafrikanischen Wirtschaft bald von der Bahnhofstrasse 2 in Zug von der Schweiz aus gesteuert wird. Sicher scheint aber, dass eine andere Schweizer Grossfirma im Rohstoffbusiness, die Glencore International, umsatzstärkstes Unternehmen der Schweiz (noch vor Nestlé und Novartis) und grösster Rohstoffhändler der Welt, von dem Deal profitieren wird. (Ein Porträt der Glencore von SF findet sich am Ende dieses Beitrags).
Internationale Spezialisten sind sich auf jeden Fall einig, dass Glencore, der eigentliche Strippenzieher hinter der aggressiven Politik der Xstrata ist.

John Foley von "BreakingViews" schreibt in World Finance unter dem Titel "Core of the matter": "Xstrata boss Mick Davis mag der König der gewagten Uebernahmen im Minen-Business sein. Aber Glencore ist der Königsmacher."

Tatsächlich ist die Xstrata de facto eine Tochter von Glencore - auch wenn sie auf das Schweizer Traditionsunternehmen Südelektra (gegründet 1926) zurückgeht. Der Zuger (genau Baar ZG) Rohstoffhandelskonzern hält knapp 35% der Aktien des Bergbauunternehmens und die Verwaltungsräte beider Unternehmen werden von dem deutschen Willi R. Strothotte (im Bild links) kontrolliert.

Die Handelszeitung, von der ich den Titel "Strippenzieher aus der Schweiz" abgekupfert habe, schreibt, Glencore spiele im Hintergrund "die Schlüsselrolle" in diesem Deal und "könnte als Großaktionär von Xstrata seinen ohnehin enormen Einfluss auf die globalen Rohstoffmärkte weiter ausbauen." Ohne die Zustimmung und "ohne die tiefen Taschen" seines mit 35 Prozent größten Aktionärs, könnte Xstrata-Boss Mick Davis keine Fusion mit Anglo betreiben.

BoerseGo.de titelt gar "Xstrata, Anglo American & der lachende Dritte". Der Dritte ist natürlich Glencore. "Obwohl offiziell Kostenersparnisse durch Synergien als Argument für einen Zusammenschluss (Xstrata/Anglo; d.V.) angeführt werden, geht es in Wahrheit wohl vor allem um Macht und Zugriff auf Lagerstätten." Und: "Ein Zusammenschluss von AngloAmerican und Xstrata würde die Position von Glencore als führendes Rohstoffhandelsunternehmen der Erde klar verstärken."
Glencor verdient sein Geld mit der Vermarktung der Rohstoffe, die seine Partner weltweit aus dem Boden holen. Mit einer Kontrolle der AngloAmerican würde Glencore wohl auch die Verkaufsrechte der Anglo-Rohstoffe (von Kohle über Diamanten und Gold bis Zink und Kupfer) übernehmen. Damit würde Glencore nicht nur noch mehr Geld verdienen, sondern auch seinen Einfluss auf den Rohstoffmarkt ausbauen. "Die damit verbundene Marktmacht", schreibt boerseGo.de, "kann es dem Konzern ermöglichen, die Preise wenn nicht zu steuern, so doch erheblich zu beeinflussen. Dabei wird es zunehmend wichtiger, tatsächlich Zugriff auf das physische Angebot zu haben. Durch die gegenwärtige Regulierungsdebatte auf dem Finanzmarkt und die Neuordnung der US-Börsenaufsicht werden Geschäfte nur auf dem Papier zukünftig erschwert werden. Das ist schlecht für die Konkurrenz, aber zweitrangig für Glencore. Schließlich handelt man kein Papier, sondern kontrolliert tatsächlich die Warenflüsse."

Mit dem Anglo-Deal könnte die Glencore gleichzeitig aber noch ein anderes Ziel verfolgen: eine raschere Behebung seiner (angeblichen) Liquiditätsengpässe und die Befriedigung seiner eigenen Cashbedürfnisse. Auch Glencore leidet unter der aktuellen Wirtschaftskrise und den sehr tiefen Rohstoffpreisen. John Foley von "BreakingViews" bringt deshalb auch eine Variante ins Spiel, Glencore könnte sich schliesslich direkt am Anglo Deal beteiligen und Aktien kaufen. "So günstig wie jetzt", schreibt boerseGo.de, "lassen sich Bergbaukonzerne wohl auf absehbare Zeit nicht mehr übernehmen. Neben Bargeld sind auch Aktien eine gute Akquisewährung." (siehe auch "Glencore auf Schnäppchenjagd" und "Die Elefanten des Bergbaus sind die Banken von morgen").
Mit neuen Anglo American-Aktien zusätzlich zu ihren Xstrata-Anteilen wäre Glencore in einer exzellenten Position, wenn sich ein anderes Gerücht in der Rohstoffwelt bewahrheiten sollte: Die Nummer 2 der Branche, die Vale (früher Companhia Vale do Rio Doce (CVRD)) aus Brasilien beteiligt sich wieder aktiv am aktuellen Konzentrationsprozess im Bergbau-Business.

Warum sollen nicht Teile der Xstrata und der Anglo neu zusammengefügt an die Brasilianer verkauft werden oder gar die ganze neue Xstrata/Anglo American?
Vor etwas mehr als einem Jahr wollte die Vale die Xstrata schon einmal übernehmen, "unfriendly". Nur ein nicht ganz koscheres Manöver der Glencore, hat die Uebernahme verhindert. Dem Vernehmen nach ist der Deal damals aber nicht zuletzt daran gescheitert, dass die Vale der Glencore nicht sämtliche Vermarktungsrechte der von Xstrata geförderten Rohstoffe garantieren wollte.
Gegenüber damals ist Glencore heute in einer noch stärkeren Position: Vale muss einkaufen, wenn sie gegenüber der Nummer 1 im Rohstoffmarkt, der BHP Billiton, die kräftig weiter acquiriert, nicht weiter an Boden und Einfluss verlieren will. Glencore aber würde einem Ganz- oder Teilverkauf von Xstrata/Anglo American an die Brasilianer wohl nur zustimmen, wenn es seine alte Forderung erfüllt erhält, wie boerseGo.de schreibt: "Weiterreichende Zugeständnisse von Vale bei der Vermarktung der Rohstoffe durch Glencore."

Glencore könnte als mit seinem Poker um AngloAmerican via seine Tochter Xstrata "zwei Fliegen auf einen Schlag" treffen: Mit dem Erlös aus dem Aktienverkauf an Vale würden grosse flüssige Mittel in die Kasse fliessen und gleichzeitig wären zusätzliche, milliardenwerte Verkaufsrechte gesichert.

Und hier nocheinmal das Glencore-Porträt des Wirtschaftsmagazins "Eco" des Schweizer Fernsehens:

Samstag, 8. August 2009

Schweizer Rohstoff-Giganten greifen nach Südafrikas Kronjuwelen

Verrückte, globalisierte Welt: Es ist gut möglich, dass der wichtigste Teil der Südafrikanische Wirtschafts- und Sozialpolitik schon bald von der Schweiz, von einem kleinen Büro an der Bahnhofstrasse 2 in Zug, gesteuert wird. Das ist die Geschichte:

Im internationalen Rohstoffgeschäft gilt schon länger das Motto "fressen und/oder gefressen werden." Zur Zeit geht es allen im Business schlecht, weil die Rohstoffpreise wegen der Wirtschaftskrise im Keller sind. Alle Bergbauunternehmen sind von feindlichen Uebernahmen bedroht, (fast) alle sind aber gleichzeitig selbst Angreifer und bedrohen Konkurrenten.
Ein aktuelles Beispiel ist die britisch-schweizerische Xstrata mit Sitz in Zug.

Mit einer aggressiven Einkaufsstrategie hat "Big Mick", Mick Davis, der CEO des Zuger Multis, die Xstrata innerhalb von knapp 8 Jahren zur Nummer 4 im Milliardenmarkt Bergbau gemacht. Wichtigster Rohstoff der Xstrata ist heute die Kohle (früher Ferrochrom und Vanadium), aber mit den Einkäufen verfügt die Firma über eine strategisch starke Diversifizierung in Kupfer, Platin, Gold Kobalt, Zink, u.a.m..

Anlässlich der Präsentation des Halbjahresergebnisses 2009 letzte Woche (4. August) hat die Xstrata den folgenden Chart präsentiert und auf die Firmenhomepage gestellt: Die Umsatzstärksten Unternehmen im Welt-Minen-Geschäft. Zu beachten, die Marktposition der Xstrata nach der angestrebten Fusion mit der AngloAmerican:
Noch letztes Jahr drohte der Xstrata eine Uebernahme durch die brasilianische Vale, Nummer 2 im Weltmarkt. Das "Unfriendly Takeover" konnte nur dank der tatkräftigen - und nicht in allen Teilen koscheren - Unterstützung von Hauptaktionärin Glencore, abgewendet werden.

Jetzt greift Xstrata einen der traditionellen Top-Player im Bergbaubusiness an, die britisch-südafrikanische Anglo American. Anglo American (AAC) ist noch immer einer der grössten Rohstoffmultis der Welt, aber gleichzeitig eine Legende. Gegründet 1917 von Ernest Oppenheimer steht AAC für die Geschichte des klassischen Minenlandes Südafrika. Im Guten wie im Schlechten. Anglo American kontrolliert mit einer Aktienmehrheit auch den vielleicht noch etwas berühmteren Diamanten-Monopolisten DeBeers.

Ein Mega-Unternehmen gebaut auf Milliarden Schulden
Offiziell ist das Angebot, das Mick Davis der AAC Ende Juni unterbreitet hat, eine "Fusion unter Gleichen". Gleich sind nicht nur - in etwa - die aktuellen Umsätze der beiden Unternehmen, gleich gross - gigantisch gross - ist auch die aktuelle Verschuldung: Die Xstrata sitzt aktuell auf einem Schuldenberg von sage und schreibe 13 Milliarden Dollar, bei der AAC sind es "nur" 11 Milliarden.
Nichts kann aus meiner Sicht den kranken Zustand der Weltwirtschaft besser illustrieren als dieser Umstand, dass zwei total verschuldete Unternehmen zur Sicherung ihres Bestandes nicht zuerst einmal versuchen, ihre Schulden zu reduzieren, sondern im Gegenteil offenbar über Mittel verfügen, die es ihnen erlauben, maximal in die Offensive zu gehen und neue Milliardengeschäfte zu tätigen. Das ganze Business basiert zur Zeit auf Spekulation. Man hofft, dass die Rohstoffpreis bald wieder ansteigen und die Unternehmen wieder so satte Gewinne einfahren wie früher. Tatsächlich spricht da ja einiges dafür, allerdings kommt der Aufschwung nicht so schnell wie erhofft (Die aktuellen Zahlen 1. Hälfte 2009 gibt's hier). Immerhin bauen die Geldgeber im Bergbaugeschäft nicht nur auf virtuelle Werte wie im reinen Finanzbusiness. Die Bodenschätze sind reale Werte, die beim zu erwartenden Wirtschaftsaufschwung auch wirklich gebraucht und verkauft werden können - sei es Eisenerz, Gold, Kupfer, Uran oder Oel.

Mit dem Merger Xstrata/Anglo American würde ein Unternehmen mit einem Umsatz von rund 54 Milliarden US-Dollar entstehen (Zahlen Basis 2008), fast so gross wie die Welt Nummer 1 BHP Billiton. Die Fusion der australischen BHP mit der britischen Billiton 2001 hat gezeigt, dass so eine Elephantenhochzeit tatsächlich nicht nur grosse Synergieeffekte im Sinn von Ersparnissen beim Betrieb bringen kann, sondern auch eine krisenresistentere Position im Markt.

Politischer Widerstand
Trotzdem reagiert man in der Konzernzentrale in London und vor allem in Südafrika selbst sehr alarmiert auf die Offerte aus der Schweiz. Der Staat Südafrika ist nicht nur ein wichtiger Aktionär der Anglo, die AAC ist schlicht ein Teil von Südafrika, Teil seiner Identität und einer der wichtigsten Arbeitgeber. Anglo American und DeBeers sind so etwas wie die Kronjuwelen Südafrikas.
In den internationalen Medien sind denn auch verschiedentlich Kommentare zu lesen, dass der Deal nicht zustande kommen werde, weil die Südafrikanische Regierung ihr Veto einlegen werde. Ein absoluter Insider im Rohstoffbusiness betont gegenüber Contextlink, Südafrikas Staatspräsident Jacob Zuma engagiere sich persönlich: "Er übt grossen Druck auf die AAC aus, die Fusion zu vermeiden." "Allerdings", realisiere er nicht, "dass die AAC schon längst ihr ganzes Geld in London hat, wohin sie ihren Geschäftssitz vor 12 Jahren verlegt hat."

Diese Woche hat Mick Davis sein Angebot an die Anglo nocheinmal bestätigt und es ist ein offenes Geheimnis, dass es eine ganze Reihe von wichtigen AAC-Aktionären gibt, die ein Zusammengehen mit der Schweizer Xstrata sehr gerne sähen, nicht zuletzt, weil sie nach wie vor kein Vertrauen in die Anglo-Chefin Cynthia Carroll (im Bild links) haben. (Dahinter steckt auch eine spannende Geschichte über die Chancen und Schwierigkeiten einer Frau in der Top-Etage des internationalen Business, die ich in einem späteren Beitrag zu erzählen versuchen werde.)

Rohstoffmacht Schweiz
Es ist also sehr gut möglich, dass ein Unternehmen aus der rohstoffarmen Schweiz, bald das Sagen in einem Schlüsselbereich der südafrikanischen Wirtschaft hat. Gleichzeit würde aus der Provinzstadt Zug in der Schweiz das 2. grösste Bergbauunternehmen der Welt gesteuert.

Einer der ganz grossen Profiteure des Deals wäre eine andere Schweizer Firma, umsatzstärkstes Unternehmen der Schweiz (vor Nestlé und Novartis!) und grösster Rohstoffhändler der Welt: die Glencore mit Sitz ebenfalls in Zug (genau in Baar ZG).
Glencore ist mit 35% Aktienanteil nicht nur der grösste Teilhaber an der Xstrata, sondern ihr Verwaltungsratspräsident Willy R. Strothotte ist auch der oberste Boss der Xstrata. Die Xstrata ist eine Tochter der Glencore. In der Rohstoff- und Finanzwelt weiss man denn auch, dass der eigentliche Strippenzieher der andauernden Xstrata-Offensive - und ihre finanzielle Absicherung - die Glencore ist. (Dazu möchte ich aber eine separaten Contextlink-Beitrag verfassen.)

Sonntag, 2. August 2009

Ein kleiner afrikanischer General und der Kampf um die Weltherrschaft

Vorbemerkung: Wie ich erst heute feststelle, ist ein erster Teil-Entwurf dieses Beitrages schon seit Tagen unfertig im Netz gestanden. Ein Lapsus, für den ich mich entschuldigen möchte. Hier der Artikel, so wie ich ihn für zumutbar halte:

Zwei kleine Meldungen der letzten Woche sind mir besonders hängen geblieben: Die eine hat es in der Schweiz zum Beispiel in die BaZ und in die NZZ geschafft: "Arbeiter in China prügeln Direktor zu Tode" titelt ungewohnt boulevardesk die Zürcher Zeitung (Printausgabe). Gar nicht in die Schweizer Medien geschafft hat es eine Meldung aus Namibia: "Armeechef Namibias wegen Korruption entlassen."
Ich weiss, so eine exotische Afrika-Meldung interessiert hier wirklich fast niemanden ausser mir, zumindest auf den ersten Blick. Erst wenn man etwas genauer hinsieht, entdeckt man, welch spannende, weltpolitisch hochrelevante Geschichte sich dahinter verbirgt ... und dass es erst noch einen Zusammenhang mit der Meldung vom Lynchmord in China gibt. Eine richtige Contextlink-Geschichte:
Es geht um Geostrategie und "Einflusssphären" - um nicht zu sagen um die Weltherrschaft - zwischen China und dem "Westen", um Rohstoffmärkte, um Korruption und um die politische Zukunft der kommunistischen Staatspartei in China.

Zuerst ist es eine leider nicht speziell seltene Korruptionsgeschichte aus Afrika:

1. Ein afrikanischer Mächtiger bereichert sich:
Am 23. Juli hat Hifikepunye Pohamba, der Präsident des südwestafrikanischen Staates Namibia, seinen Armeechef Martin Shalli fristlos entlassen. Der Vorwurf: Korruption. Offenbar hat sich der General von einer staatlichen chinesischen Baufirma schmieren lassen und ihr den Auftrag für den Bau eines neuen Eisenbahnabschnitts zur sambischen Grenze zugehalten, obwohl das chinesische Angebote 3-mal teurer war, als die Offerte einer lokalen Firma, hinter der ein italienisches Konsortium steckt. Eine andere Version erzählt die deutsch-sprachige namibische Zeitung AZ : Es gehe um die Beschaffung von "Armeematerial".

Wie auch immer. So wahnsinnig spannend ist das ja noch nicht, auch wenn es ein weiterer Beleg ist für die Skrupellosigkeit - meist staatlicher - chinesischer Unternehmen bei der Eroberung neuer Märkte in Afrika und für die Anfälligkeit der Mächtigen in Afrika, sich selbst zu bereichern. Brisanter wird's, wenn man liest, dass es bei der kleinen afrikanischen Geschichte eine Verbindung in die absolute Top-Etage des chinesischen Staates gibt:

2. Die Verwicklung des Sohns des chinesischen Staatspräsidenten
Eine Woche früher, am 19. Juli, hat schon ein anderer Korruptionsfall in Namibia für Schlagzeilen gesorgt, in den ein staatliches chinesisches Konsortium verwickelt ist.
Dabei ging es um den Verkauf einer grossen Menge von Scannern aus China. Chef der chinesischen Lieferfirma NUCTECH war bis vor einem Jahr der Sohn des chinesischen Staastpräsidenten Hu Jintao mit Namen Haifeng. Beim neusten Fall mit dem General und dem Armeematerial geht es jetzt offenbar unter anderem auch um solche elektronische Apparate.

Es ist zwar etwas unangenehm für Chinas Staatspräsident Hu Jintao, der übrigens letztes Jahr persönlich Namibia besucht hat, wenn sein Sohn im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika polizeilich gesucht wird wegen der Verwicklung in einen Korruptionsfall, während er selbst in China eine Kampagne zur Bekämpfung der Korruption fährt. Aber wirklich brisant wird's erst, wenn die amerikanische Nachrichten-Agentur ("Schatten-CIA")
Stratfor einen Zusammenhang der Namibia-Affäre mit der Rio Tinto-Affäre in China und Australien herstellt ("Namibia, China: Curious Cases of Bribery").

Der Zusammenhang mit dem weltweiten Kampf um Rohstoffe
China ist in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Investoren in der ehemals deutschen Kolonie Südwestafrika, in Namibia geworden. Nicht wegen den schönen Landschaften und den Wildtieren. Namibia ist reich an Rohstoffen: Diamanten und ... Uran. Immerhin einer der begehrtesten, wertvollsten und strategisch heikelsten Rohstoffe der Welt. Die Rössing-Mine, 80 Kilometer östlich der Hauptstadt Windhoek ist die grösste Tagbau-Uran-Mine der Welt. Rund 8 Prozent des jährlich weltweit produzierten Urans stammt aus Namibia. Kontrolliert wird die Rössing-Mine vom australischen Bergbaugiganten Rio Tinto. Er hält 69 Prozent der Rössing-Aktien.
Und China und Rio Tinto sind zur Zeit in einem Clinch, der viel mit Chinas riesigem Bedarf an Rohstoffen hat und auch sehr viel mit der Neuordnung der Welt nach der Finanzkrise:

Die Rio Tinto/China-Affäre
China ist der grösste Stahlproduzent der Welt. Rund 60% des Stahlbusinesses macht die erstaunlich vielfältige chinesische Schwerindsutrie. Die Stahlproduktion ist die Schlüsselindustrie Chinas. Dumm nur, dass es in China selbst gar kein Eisenerz gibt. China ist auf Importe angewiesen und insbesondere von den Lieferungen der drei grössten Bergbaukonzerne der Welt, BH Billiton und Rio Tinto (beide Australien) und Vale (Brasilien) - (siehe die Grafik von Bloomberg.com weiter unten) abhängig, die zusammen 70 Prozent des in China verarbeiteten Eisenerzes liefern. Das Kerngeschäft der Rio Tinto ist nicht Uran, sondern Eisenerz (Iron Ore). Ihre grössten Minen betreiben sie in Australien.
Im vergangenen Jahr, als die Rohstoffpreise aufgrund der Wirtschaftskrise einbrachen, sah China seine Chance gekommen, seine Rohstoffabhängigkeit zu verkleinern. Weltweit ging China auf Schnäppchenjagd . Auch die Rio Tinto hatte Liquiditätsengpässe und einen Schuldenberg von rund 39 Milliarden US Dollar angehäuft. Das chinesische Angebot über rund 20 Milliarden US-Dollar zur Uebernahme eines grösseren Aktienanteils war verlockend. Nur ein Veto der australischen Regierung hat diesen Deal im letzten Augenblick verhindert. Am vergangenen 4. Juni hat Rio Tinto offiziell auf die chinesischen Milliarden verzichtet.
Seither sind die Chinesen stinksauer, sie fühlen sich laut der Financial Times Deutschland „gedemütigt“. Jetzt versuchen sie, Rio Tinto und Australien in einem veritablen Wirtschaftskrimi zu erpressen.

Chinas Preispoker und australische „Spionage“ in China
Am 5. Juli haben die chinesischen Behörden Stern Hu, einen australischen Staatsbürger mit chinesischen Wurzeln verhaften lassen. Er ist der oberste Repräsentant der Rio Tinto in China. Begründung: Bestechung und .... Spionage. Tatsächlich stand der Rio Tinto-Chef (Bild rechts) bei seiner Verhaftung mitten in intensiven Verhandlungen mit der China Iron & Steel Association (CISA). Die CISA hat von der chinesischen Regierung einen exklusiven Verhandlungsauftrag. Rio Tinto und die anderen Eisenerzlieferanten sollen nur mit der CISA über die Preise für den Rohstoff verhandeln.
Doch die staatlich gelenkte CISA hat die Preisverhandlungen verbockt. Amerikanische Medien stellen genüssiglich fest, dass sich die Unterhändler des chinesischen Staates reichlich tappig anstellen. Die chinesische Regierung hat sich verspekuliert. Sie glaubte, deren schwierige Marktsituation der Bergbaukonzerne nutzen und die Preise und Bedingungen diktieren zu können. Während sich andere Stahlnationen wie Japan und Korea mit den drei Grossen (Rio, BHP und Vale) schon Anfang Juni auf eine Preisreduktion von 33% geeinigt hatten, glaubte China, für die eigenen Stahlkocher eine Preissenkung um 45 – 50 Prozent durchsetzen zu können. Doch inzwischen hat der Wind des Marktes gedreht. Nicht zuletzt wegen dem Deal mit Japan und Korea ziehen die Preise für Eisenerz am Rohstoffmarkt jetzt wieder an. Die Chinesen stehen ohne Vertrag da und müssen sich zur Zeit am Spotmarkt eindecken zu Preisen, die teurer sind, als das, was die Konkurrenz in Japan und Korea bezahlen muss. Die Chinesen sind unter Zeitdruck. Obwohl sie in der Zeit der tiefen Preise riesige Mengen Eisenerz gekauft haben, reichen ihre Lager nur noch etwa zwei Monate.

Anfang Juni fanden in Shanghai deshalb neue Verhandlungen zwischen der Rio Tinto und der CISA statt. Die chinesischen Unterhändler hatten gemäss chinesischen Medienberichten ein geheimes Mandat mit einem nach unten begrenzten Spielraum. Dumm nur, dass der Mann am anderen Ende des Tisches, diese Schmerzgrenze offenbar kannte. Als die Chinesen diesen Umstand realisierten, haben sie die Verhandlungsdelegation des australischen Rohstoffmultis kurzerhand verhaftet. Der Vorwurf: Rio-Tinto-Chefunterhändler Stern Hu habe sich mit Schmiergeldzahlungen chinesische Staatsgeheimnisse angeeignet.
Die chinesische Wirtschaftszeitung „Economic Observer“ verdächtigt kleinere chinesische Stahlunternehmen, diese Information an die Australier weitergegeben zu haben: Die Verhaftung der Rio Tinto Leute sei nur die bisher „letzte Salve in der andauernden Schlacht zwischen der CISA und der Mehrheit der Chinesischen Stahlunternehmen". Damit öffnet der Economic Observer den Blick auf den inner-chinesischen Zusammenhang:

Hintergrund interner Machtkampf in China
In China ist offenbar ein Machtkampf im Gang zwischen den nach mehr Unabhängigkeit strebenden Wirtschafts-Unternehmen und dem zentralistisch-dirigistischen Staatsapparat der Kommunistischen Partei. Eine ganze Reihe wichtiger Stahlbaufirmen wehren sich gegen das Diktat der CISA. Die (relativ) unabhängigen Stahlkocher wären bereit gewesen, den höheren Preis zu bezahlen, respektive eine Reduktion um nur 33 Prozent auf Eisenerz zu akzeptieren, den auch ihre wichtigsten Konkurrenten auf dem Weltmarkt bezahlen. Insbesondere die Unternehmen, die über eine eigene Importlizenz verfügen, haben unter anderem gute Geschäfte gemacht, indem sie einen Teil ihrer Importe teuer an Firmen weiterverkauften, die über keine Lizenz verfügen. Einige haben sogar Ende Juni unter Umgehung der CISA neue Verträge mit dem brasilianischen Eisenerzmulti Vale abgeschlossen.

Die chinesische Staatsführung versucht, die für den chinesischen Aufschwung zentrale Schwerindustrie weiter unter Kontrolle zu halten. Sie hat deshalb im vergangenen Januar einen Wirtschaftsplan verabschiedet, der bis 2011 die Vielzahl der chinesischen Stahlunternehmen zu grösseren Einheiten zusammenführen soll. Unter anderem sollen Firmen geschlossen werden, die nicht den strenger geworden Umweltregeln entsprechend produzieren oder unrentabel sind.
Eine der im Rahmen dieses Plans beschlossenen Firmenzusammenlegung hat diese Woche zu dem auch in der Schweiz gemeldeten Zwischenfalls in Tonghua mit Massenprotesten der Stahlarbeiter und dem Lynchmord an einem Manager geführt. Um die Gemüter etwas zu beruhigen hat die Zentralmacht im Fall von Tonghua inzwischen nachgegeben. Vorübergehend, wie Experten befürchten. China versucht damit Zeit zu gewinnen und den momentanen Druck, der aktuell wegen der Rio-Tinto-Affäre international auf China lastet, etwas abzumildern.

China krebst zurück unter Wahrung des Gesichts
China ist wegen der Rio Tinto-Affäre in den letzten Wochen international unter Druck geraten. "China sollte den Umstand beachten, dass dieser Fall Auswirkungen haben könnte auf die gesamte Internationale Wirtschaftsgemeinschaft, warnte der australische Wirtschaftsminister Stephen Smith schon Mitte Juni. "Pekings Spionage-Unterstellung schwächt das Vertrauen der Investoren", titelte die grosse australische Zeitung "The National" und die Brunei Times im neuen Wirtschaftszentrum am persischen Golf titelte: "Australien sagt, China gefährdet seinen Ruf als Business-Standort." Und das Sprachrohr der US-amerikanischen Finanzwelt, das Wall Street Journal spricht von "China's war for ore", Chinas Krieg um Eisenerz. Der Fall könnte China und der Welt einen "bleibenden Schaden" ("final casualty") verursachen: Die Erkenntnis der "überschätzen ("overblown") makroökonomischen Kompetenz, von der soviele Hoffnungen für eine wirtschaftliche Erholung abhängen". "Die Welt könnte", schreibt der ziemlich wütende WSJ-Kommentar, "ein Zeichen gut gebrauchen", dass "die chinesische Regierung weiss, was sie tut".
Während sich die westlichen Medien besorgt und verärgert geben, mockiert sich Al-Jazeera: Das Chinageschäft sei schon immer ein "Risky Business" gewesen. Die westlichen Firmen hätten aber von den nicht immer rein marktwirtschaftlichen Verhältnissen in China profitiert. Alle kennen die Spielregeln und werden sich auch in Zukunft an diese sehr speziellen Regeln zu halten haben. Al-Jazeera zitiert den Direktor der Marktforschungsfirma "Acess Asia", Matthew Crabbe: "Das viele der fremden Business-Leute in China dazu neigen zu vergessen, dass sie in einem kommunistischen Land stationiert sind, ist verständlich: Sie sind geblendet von all den hellen Lichtern und den marmorgeschmückten Gebäuden."

Tatsächlich scheint jetzt China aber zu erkennen, dass der Schaden der Affäre grösser ist, als der Nutzen. So hat sie nicht nur gegenüber den Stahlarbeitern in Tonghua nachgegeben, sondern auch im "Stahlkrieg": Wie australische Medien berichten will China die Rio Tinto Leute nur noch in Sachen Schmiergeldzahlungen anklagen. Der Vorwurf der Spionage wird fallen gelassen. Als Gegenleistung ist Australien, respektive die Rio Tinto bereit, den Chinesen beim Preis für Eisenerz doch etwas entgegen zu kommen. Im Sinne einer Gesichtswahrung.

Doch der Schaden, den China mit der Tinto Affäre angerichtet hat, dürfte nachhaltig sein. Und das füht uns zurück zur Korruptionsgeschichte in Namibia:

Zahlt China den Preis für die Rio Tinto-Affäre in Namibia?
Die zeitliche Koinzidenz zwischen der Verhaftung des Rio-Tinto-Unterhändler in Shanghai und der Verhaftung der Nuctec-Leute in Namibia und des namibischen Armeechefs kann kein Zufall sein. Stratfor formuliert es vorsichtig: "Wenn da irgendwelche Fäden gezogen werden, dann ist die Rio Tinto der Puppenspieler."
Rio Tinto hat offenbar dafür gesorgt, dass China mit der Aufdeckung der Verwicklung des Präsidentensohnes in die Korruptionsaffäre in Namibia noch mehr unter Druck gerät. Der Bergbau-Multi hat als Retourkutsche für die Verhaftung ihres Chefunterhändlers in China den Sohn des chinesischen Staatspräsidenten sozusagen in Geiselhaft genommen. Es ist schon erstaunlich, welche rustikale Methoden im Kampf um Einflusssphären und Weltmarktanteile zur Anwendung kommen.
Doch der Schaden für China dürfte über die persönliche Desavouierung und Erpressung des chinesischen Staatspräsidenten hinausgehen. Die entscheidende Frage für den internationalen Rohstoffmarkt und die Geostrategie - dem Kampf um Einflusssphären - lautet:

Warum hat sich Namibia in diesem Power-Game zwischen China und dem Westen instrumentalisieren lassen?

China ist in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Investoren in Namibia geworden. China hat 2007 vertraglich zugesichert, nicht nur grosse Mengen namibische Waren einzukaufen, sondern gewährt Namibia auch attraktive Kredite. Nicht zuletzt ist China auch in Namibia – genau wie in anderen afrikanischen Staaten - daran, die Infrastruktur (Strassen, Eisenbahn, Elektrizität) wieder aufzubauen. Es geht China dabei sowohl um kurzfristige Geschäfte, wie das Scanner-Beispiel zeigt, als auch um geostrategische Massnahmen: Die Ausdehnung seines „Einflussgebiets“, "die "Eroberung Afrikas".
Warum sollte Namibia, wegen vergleichsweiser Bagatellen wie die NUCTEC-Scanner-Geschichte oder der Anekdote mit dem geschmierten Armee-General die Hand beissen, die sie füttert? Namibia würde nie ein Zerwürfnis mit China riskieren, folgert Stratfor messerscharf, „ohne etwas dafür zu bekommen.“ Das können nur Geschäfte mit dem Westen sein, die noch attraktiver sind, als das, was China in den nächsten Jahren zu bieten hat. Natürlich geht es um Diamanten, vielleicht noch mehr um den Rohstoff Uran für die Nukleartechnik.

Die Affäre Rio-Tinto-China-Australien hat damit Auswirkungen auf den „Kampf um Afrika. Der Westen, wohl zuerst die USA, nutzen die chinesische Schwäche und ihre strategischen Fehler im Rohstoffbusiness, um sich eine Einflusssphäre in Afrika, die über strategisch eminent wichtige Rohstoffe verfügt, zurückzuholen, die ernsthaft gefährdet war.

... und der namibische General?
Es macht den Eindruck, dass General-Leutnant Martin Shalli nur zufällig im falschen Moment am falschen Ort war. Namibische Medien bringen Shallis Entlassung in Zusammenhang mit einer internen Auseinandersetzung, einem Machtkampf innerhalb der Staatsgründerpartei SWAPO. Progressive Kräfte nutzen die Gunst der Stunde, die Gelegenheit der Verwicklung des Generals in die chinesische Schmiergeldaffäre, um einen alten Kämpen des SWAPO loszuwerden.
Die lokalen Parteistrategen in Namibia nutzen also den aktuellen Kampf um Rohstoffmärkte und Einflussgebiet, dem Kampf der Grossmächte um die Weltvorherrschaft, um ihre lokalen, partei-internen Probleme zu lösen und ihre persönliche Macht zu vergrössern.

Was für eine wunderbare Geschichte!

Mittwoch, 22. Juli 2009

Kongo: Rohstoffbusiness als Kriegstreiber im Kivu

Die auf den Rohstoffhandel in der Dritten Welt und speziell in Afrika spezialisierte NGO "Global Witness" widmet ihren jüngsten Report dem kriegsversehrten Osten Kongos: "Was kannst Du schon tun, wenn ein Gewehr auf Dich zielt?". Der Report belegt an mehreren Beispielen, dass westliche, europäische Firmen, die den Handel mit Rohstoffen aus dem Bürgerkriegsgebiet im Kivu beherrschen, mit verantwortlich an der katastrophalen Situation sind und dazu beitragen, dass der Bürgerkireg nicht enden will. Contextlink hat diese Problematik schon früher, merhfach thematisiert. Global Witness bietet jetzt einen aussführlichen Hintergrund, der auf der Web-Site der NGO auch wirklich sehr schon präsentiert ist. Das Eingangsbild dieses Contextlink-Beitrags ist der Header der Site.