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| Quetta (Pakistan) 10.1.2012 (Bild: LUBP) |
Der Tod droht das Leben in Pakistan zu ersticken, schreibt Rafia Zakaria heute in der Kolumne des "Dawn" ... und das herrschende Establishment inszeniert sein pseudo-demokratisches Polit-Theater.
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| Quetta (Pakistan) 10.1.2012 (Bild: LUBP) |
Seit
einigen Jahren bildet Pakistan eine Art Kulisse für den auch medial
inszenierten „Clash of Civilisation“.
Wieder mal ein anderer Blick auf die Welt: Wir, hier im Westen, nehmen Pakistan nur wahr als Land endloser Probleme und Katastrophen. Wir sehen fast täglich schlimme Bombenanschläge, lesen von Kämpfen gegen die Taliban und von eher mittelalterlichen Zuständen.
Da frappiert ein Bericht von "The Dawn", dem News-Portal aus Pakistan, doppelt: "Tuned out by the New York Times."
2. Trotzdem ist diese junge, pakistanische Szene nicht bereit, einfach die westlichen, die amerikanischen Positionen zu übernehmen. Sie teilen zwar die kritische Haltung des Westens gegenüber dem islamischen Fundamentalismus, sie sind sehr kritisch gegenüber dem autoritären Regime, aber - und das schockiert den Berichterstatter der News York Time in seinem Blog "Tuning out te Taliban" ("Die Taliban werden ausgeblendet") - sie hassen die USA.
"Die Taliban", sagt ein junger, moderner Pakistani im NYT-Video, "sind unser kleinstes Problem." Das eigentliche Probleme sei der totalitäre Staat, die Korruption, die Armut, welche den Extremismus (wie den der Taliban) fördert. Und eine Hauptschuld an der Entwicklung trägt nach Meinung vieler Pakistani die USA mit ihrer hegemonistischen Politik in Asien, speziell in Pakistan und Afghanistan, welche die totalitäre Politik der lokalen Regierungen stützt.
Bild: Al-Jazeera/EPA
Zu ihrer Bekämpfung haben die vereinigten Kräfte der NATO (ISAF) und des afghanischen Staates (ANA) zur Zeit rund 200'000 Mann im Einsatz:
Heute kommen also auf einen Talibankämpfer vier Soldaten aus dem Alliierten Lager. Kommt die geforderte Aufstockung, sind es 1 : 5. Allerdings sind die Zahlen auf Seite der Taliban sehr unsicher, eben nur Schätzungen. Ständig unter Waffen und im Einsatz dürften tatsächlich viel weniger Taliban-Kämpfer sein. Wie der Bericht des US-Geheimdienstes einräumt (immer gemäss Reuters), sind in den 25'000 auch Anhänger mitgezählt, die "weniger in Kämpfe involviert sind". Ein Vertreter des US-Verteidigungsmininsteriums sagte, für Aufstände seien nicht viele Rebellen nötig, um einen großen Schaden anzurichten. Sie könnten sich Zeit und Ort aussuchen, um anzugreifen.
Das haben die Franzosen schon in den 50er Jahren in Indochina erfahren müssen, die Amerikaner zuerst in Vietnam und jüngst wieder im Irak. Und dort haben sie eine neue Militärtaktik entwickelt, die jetzt auf die speziellen Bedürfnisse in Afghanistan angewandt wird: Counterinsurgency. Die Krux dieser neuen Einsatzdoktrin erleben die USA zur Zeit in Afghanistan: Es braucht noch mehr Soldaten und es gibt noch mehr Tote in den eigenen Reihen.

Bei allen so wichtigen, die Schweizer Medien dominierenden Themen wie Schweinegrippe, Federerzwillinge oder Tierschutz-Terroristen sollten wir nicht vergessen: In Afghanistan und in Pakistan herrscht Krieg.
Menschen sterben. Nicht nur Soldaten aus den USA, Grossbritannien oder Deutschland (Tote Soldaten der westliche Alliierten seit 2001: 1297; siehe Grafik am Ende dieses Artikels), sondern auch junge einheimische Männer (Zahl unbekannt) ... und viele Zivilisten (allein in den ersten 6 Monaten dieses Jahres waren es über 1000 Menschen).
Quelle: http://icasualties.org/oef/
„Dank überlegener Feuerkraft verlieren die westlichen Truppen fast keine Schlacht gegen die Taliban-Kämpfer in Afghanistan. Aber in der Kommunikationsschlacht haben die Militanten die Oberhand.“ So lautet das Fazit einer Studie des „Council on Foreign Relation“ (CFR) zum „Informationskrieg“ in Afghanistan-Pakistan. „Die Taliban gewinnen nicht einfach nur den Informationskrieg,“stellt einer US-Kommunikationsspezialisten in Afghanistan fest, „wir wehren uns nicht einmal richtig dagegen.“ Und der Direktor für strategische Kommunikation der US-Armee, Oberstleutnant Shawn Stroud, bläst in selbe Horn: „Es sieht fast aus, als hätten wir das Schlachtfeld der Information aufgegeben.“
Die alarmierenden, selbstkritischen Analysen sollen das Feld bereiten, für die von den US-Militärs vorbereitete Informations-Offensive in Afghanistan-Pakistan. Sie soll insbesondere der Öffentlichkeit und der Politik in den USA bewusst machen, welch zentrale Rolle der Information auch im Krieg in Af-Pak zukommt und weshalb das viele Geld, das jetzt für den Medienkrieg verwendet wird, eben gut investiert ist.
sowohl an der inneren Front - gegenüber der einheimischen Bevölkerung - überlegen, sondern auch gegen aussen - bei der Nutzung der internationalen Medien.
Die Taliban brauchten nach einer US-Militäraktion irgendwo in Pakistan nur 26 Minuten – um ihre Version der Ereignisses zu verbreiten, welche dann sofort auf den Newstickers zum Beispiel der BBC erscheinen. Dies berichtet Michael Doran, ehemaliger Assistent im US-Verteidigungsministerium in einem Vortrag über „öffentliche Diplomatie“ bei der Heritage Foundation. „Wir haben diese Zeit gestoppt."
Der oberste Chef der Taliban im Swat-Tal nutzt seit Jahren das Radio als zentrales Mittel der Propaganda. Nicht zuletzt als Mittel zur Einschüchterung der Bevölkerung (NYT).
Diese Botschaften sind für die Radiohörer sehr glaubwürdig, denn die Taliban deponieren ihre geköpften Opfer zur besonderen Abschreckung und zur Einschüchterung aller Übrigen häufig auf offener Strasse (siehe Bild rechts).
Der Weblog Sicherheitspolitik, ein der deutschen Bundeswehr nahestehende Website, relativiert:
Oberstleutnant Shawn Stroud (Bild links), der bis Mai 2009 Direktor der strategischen Kommunikation für Afghanistan war, hat sich nach Fort Leatherworth zurückgezogen. Auf diesem Armeestützpunkt im Bundesstaat Kansas hat schon General David Petraeus seine Counterinsurgency-Strategie entwickelt, welche heute die Grundlage der neuen Strategie der USA für den Irak und AF-Pak ist.
Auch an der Front der Information gegen innen, gegenüber der afghanischen Bevölkerung, wollen die Kommunikationsverantwortlichen viel ändern. Dabei sollen sowohl technische wie "weiche" Massnahmen greifen. Admiral Gregory J. Smith, Kommunikationsdirektor des für Afghanistan zuständigen Central Command, spricht gegenüber CFR einerseits von der "Finanzierung von Radiosendetürmen und Nachrichtensendern, welche lokalen Programmanbietern erlauben soll, mit der lokalen Bevölkerung in Kontakt zu kommen."
Auf diese Ankündigung der US-Army haben die Taliban bereits reagiert. Auf ihrer englischsprachigen Webpage "Theunjustmedia.com" schreiben sie, das sei keine neue Massnahme. Die US-Armee hätten in den letzten Jahren häufig ihre Kommunikationsmittel zerstört. "Die Amerikaner sollten sich wirklich schämen, dass sie trotz ihrer riesigen materiellen Überlegenheit Angst vor ein paar lokalen Internet-Sites und FM Radiostationen haben, welche nicht über einen 20-Kilometer-Radius hinaussenden können."
"In der Kunar-Provinz haben wir erfolgreich integrierte militärisch-politisch-wirtschaftlich Operationen entwickelt, um die lokale afghanische Bevölkerung mit der Regierung zu verbinden und eine Geschichte zu erzählen, welche die Taliban ins Offside stellt, die unschuldige Afghanen töten." Eine Geschichte, die die Amerikaner als diejenigen darstellt, die die Bevölkerung verteidigt und schützt.
Foto: Keivom/News
Foto: Dawn.com/White Star
Foto: APP: Graduierung von Soldatinnen der Pakistanischen Armee
Foto: Dawn.com: Anti-Taliban-Proteste in er Provinz Punjab
Bild: Prof. John Yoo
Barack Obama ist so etwas wie das Sonnen-Gesicht der USA – fast hätte ich geschrieben „das Schokolade-Gesicht“, aber das könnte in dem Fall politisch unkorrekt sein-, doch hinter dieser Positiv-Fassade scheint zur Zeit rund um die entlarvende Diskussion um die Folter auch wieder die hässliche Fratze Amerikas durch.
Da ist immer noch Dick Cheney, der Vize Bushs, der ganz offensichtlich Obama provozieren will. Das wirklich unmaskierte Gesicht des hässlichen Amerika ist aber ausgerechnet ein Secondo: John Yoo (Bild oben), 41 Jahre alt, als Kind mit seinen Eltern aus Korea in die USA eingewandert, heute Jura-Professor an der renommierten Berkeley-Universität. Im Justizministerium der Regierung Bush war er Mitglied des Rechtsrats. John Yoo ist einer der Verfasser jener Gutachten, die im »Krieg gegen den Terror« die Folter legitimierten. In perverser Detaillierung wurde festgelegt, was juristisch gerade noch nicht als Folter gelten könnte: wie viele Stunden Schlafentzug, die genaue Technik der Schläge, oder auch das berühmte Waterboarding.
Professor John Yoo ist kein besonders psychopathischer Fanatiker. Er steht in de USA keineswegs allein mit seiner arrogant US-zentristischen Haltung. Selbst demokratische Abgeordnete verweigern Obama die Gefolgschaft, wenn es um die nationale Sicherheit geht, konkret um die Folter und das völkerrechtswidrige Terrorgefängnis der USA in Guantanamo auf Kuba.
Die Glaubwürdigkeit der USA, die Legitimität ihres Anspruchs als Weltführungsmacht, wird damit untergraben. Die USA wird insbesondere in der nicht-westlichen Welt als skrupellose, nach uneingeschränkter Hegemonie strebende Macht wahrgenommen. Die ideologischen Werte wie Friede, Menschenrechte oder Demokratie werden als blosse Propagandavehikel zur Verwirklichung der hegemonialen, „imperialen“ Machtansprüche gewertet und entsprechend abgelehnt.
"Al-Qaida befindet sich in einem Prozess der Selbstauflösung." "Die ursprüngliche Bedrohung (eines globalen Jihads; AM) der al-Qaida schwindet." "Fazit: Al-Qaida ist eher eine Sicherheitsbeeinträchtigung ("nuisance": auch im Sinne von "lästiges Aergernis") als eine strategische Bedrohung."
Das sind Schlüsselsätze aus dem Artikel "Al-Qaida today: A movement at the crossroad" auf dem Portal "OpenDemocracy" von Fawaz A Gerges, Dozent an der Sarah Lawrence Universität in New York und Autor verschiedener Bücher über islamischen Extremismus (zuletzt: "Journey of the Jihadist: Inside Muslim Militancy." Harcourt Press, 2006)
Gerges widerspricht damit fundamental der Analyse des US-Geheimdienstes CIA, welche auch die neue Afghanistan-Pakistan-Politik der US-Regierung ist. CIA-Direktor Leon Panetta (Bild rechts) wiederholt in einem Interview auf "Welt Online" genau dieselben Worte, die Präsident Obama bei der Vorstellung seiner neuen Af-Pak-Strategie gebraucht hat: Al-Qaida bleibt die größte Gefahr für Amerika und seine Alliierten. ... Das primäre Ziel der CIA ist deshalb, al-Qaida zu zerschlagen, aufzulösen und zu besiegen."
"Einer überwältigenden Mehrheit der Muslime ist die Ideologie Osama Bin Ladens und seiner Gefolgsleute mehr als unsympathisch." Die al-Qaida sei Schuld an der schweren "Beschädigung des Images des Islams und der muslimischen Gesellschaften."
Diese "Realität", so schlimm sie sei -und diese Realität wird eben mit der "Vereitelung" eiens Anschlags in New York belegt -, dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die al-Qaida keine grundsätzliche strategische Bedrohung der westliche Welt mehr darstelle.
Al-Qaida sei "ein sehr kleines Element" in der Koalition der Kräfte, die gegen die fremden, westlichen Truppen in der Region kämpfe. Die Al-Qaida sei "eher ein Nebeneffekt, ein Parasit genährt von der herrschenden Gesetzlosigkeit und Instabilität als ein prägendes Element."
Bild: WhiteStar/Fahim Siddiqui
Bild: Centcom
ZEIT: In der neuen Doktrin heißt es: Wer die moralische Legitimität verliert, der verliert den Krieg. Nur: Wie kann eine fremde Besatzerarmee je legitim sein?
Petraeus (Bild links): Man zeigt durch sein Tun, dass man da ist, um der Bevölkerung zu helfen – ihr Sicherheit zu geben, die Wirtschaft zu beleben, Schulen zu bauen, genau, was wir jetzt im Irak machen.
ZEIT: Eine Armee ist doch kein Wirtschafts- und Wohlfahrtsministerium.
Petraeus: Doch. Wir haben Reservisten, Bürgermeister, die wissen, wie man eine Stadt verwaltet. Ingenieure, die Zivilprojekte leiten.
ZEIT: Trotzdem: Die Aufgabe einer Armee ist es, zu töten, zu zerstören.
Petraeus: Das ist eben das Neue, die bemerkenswerte Verwandlung unserer Soldaten. Die haben wie die Teufel gekämpft. Kaum aber war der Feind besiegt, mussten sie Nation-Building betreiben. Am nächsten Tag die Grundversorgung sicherstellen. Lokalwahlen organisieren.
Natürlich ist er der Meinung, die Kritiker hätten unrecht, die behaupten, der Erfolg in Irak sei einzig und allein auf die massive Aufstockung der US-Truppe ("Surge") zurückzuführen. Die aktuelle, sich wieder akut verschlechternde Lage im Irak scheint anderen Kritikern Recht zu geben: Petraeus habe mit seiner Strategie, die Milizen der Sunni-Mullahs zu bewaffnen, die Voraussetzungen für die künftige grosse Katastrophe im Irak nach dem Abzug der US-Truppen (ab Juni 2009) geschaffen: ein grosser Bürgerkrieg zwischen den Schiiten und den Sunniten.
Doch die bisherigen Erfahrungen mit der US-Armee in Afghanistan lassen nicht nur Obama und Gates, sondern auch aussenstehenden Beobachter am Optimismus von Petraeus zweifeln. Nicht nur die politische Lagebeurteilung Petraeus scheint zweifelhaft, sondern auch seine Einschätzung der Fähigkeiten der US-Truppen und ihrer Kommandanten, die äusserst anspruchsvollen Vorgaben der neuen Strategie in der komplexen, andern Realität in Afghanistan umzusetzen.
Bilder: alle von www.fieldgemolgy.org
Ende März haben Taliban-Kämpfer der TNSM (Tehreek-e-Nafaz-e-Shariat-e-Mohammadi = Bewegung zur Durchsetzung der Sharia) des Taliban-Führers Maulana Fazlullah die Smaragd-Minen von Mingora im Swat-Tal, der "Schweiz Asiens", in ihre Gewalt gebracht und sofort mit deren Ausbeutung begonnen. Vereinzelt wurde auch in den westlichen Medien darüber berichtet.
Im vergangenen Herbst hat Fazlullah gemäss dem indischen Politik-Institut IPCS zusammen mit dem verbündeten Taliban-Führer Baitullah Mehsud bereits die Smaragdminen von Fiza Ghat weiter oben im Swat-Tal erobert.
Diese Smaragdbergwerke rund um den Swat-Hauptort Mingora (Bild links) wurden bis anhin vom pakistanischen Staat kontrolliert. Eine Konzession für die Ausbeutung der Minen rund um die Stadt Mingora im Swat-Tal, hatte die amerikanische Bergbaufirma Luxury International inne, welche sich aber im vergangenen Sommer aufgrund des Bürgerkriegs zwischen der pakistanischen Regierungsarmee und den Taliban aus dem Gebiet zurückgezogen und die Minen stillgelegt hat.
Die Taliban machen jetzt gemäss BBC geltend, dass sie mit der wieder Inbetriebnahme der Minen rund 1000 Menschen im Tal wieder Arbeit zu geben.
Auch im Norden Afghanistans haben die Taliban ihre Hand auf den Smaragdbergbau und - Handel gelegt. Im Panjshir-Tal, nördlich der NATO-Basis Bagram, wo zusammen mit den Amerikanern auch deutsche Bundeswehr-Einheiten stationiert sind.