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Mittwoch, 5. Juni 2013

Akzeptanz Homosexualität: Ein Indikator für Entwicklung?

Für einen "aufgeklärten Westler" dürfte die neuste Statistik/Grafik des Pew Forums ein Beleg für die "Rückständigkeit" des "Südens" sein. Für die Menschen des Südens - und nicht nur für die Religiösen - ist sie ein Beleg für die perverse Verderbheit des "Nordens".

Freitag, 25. Januar 2013

Mali: Die Jihadisten als Vorhut der Araber im Sahel?

Helfer des Roten Halbmonds aus Katar in Mali Sept. 2012
Die französischen Medien zeigen zur Zeit mit dem Finger auf Katar, einen weiteren guten „Partner des Westens“, der offenbar skrupellos ein doppeltes Spiel betreibt. Der Emir von Katar soll – neben Saudiarabien - direkt oder indirekt einer der wichtigen Finanzierer der Jihadisten in Mali sein. Dass Katar in den letzten Jahren via Hilfsorganisationen viel Geld im Norden Malis ausgegeben hat, ist unbestritten.

Donnerstag, 3. Januar 2013

Pakistan: düstere Perspektive 2013

Seit einigen Jahren bildet Pakistan eine Art Kulisse für den auch medial inszenierten „Clash of Civilisation“.
Die spektakulärsten Bilder fanatisierter Islamisten an Hassdemos gegen den Westen stammen meist aus Pakistan; hier richten „Gotteskrieger“ ungestraft Schulmädchen hin, die ihr Recht auf Bildung wahrzunehmen versuchen; Pakistan ist das Land, das Osama bin Laden jahrelang Unterschlupf geboten hat; hier befinden sich die Ausbildungslager, in denen auch militante Islamis­ten aus Europa ihr Terrorhandwerk lernen; und: Pakistan hat die «Islamische (Atom-)Bombe».

Die „Islamische Republik Pakistan“ mit ihren rund 180 Millionen Einwohnern ist zur Inkarnation des Feindbilds Islam geworden. Und es spricht leider Einiges dafür, dass das Land auch 2013 eine ideale Fläche zur Projektion unserer Vorurteile und Ängste bieten wird.

Dabei haben wird alle keine Ahnung von Pakistan. Das Land ist längst hinter den Feindbildern verschwunden.

Mittwoch, 11. Januar 2012

Evangelikale: Egal wer, bloss nicht Obama

Langsam wird auch öffentlich deutlich, wie gross der Einfluss der christlichen Fundamentalisten in den USA ist. An diesem Wochenende wollen in Texas 125 evangelikale Führer (darunter einige Millionäre) auf einer Ranch in Texas treffen, um sich auf einen der konservativen Kandidaten zu einigen, die darum buhlen, im nächsten August zum offiziellen Präsidentschaftskandidaten der Republikaner erkoren zu werden. Ihrer Empfehlung kommt entscheidende Bedeutung zu. Bisher sind ihre Stimmen (bei den Vorvorwahlen in Iowa) und vor allem ihre Spenden noch auf verschiedene Kandidaten zersplittert. Klar ist nur eins: Egal wer, nur nicht Obama.

Samstag, 27. Juni 2009

Christliche Fundamentalisten haben US-Armee unterwandert

Bild: www.killingthebuddha.com
„Jesus killed Mohammed.“ Mit diesem Schlachtruf ziehen die Specialforces der US-Armee im irakischen Samara in den Kampf. In arabischen Buchstaben haben sie die Provokation auf ihre Bradley-Panzer gepinselt. Und ein Mann in der Luke des Panzers skandiert den Schlachtruf via Megaphon, während die Soldaten durch die Strassen der Stadt fuhren.

Diese Anekdote erzählt Jeff Sharlet in seinem erschütternden Artikel „Jesus hat Mohammed getötet. Der Kreuzzug für eine christliche Armee.“ für das Harper’s Magazine.

Diese Haltung ist nicht einfach eine isolierte Entgleisung einer einzelnen Truppeneinheit, sondern eine breite Tendenz in der gesamten US-Armee. Das belegt der sehr breit dokumentierte Harper's-Artikel erschreckend stichhaltig. Ein neues Video von Al-Jazeera thematisiert das gravierende Problem ebenfalls: Die USA-Armee ist von christlichen Fundamentalisten unterwandert.

Gemäss den Recherchen von Harper's gehören zwei Drittel der im Aktiv-Dienst tätigen Militärpfarrer Evangelikalen oder Pfingst-Kirchen an, oder stehen diesen zumindest nahe. (Eine Übersicht über den protestantischen Fundamentalismus gibt's z.B. hier: www.infosekta.ch/media/uploads/Tagungsband.pdf )
Vor allem das Offizierskorps der US-Armee ist durchdrungen von Fundamentalisten. Sie sind organisiert in der Vereinigung "Officers’ Christian Fellowship".

Angesichts dieser Realität scheint die geltende Doktrin der Armee, "Obamas neue Strategie", mit Schlüsselbegriffen wie "kulturelle Sensibilität" und auf die Menschen in Af-Pak zugehen, geradezu absurd. Es ist schlicht nicht vorstellbar, wie diese Armee nicht nur die Schlachten in Afghanistan, sondern auch die Herzen der Menschen gewinnen" soll.

Die amerikanische Buchautorin Anne C. Loveland schreibt in ihrem Buch über die evangelikalen Fundis in der US-Armee, die Wende sei im Vietnamkrieg gekommen. Die evangelikalen Kirchen hätten damals das Militär als Missionsfeld erkannt: "Sie wollten ihre Missionare in die Armee schicken und dass die Militärs selbst zu Missionaren dieser Welt würden." (Zitat aus Harper's)

Zu den fundamentalistischsten der fundamentalistischen Militärpfarrer zählt gemäss Harper's Oberstleutnant Gary Hensley, bis vor kurzem oberster Militärpfarrer der US-Armee für Afghanistan. Der amerikanische Dokumentarfilmer Brian Hughes hat ihn 2007 bei seinen Missions-Predigten in der grössten Basis der US-Armee in Afghanistan, in Bagram, gefilmt. Er spricht von "Menschen jagen für Jesus". Al-Jazeera hat Teile dises Filmmaterials gesendet. (siehe Contextlinkbeitrag "Unrealistische US-Strategie".)

Intereesanterweise sind unter diesen Fundamentalisten besonders viele Offiziere aus dem stockkonservativen Süden der USA, wo auch Ex-Präsident Bush herkommt. In dieser Herkunft sieht ein amerikanischer Parlamentsabgeordneter (Senator) den Hintergrund für die fundamentalistische Haltung der Männer: Der Rassismus. Früher hätten sich diese Leute nur über ihre Hautfarbe, ihre "Rasse" identifiziert. Und jetzt "haben sie die Rasse mit der Religion ausgetauscht", sagt der Senator gegenüber Harper's. "Das Prinzip ist das gleiche geblieben: eine Identität die auf dem Bewusstsein aufbaut, ausserhalb der Gesellschaft zu stehen, die als schwach und korrupt angesehen wird."

Und hier noch der 2. Teil des Al-Jazeera-Films:


Mein Fazit: Gott bewahre!
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Montag, 6. Oktober 2008

Kopftuch: Widerspruch aus der Türkei





Ich habe hier in meinem Blog den Artikel von Seylan Benhabib "Kein Rückschritt, sondern Fortschritt" zur Kopftuchdiskussion in der Türkei besprochen. Jetzt widerspricht ihr ebenfalls auf fr-online die türkische-deutsche Soziologin Necla Kelek. Sie hat eben ihr Buch "Bittersüsse Heimat - Bericht aus dem Innern der Türkei" veröffentlicht. 

Es tut mir leid, darauf bestehen zu müssen: Der von Seyla Benhabib ausgemachte theoretische Fortschritt manifestiert sich im Leben als gesellschaftlicher Rückschritt."
"Es geht nicht darum, ob ein Mädchen mit Kopftuch zur Uni kann, sondern darum, ob sie auf dem Land oder in der Stadt ohne Kopftuch auf die Strasse kann, ohne belästigt oder beschimpft zu werden. Das ist ein schleichender, sich verstärkender Prozess."
Und:
"Wenn die Verschleierung denn eine Frage des Geschmacks und der Mode wäre, die Frau damit glaubt, ihre Identität und Intimität zu wahren, soll sie es tun. So ist es aber nicht. Für die AKP (die Regierungspartei; A.M.) und jene Frauen ist das Kopftuch ihre Fahne, mit der sie die Flagge des Islam zeigen und die gesellschaftliche Norm bestimmen wollen."

Necla Kelek hat in Deutschland im vergangenen März für grosses Aufsehen gesorgt, als sie an der deutschen "Islamkonferenz" bei der es um die Integration der Muslime in der Deutschen Gesellschaft ging, eine Brandrede hielt. 

In einem "Offenen Brief" in der Frankfurter Zeitung hat Necla Kelek dann ihre Position noch einmal unterstrichen und den (fundamentalistischen) Vertretern des "Islamischen Koordinierungsrats", des "organisierten Islams" wie sie es nannte das Recht auf Fürsprache für alle Türken in Deutschland abgesprochen:
"Ich möchte hier, stellvertretend für die nichtorganisierten Muslime in diesem Land sagen, dass wir es Ihnen nicht länger überlassen, in der Oeffentlichkeit zu vertreten, wie und was der Islam in diesem Land sein kann."

Eine entsprechende Diskussion, wie sie Deutschland zu führen versucht, was Integration denn wirklich heisst, ist in der Schweiz noch zu führen.

(Ich muss auf das Thema bald zurückkommen).
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Freitag, 18. Juli 2008

Sharia in der Schweiz?


Unterschwellig ist es auch in der Schweiz schon heute ein Riesenthema: das Zusammenleben der Schweizerinnen und Schweizer mit den Muslimen, respektive die Diskussion über die Frage, wie sehr sich ein in der Schweiz lebender Ausländer zu assimilieren hat.

Oeffentlich wird die Thematik bisher nur punktuell behandelt, wenn es zum Beispiel um die Frage der Minarette oder der Kopftücher der Frauen geht oder zuletzt in Basel bei der Bespitzelung der türkisch-stämmigen Grossräte durch den Schweizer Staatsschutz.

Es wäre aber dringend nötig, das Thema generell und breit zu diskutieren, auch wenn dies sicher schmerzhaft und mit einiger Emotionalität verbunden ist. Die anhaltende Tabuisierung birgt aber mittelfristig grössere Risiken und führt dazu, dass die Thematik von Fundamentalisten auf allen Seiten für ihre Interessen missbraucht wird.

In England geben inzwischen wichtige Exponenten der Kirche und der Justiz mutige Impulse. Sie fordern, dass die Sharia den anderen kirchlichen Rechtsordnungen (christliche und jüdische) gleichgestellt wird. Die Aeusserungen des geistliche Oberhaupts der anglikanischen Staatskirche, Erzbischofs von Canterbury, die Sharia in das britische Rechtssystem zu integrieren, hat heftige Reaktionen ausgelöst:



Der oberste Geistliche Englands hat dann überraschend Unterstützung vom höchsten Richter von England und Wales, Lord Nicholas Phillips erhalten. Er sehe "keinen Grund, warum Grundsätze der Scharia oder andere Religionsgesetze nicht als Grundlage für außergerichtliche Schlichtungsverfahren dienen sollten" , sagte Nicholas Phillips bei einer Rede im Ostlondoner Muslimischen Zentrum.
Die Rede ist ausrücklich von "aussergerichtlichen Schlichtungsverfahren", die insbesondere den privaten Bereich betreffen. Sanktionen wie Auspeitschungen, Verstümmelungen oder Steinigungen, die von Scharia-Gerichten verhängt werden, kämen dabei "keinesfalls in Frage". Und tatsächlich gibt es in England schon seit einigen Jahren solche «Islamic Shari’a Councils». Die Richter beraten muslimische Familien und helfen, familiäre Probleme zu lösen.

Das Primat des staatlichen Rechts wird in England von niemandem angezweifelt, auch nicht von der staatlichen Kirche.

Das Nebeneinander des zivilen, staatlichen Rechts und des kirchlichen Rechts ist der Bevölkerung der Region Basel mit der Affäre um den Röschenzer Pfarrer Szabo ja wieder etwas mehr ins Bewusstsein gerückt. Leider musste man dabei feststellen, dass die Kirchenoberen in der Schweiz weit weniger tolerant denken und sich anders als ihre englischen Kollegen insbesondere mit dem Primat der staatlichen Rechts schwer tun:
Der Sprecher der Schweizerische Bischofskonferenz Erwin Tanner unterstreicht, dass Schweizer Katholiken sowohl der staatlichen wie der kirchlichen Rechtssprechung unterstehen: «Allerdings nur so weit, als staatliche Regelungen nach kirchlicher Ansicht nicht gegen
göttliches Recht verstossen oder kirchliches Recht nicht etwas anderes vorsieht.»("Plädoyer" 4/08).

Einen islamischen Geistlichen, der sich so äussert würde man wohl fundamentalistisch nennen. Die Baselbieter Gerichet und Behörden haben denn auch im Fall Szabo klar gemacht, wer heir das Primat hat. Kirchendirektor Adrian Ballmer (Regierungsrat BL): «Der Staat garantiert die Grundrechte, und daran hat sich auch die Landeskirche zu halten.»

Doch gläubige Katholiken wissen, dass sie sich trotz einem entlastenden Urteil der staatlichen Instanz mit einer kirchlichen Sanktion rechnen müssen. Die Konsequenzen – bis hin zur Exkommunikation – hätten sie «parallel zu tragen, da sie beiden Systemen mit bestem Wissen
und Gewissen zur Gehorsam verpflichtet sind" ("Plädoyer" 4/08, Scrrenshot Artikel siehe unten).


Die Schweiz kennt im Uebrigen auch jüdische Schiedsgerichte, analog zu de englischen islamischen Einrichtungen. Sie beurteilen jährlich zwischen 10 und 20 Fälle "unter weitmöglichster Wahrung jüdische Rechts". Geprägt von ihrer jahrhundertelangen, schmerzhaften Erfahrung, sind die Juden sehr pragmatisch. Haben die Juden unter sich eine zivilrechtliche Auseinandersetzung, müssen sie diese eigentlich zuerst vor ein rabbinisches Schiedsgericht bringen. Ist eine Partei dazu aber nicht bereit, kann auch ein staatliches Gericht nagerufen werden. Eine sture Beurteilung nur nach jüdischem Recht lehnen die jüdischen Schiedsgerichte ab. Dies können zu "unbilligen Entscheiden" führen, solchen, die dem staatlichen Zivilrecht widersprechen, was man tunlichst vermeiden will, um die eigenen Glaubensbrüder nicht in Schwierigkeiten zu bringen (Zitate des Zürcher Anwalts Alfred Strauss gemäss dem Sharia-Artikel in "Plädoyer" 4/08, Scrrenshot Artikel siehe unten).

Die Toleranz und Offenheit der Englischen Würdenträger könnte uns ein Vorbild sein und uns ermutigen, die schwelende Thematik der Integration der fremden (diesmal muslimischen) Kultur mutig anzugehen. Die Juden könnten ein Vorbild sein für die Muslime und von deren Erfahrung in "Sich-Anpassen" sein. Doch sowohl die Muslime in England wie in der Schweiz meiden die Diskussion zum Thema Scharia aus einem ganz andren Grund: Sie fürchten eine erneute Diskriminierung durch extreme politischen Gruppe, sowohl in den eigenen Reihen, wie auch bei Schweizer Organisationen und Parteien.