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Samstag, 9. Juni 2012

Die Abtreibungsfrage als Symbol der globalen, konservativen Moderne

Demo für die Erhaltung des Rechts auf Abtreibung, Istanbul Juni 2012
Jetzt bewegt die Frage der Abtreibung auch die Türkei. Premierminister Recep Erdogan nutzt bald jede Gelegenheit, um seine konservative Haltung auszudrücken: Abtreibung sei Mord und seine Regierung sei daran, ein Gesetz vorzulegen, dass die Abtreibung nach der 4. Lebenswoche eines Fötus verbieten soll.

Klar ist das eine konservative Position. Aber dies ist keineswegs ein demaskierendes Zeichen einer rückwärtsgewandten oder gar islamistisch-fundamentalistischen Haltung der türkischen Regierungspartei. Die AKP, dieses "Vorbild" einer modernen, "gemässigten" islamischen Partei ist auch gerade wegen ihrer konservativen Haltung ein Modell des modernen Islam.

Montag, 2. April 2012

Indien: Lernen, eine Grossmacht zu sein

BRICS Gipfel New Delhi/Indien 29.3.2012
Ein Nachtrag zum BRICS-Gipfel letzte Woche in Indien:
Die "Aufsteigenden Nationen", die BRICS-Staaten, haben mit breiter Brust deutlich gemacht, dass wir inzwischen in einer multipolaren Welt leben. Bemerkenswerestes Resultat des Gipfels der BRICS-Staaten war ihr unmissverständliches Unterlaufen der Embargo-Massnahmen des Westen gegen den Iran:  Der Iran habe das Recht, die Atomenergie zu nutzen - genau wie andere Staaten. (siehe auch Contextlink-Artikel) Man werde deshalb auch weiterhin Öl bei den Mullahs einkaufen.
Aus Sicht eines indischen Beobachters erscheint diese eigenständige, von der Doktrin des Westens/Nordens unabhängige Politik selbstverständlich. Für Sudheendra Kulkarni, den Kolumnisten des "Indien Express" ist das Bemerkenswerteste am Gipfel von New Delhi letzte Woche nicht die Iranposition der BRICS, sondern die Schwierigkeit Indiens, die neue Rolle als internationale Grossmacht zu leben.

Sonntag, 19. Februar 2012

Die unbeachtete Revolution: Das neue Christentum

Ougadougou (Burkina Faso) Nov. 2011 (Bild: 3Afilm.ch)
Die westliche Welt taumelt von Krise zu Krise. Zusehends zeichnen sich neben den wirtschaftlichen auch soziale Probleme ab. Die Schere zwischen unten und oben öffnet sich immer weiter.  Inzwischen ruft sogar der Weltwirtschaftsgipfel von Davos zur Suche nach Lösungen, zum Umdenken auf. Weil man aber „ein Problem nicht mit der Denkweise löst, die es erschaffen hat“, wie schon Einstein wusste, scheint jeder neue Gipfel der Mächtigen die Krise eher zu verlängern als einer Lösung näher zu bringen. Während das herrschende Establishment weiterhin „rat- und orientierungslos“ ist, wie das „Handelsblatt“ schreibt, ist längst eine unbeachtete „Revolution von unten“ im Gang.

Samstag, 31. Dezember 2011

Der Schlüssel zum Aufstieg des globalen Südens: die (neue) Mittelklasse

Bild: businessweek.com
Während sich Europa zum Jahresende in der Sorge um die wirtschaftliche Entwicklung suhlt, sonnt sich der globale Süden weiterhin in rosigen Perspektiven. Auch wenn 2011 nicht mehr die Werte der letzten Jahre erreicht wurden, geht man von China über Südafrika und Mexiko bis Brasilien auch 2012  weiter von einer robust wachsenden Wirtschaft aus.

Der Schlüssel dafür ist in allen Ländern des Südens derselbe: Die wachsende Mittelklasse und damit der stark wachsende Binnenmarkt. Allein in Brasilien sind in den letzten Jahren 40 Millionen Menschen aus der Armut in diese neue Mitteklasse aufgestiegen und kaufen wie verrückt. China mit seiner Milliarden-Bevölkerung gilt längst als "consumer-oriented society" und auch in (noch) armen" Regionen wie Afrika boomt der Konsum der rasch wachsenden städtischen Mittelschichten.

Samstag, 1. Januar 2011

Dilma Rousseff: Brasiliens neue Präsidentin und ihr "Geheimnis"


Heute hat sie ihren Amtseid geschworen: Dilma Rousseff (63), die neue Präsidentin der Vorzeigemacht des Südens, Brasilien. Viele glauben, die ehemalige Guerilla sei nur die vorgeschobene Puppe von Luis Inacio da Silva, der wegen Amtszeitbeschränkung nicht mehr kandidieren durfte. In Brasilien gibt es aber auch Leute, die damit rechnen, dass sich die 63-Jährige sehr rasch eigenständig profilieren werde.
Das Al-Jazeera-Porträt:



Noch ist Dilma Rousseff nicht richtig im Amt, schon zeichnet sich bereits ein erster (innenpolitischer) Prüfstein ab: Die Aufarbeitung der Vergangenheit Brasiliens zur Zeit der Diktatur 1964-85.

Montag, 1. November 2010

Dilma Rousseff: Die (evangelikalen) Kirchen als Schiedsrichter

Jetzt hat sie es also doch noch geschafft. Dilma Rousseff ist die neue Präsidentin der Grossmacht Brasilien und damit eine der mächtigsten Frauen der Welt. Langfristig spielt es keine Rolle, dass sie überraschend in einen zweiten Wahlgang gezwungen wurde. Wegweisend ist aber, WARUM sie in den zweiten Wahlgang musste: Wegen den konservativen neuen Kirchen, den (protestantischen) Evangelikalen, die man bei uns als "fundamenatistisch-christlich" bezeichnen würde.

Kurz vor dem Ende des Wahlkampfes hatten christlich-konservative eine aggressive Kampagne gestartet: Dilma Rousseff sei nicht wählbar, weil sie vorhabe, den bis heute in Brasilien von Gesetzes wegen verbotenen Schwangeraschaftsabbruch zu legalisieren.
Die Kirchen finanzierten eine äusserst unappetitliche PR-Kampagne mit zerstückelten Babies, und die Pastoren riefen die Gläubigen in ihren Predigten und TV-Shows auf, nicht für die linke Kandiatin der Arbeiterpartei zu stimmen, sondern für den konservativen Kandidaten, José Serra.
Sogar der Papst, dem die Schäfchen zur Zeit auch in Brasilen in Massen zu den (protestantischen) Evangelikalen davonlaufen, hat noch versucht auf den PR-Zug der Fundamentalisten aufzuspringen: Der Schwangerschaftsabbruch sei "ein Verrat an der Demokratie".

Weil aber viele der Gläubigen ihre Stimme nicht einem rechten Kandidaten geben wollten, haben sie im ersten Wahlgang für Marina Silva gestimmt. Nicht wegen ihren grünen Positionen, sondern weil sie einer evangelikalen Kirche angehört.Weil Marina Silva in der Stichwahl nicht mehr antreten durfte und vor allem weil Dilma Rousseff öffentlich mehrfach feierlich erklärte, sie habe nicht vor, den Schwangerschaftsabbruch zu legalisieren, wurde die Kandidatin des scheidenden Über-Präsidenten Lula da Silva jetzt also doch gewählt.

Die evangelikalen Kirchen und ihre erzkonservativen Prediger müssen damit zu den grossen Siegern in Brasilien gezählt werden. Sie haben klar gemacht, dass man künftig ohne sie - oder gar gegen sie -  in Brasilien keine Politik machen kann.
Für Dilma Rousseff, die Hoffnungsträgerin der Frauen und der Linken, eine bittere Pille: Ihr sind ausgerechnet in der für die soziale Entwicklung des Landes so wichtigen Frage der Abtreibung, die Hände gebunden.
Für die Welt ist es ein Schrecksignal. Brasilien ist nicht irgendwer, sondern vermutlich DIE Vorbildmacht im globalen Süden. Ohne die (religiös-) Konservativen geht nichts.

Ach ja. zu den evangelikalen Wahlsiegern gehört auch Fussballstar Kakà. Er ist einer der vielen reichen Geldgeber einer der grössten evangelikalen Kirchen, die Igreja Renascer.

Mittwoch, 9. Juni 2010

Iran Saktionen: "Schwacher Tee"


Foreign Policy hat das obige Bild zu ihrem aktuelle Artikel "Weak Tea" ("Schwacher Tee" oder auf deutsch wohl "Ein dünnes Süppchen") über die neuen UN-Sanktionen gegen den Iran ausgesucht. Das Bild sagt alles. Der Einordnung von UNO-Experte Andreas Zumach in der Tagesschau von SF ist eigentlich nichts beizufügen.

Offenbar ist es schliesslich für die USA nur noch darum gegangen, das Gesicht zu wahren und nach einem Jahr Verhandlungen überhaupt noch eine Resolution mit dem Titel "Iran-Sanktion" zu erhalten.
Es fehlt sichtbar schlicht der Wille, Iran wirklich hart anzufassen. Nicht nur, dass sich so wichtige Player der neunen Weltordnung wie China, Brasilien und die Türkei dagegen stellen, auch der Verdacht, dass die USA längst einen Weg MIT dem Iran suchen, hat neue Nahrung erhalten.

Der Verlierer ist Israel. Um die jüdische Lobby in den USA einigermassen ruhig zu halten, gilt offenbar das neue politische Ziel: Der ganze Nahe Osten als atomwaffenfreie Zone. das heisst nichts anderes als: man kann vom Iran nicht etwas verlangen, das nicht auch für Israel gilt.

Dienstag, 8. Juni 2010

Dilma Rousseff: Bald eine der mächtigsten Frauen dieser Welt?


Brasilien: Bisher lag sie in allen Umfragen deutlich hinter dem Kandidaten der Opposition, José Serra. Doch mit der neusten Umfrage hat sie aufgeschlossen: Dilma Rousseff, die offizielle Kandidatin der regierenden Arbeiter Partei und die Favoritin des scheidenden Präsidenten Lula da Silva, Es spricht einiges dafür, dass die Ex-Guerilla und Tochter eines Einwanderers aus Bulgarien die Frau an der Spitze des grössten Staates Lateinamerikas sein wird und damit angesichts der Rolle, die Brasilien künftig spielen wird, eine der mächtigste Frauen der Welt.

Offiziell beginnt der Wahlkampf erst am 6. Juli. Die Wahl findet am 3. Oktober statt. Aber natürlich ist der Kampf in den brasilianischen Medien bereist voll im Gang.  Er wird vo den Kandidaten auch via Internet und Social Media geführt. Zu Dilma Rousseff gibt's z.B. gleich mehrere Blogs und Facebook-Seiten.

Auf ihrem PR-Blog dilma2010 findet sich dieses Portrait-Video (brasilianisch)

Dienstag, 18. Mai 2010

Gesucht: Ein neues Alibi für Iran-Sanktion

Bild: Reuters
... und sie haben es doch geschafft, die Türken und die Brasilianer: Ein Nuklear-Abkommen mit dem Iran. So dünn es ist, es ist friedens-politisch sehr wichtig. Einige werden sagen: "Die Brasilianer und die Türken haben für den Westen die Kastanien aus dem Feuer geholt." In Israel und in gewissen Kreisen in den USA und in Europa wird man sich aber in den Hintern beissen: Mit Sanktionen gegen den Iran war's das wohl - zumindest für den Moment. Sie können darauf hoffen, dass Präsident Ahmadinejad weiterhin glaubt, er könne mit anti-westlichem und anti-israelischem Gedröhn innenpolitisch Stimmen machen und deshalb bald wieder für "Irritationen" sorgen. Andere - nicht zuletzt die USA - werden aufatmen. Ihre Politik MIT dem Iran kann weiter gehen.
Vor allem aber haben Brasilien und die Türkei bewiesen, welche Rolle sie heute international zu spielen vermögen.

Mittwoch, 3. März 2010

Der Antagonismus USA - Brasilien wächst

US-Aussenministerin Hillary Clinton ist zur Zeit auf Lateinamerika-Visite (eine Gesamtanalyse dazu gibt's hier bei Foreign Policy). Heute Mittwoch ist sie in Brasilien, der wichtigsten Station ihres Trips. Das Haupttraktandum heisst Iran.
Schon seit einiger Zeit profiliert sich Brasilien als "Führungsmacht des Südens", nicht zuletzt indem es mit anti-amerikanischen Positionen kokettiert: In Honduras, in Venezuela, in Haiti.

Bisher haben die USA das in Kauf genommen, denn Brasilien gilt in Amerika mit seinem charismatischen Präsidente Lula da Silva noch immer als verlässlichster und entscheidendsten Partner in Südamerika, nicht zuletzt als "Brücke zu der Lateinamerikanischen Linken (Staaten)", wie es die einflussreiche und der US-Administration nahestehende US-"Denkfabrik" Strategic Forecasting Inc. (Stratfor) in ihrer aktuellen Analyse formuliert. Vor allem aber weil man mit Da Silva "eine gemeinsame Sicht der wirtschaftsfreundlichen Politik" teile.

"In Schussdistanz" der USA
Jetzt aber schlägt die auch "Schatten CIA" genannte Stratfor in ihrer ausführlichen Analyse "Brazil, Iran: A Troublesome Relationship for the U.S." (Anm.: alle folgende Zitate stammen aus diesem Artikel) erstmals kritische Töne gegenüber Brasilien an. Offenbar ist Brasilien den Amerikanern jetzt mit ihrer wiederholten rhetorischen Unterstützung des Irans zu weit gegangen: Dies habe Brasilien jetzt "in Schussdistanz" ("within firing range") zu einem der sensibelsten politischen Felder der USA gebracht.

Brasilien unterläuft Isolation Irans
Seit Monaten unterläuft Brasilien systematisch die Bemühungen der USA zur Isolation der iranischen Regierung und ihres Präsidenten Ahmadinejad. Brasilien hat im vergangenen Sommer Ahmadinejads Wiederwahl offiziell begrüsst, ihn im Herbst sehr warm in Brasilien empfangen und eben hat sich da Silva auch explizit gegen die Isolation des Iran ausgesprochen: "Wenn man Frieden mit jemandem will, kann man ihn nicht isolieren".
Die "iranisch-brasilianische Liebesaffäre" sei bisher nichts mehr als "Rhetorik", schreibt Stratfor, aber die Irritation der USA ist offensichtlich. Brasilien ist zur Zeit Mitglied des UN-Sicherheitsrats, der wohl schon bald über weiterführende Sanktionen gegenüber Iran entscheiden wird.
Im Mai will Lula da Silva Teheran besuchen, um die weitere konkrete Zusammenarbeit zu verhandeln, mit dem Ziel, dass Iran auch gewisse "Sachen" in Brasilien kaufen könne, wie Lula am 24. Februar kryptisch formulierte.

Als wirklich kritisch betrachtet Stratfor zwei mögliche Kooperationsbereiche zwischen dem Iran und dem Irak: Die Atomenergie und das Bankenwesen. Dank bereits eingefädelter enger Kooperation mit brasilianischen Banken könnte der Iran wahrscheinliche US-Sanktion unterlaufen.

Jetzt will Aussenministerin Clinton also Lula da Silva die Knöpfe eintun. Doch Stratfor stellt nüchtern fest, Brasilien gehe es eigentlich gar nicht um den Iran, sondern um seine weitere Profilierung als Führungsmacht in Lateinamerika: "Brasilien hat das politische und wirtschaftliche Gewichte, sich selbst als regionale Hegemonialmacht zu erklären". Und Brasiliens da Silva betrachte es offensichtlich als "diplomatischen Gewinn", wenn er "vermehrt konträre Positionen zu den USA" propagiere.

Da ist eine äussert spannende Entwicklung im Gang.

USA hofft auf Machtwechsel in Brasilien
Ziemlich unverholen droht Stratfor, die USA könnten Brasilien dort treffen, "wo es am meisten weh tut: In der Brieftasche". Nicht zufällig erwähnt Stratfor, dass Lula da Silvas Amtszeit dieses Jahr zu Ende geht und es noch keineswegs sicher ist, dass seine designierte Nachfolgerin Dilma Rousseff im Oktober die Präsidentschaftswahlen gewinnen wird. Es ist ganz offensichtlich, dass die USA darauf hoffen, dass sich mit dem Kandidaten der Opposition, Jose Serra, dem Gourverneur von Sao Paolo, ein dezidierter Amerikafreund durchsetzen wird, der die gemäss Stratfor "abenteuerliche" Aussenpolitik da Silvas beenden würde.

Montag, 15. Februar 2010

China: Universalismus ist westliche Ideologie

Mark Siemons von der FAZ hat eine gnadenlose Analyse geschrieben: "Wer 'Menschheit' sagt, will betrügen. Die chinesische Universalismuskritik."(Danke für den Hinweis, Matthias).

Der Westen beruft sich - gemäss dieser Analyse aus der Sicht des FAZ-Kultur-Korrespondenten in China - immer dann auf das Prinzip des Universalismus, wenn es ihm zur Durchsetzung seiner Interessen gegenüber den neuen Konkurrenten aus dem Süden gehe, z. B. beim Klima oder beim Internet (oder bei "globalen Werten" wie den Menschenrechten, Anm. Contextlink), "was sie bei anderen universellen, das Funktionieren des Gesamtsystems betreffenden Themen wie Finanzen, Wirtschaft oder Kernwaffen aus Eigeninteresse nicht tun."
Die bisher vom Westen dominierten "Weltorganisationen", die diese Bereiche regulieren sollen, die Vereinten Nationen, die Atombehörde, der Internationale Währungsfonds oder die Welthandelsorganisation, verteidigen gemäss der chinesischen Sicht Privilegien des Westens.

Die FAZ fasst die chinesische Position so zusammen: "Die Ungleichheit in der Welt sei so groß, dass die Anmahnung von Universalität ein manipulativer Trick sei von denen, die den Status quo der jetzigen politischen und kulturellen Machtverhältnisse erhalten wollen."

China hat jüngst deutlich gemacht: da machen wir nicht mehr mit. Nicht nur in der Google/Internetaffäre oder bei der geforderten Aufwertung seiner Währung, sondern z.B. auch beim Klima. In Kopenhagen hat sich China erfolgreich zum Sprecher des Südens gemacht, zusammen mit dem anderen Grosskonkurrenten aus dem Süden: Brasilien.
Sie forderten für alle Schwellen- und Entwicklungsländer das Recht auf eine "nachholende Industrialisierung". Ein brasilianischer Minister hatte es in Kopenhagen so formuliert: Die Schwellenländer seien jetzt zum Dessert geladen, während der Westen schon eine komplette Mahlzeit hinter sich habe. Und jetzt verlange der Westen, man solle die Rechnung teilen.

"Das Argument," schreibt der FAZ-Autor, "dass die behauptete Gleichheit aller angesichts der von europäischen Staaten jahrhundertelang betriebenen Kolonialisierung und der westlichen Dominanz in den globalen Institutionen eine Lüge sei, findet in Regierungen und Gesellschaften nicht-westlicher Länder viel Resonanz."

Der FAZ-Artikel fordert als eine Art Fazit, künftig "eine verstärkte Einbeziehung der nicht-westlichen Öffentlichkeiten in die westlichen Debatten". Gut möglich, dass das Deutsche Blatt bei aller Schärfe der Analyse, hier noch immer die Position des Westens überschätzt. China und der Süden wollen nicht nur mitreden, sie werden bald die Bedingungen diktieren. Denn China und der Süden setzen vermehrt eine universelle Regel in die Praxis um: Wer das Geld hat, hat die Macht.

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Brasiliens Präsident Lula da Silva: Held des Südens


Brasiliens Präsident Lula da Silva wird zusehends zur Ikone des Südens, der Dritten Welt. Al-Jazeera zeigt zur Zeit unter dem Titel "Lula's Regierung zieht Brasilien hoch" eine Bilanz seiner Regierungszeit: eine einzige Lobeshymne. Lula und der Erfolg Brasiliens - bei allen riesigen internen Problemen - gilt bei den Nationen und Menschen des Südens als Hoffungsträger. Mehr noch als Vertrauensgeber: Wir können es auch packen, aus eigener Kraft. Wir brauchen nicht zu kuschen vor dem verhassten "Westen".

Sonntag, 6. Dezember 2009

Brasilien: Führungsmacht des Südens

Grafik: Bundesstaat Amazonas/Brasilien

Brasilien ist einer der grossen Gewinner der globalen Krise. Nicht nur wirtschaftlich. Das Land profiliert sich zusehends als neue Führungsmacht des Südens. Auch als Gegenmacht zur USA.


„Deutschland empfängt in dieser Woche einen sehr selbstbewussten Gast“, schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung letzten Mittwoch zu Beginn des Besuchs des brasilianischen Staatspräsidenten Lula da Silva in Deutschland. Lula komme „als Vertreter eines neuen Wirtschaftswunderlands.“

Daran muss sich die westliche Welt, die alte Macht dieser Welt, zuerst noch gewöhnen. Da kommt einer aus den ehemaligen Kolonien der „Dritten Welt“ nicht als Bittsteller nach Europa, sondern auf Augenhöhe. Er hat etwas zu bieten, mehr noch: Er stellt Forderungen, zum Beispiel bei der Liberalisierung des Welthandels. Ein Schwergewicht wie Deutschland, Europa, tut heute besser daran, Brasilien als Partner zu hofieren, denn das Land vom Amazonas ist auch ein mächtiger Konkurrent: Brasilien hat die Wirtschaftskrise schneller überwunden als die westlichen Mächte und gehört heute zu den 10 grössten Volkswirtschaften dieser Erde und bis in 10, 15 Jahren dürfte es die alten imperialen Grossmächte Grossbritannien oder Frankreich hinter sich gelassen haben.


Trotz drängender Probleme im Innern ...

Niemand schliesst die Augen vor den nach wie vor drängenden Problemen Brasiliens, verdeutlicht durch die negativ-Schlagzeilen der letzten Wochen, die allein Rio de Janeiro gemacht hat: grasssierende Kriminalität hält ganze Stadtteile in Geiselhaft, eine rückständige Infrastruktur stürzt die ganze Stadt in Dunkelheit. Doch diese Probleme verdecken den generell positiven Trend nicht:

Brasilien hat die globale Wirtschaftskrise schneller überwunden als die meisten „westlichen“ Staaten. Wachstumsprognose 2010: Mindestens 5 Prozent. Das Land ist heute so finanzstark, dass es nicht nur die Konjunktur aus eigener Kraft anregen kann, sondern auch noch Gelder für Problemländer zur Verfügung stellen kann. Ausländisches Kapital fliesst in grossen Mengen nach Brasilien, die brasilianische Währung ist eine der stärksten des gesamten Globus.


... Vorbild für die Armen Länder ....

Brasilien ist ein leuchtendes Vorbild, ein Mutmacher und Selbstvertrauengeber für alle armen Länder und seine Menschen: Es verfügt über eine breit diversifizierte Wirtschaft, über einen eigenen starken Binnenmarkt, ist nicht einseitig von Rohstoffexporten abhängig, sondern eine selbstbewusste Exportmacht auch von hochwertigen, verarbeiteten Gütern wie Autos oder Flugzeugen. Vor allem aber: Brasilien gibt den Menschen in seinem Land eine Perspektive: Millionen sind in den letzten Jahren aus der Armut in eine wirtschaftlich mittelständische Klasse mit akzeptabler Lebensqualität aufgestiegen. Und: Brasilien ist eine Demokratie.

Und Brasilien will heute auch eine Rolle spielen im Konzert der Mächtigen und ist zu einer der tonangebenden Stimmen auf den Weltgipfeln geworden. Auch in Klimafragen.


Klimasünder und Umwelt-Musterland

Zwar zählt Brasilien mit seiner fast unbegrenzten Abholzung der Amazonaswälder, der „Lunge der Erde“, zu den schlimmsten Umweltsündern. Doch insgesamt ist Brasilien im internationalen Vergleich ein Musterland in Sachen Umwelt. Seine grüne Energiewirtschaft (Strom aus Wasser, Benzin aus Zuckerrohr) macht Brasilien zum Musterland in Sachen CO2-Emissonen, nicht nur in absoluten Zahlen, sondern auch pro Kopf der Bevölkerung.


Widerstand gegen die USA

Politisch ist Brasilien auf dem Weg zur Grossmacht. Führungsmacht des Südens. Und dabei spielt etwas eine zentrale Rolle, das man im Westen gerne übersieht, aber bei den verletzten Ländern des Südens um so wichtiger ist: Brasilien hat sich nicht nur vom Westen emanzipiert, China, nicht mehr Amerika ist sein wichtigster Handelspartner, Brasilien wagt es, den USA offen die Stirn zu bieten: Fast provokativ empfängt Lula da Silva den iranischen Paria Ahmadinedschad und reklamiert das Recht des Iran auf die Nutzung der Atomenergie.

Selbstbewusst und als Zeichen für Südamerika ungeheuer wichtig auch Brasiliens anti-amerikanische Position in Honduras: Brasilien unterstützt den vom Militär aus dem Land gejagten Manuel Zelaya. Bietet ihm seit Wochen in seiner Botschaft in der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa Unterschlupf und widersetzt sich der Anerkennung des neu gewählten und von den USA gestützten Porfirio Lobo.

Auch wenn Brasilien wohl in diesem Fall nachgeben werden muss, die symbolische Wirkung dieser anti-amerikanischen Haltung gegen die gehassten USA wird die Rolle Brasiliens als neue Führungsmacht des Südens weiter stärken.


Olympia als Plattform

Und der Westen hat Brasilien auch bereits eine Plattform vorbereitet, auf dem es sich als globaler Star präsentieren kann. Jung und selbstbewusst, schön und mächtig: Die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro.

Dienstag, 17. November 2009

Gastbeitrag aus Brasilien 3***: Bürgerkrieg

*** Adrian Zschokke - Kameramann, Filmproduzent, Schriftsteller - weilt zur Zeit in Brasilien. Er nimmt eine Auszeit, um ein neues Buch zu schreiben. Manchmal schreibt er mir ein Mail, das ich dann mit seinem Einverständnis in meinen Blog stelle. Danke, Adrian.

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lieber andy

hier haben wir seit anfang jahr über 3000 tote. opfer von gewaltverbrechen, nicht inbegriffen sind die normalen verkehrsunfälle, meningitisfälle und sonstige natürliche todesursachen. am letzten wochenende waren es 39. und man merkt nichts davon. wenn ich ich nicht regelmässig die zeitung läse, würde ich es nicht einmal ahnen.
du warst ja auch in kriegsgebieten. schien dir das nicht auch immer so unwirklich, dass man in belgrad oder zagreb sass, während 40 oder 100 km weiter geknallt und geschlachtet wurde.
und jetzt kommt eine gruppe Cuisine sans frontieres aus der Schweiz,
die hier suppenküchen baut in den favelas, und irgendwie nervt mich das.
ich weiss gar nicht recht wieso ich eigentlich diese sympathie für lula hege. aber immerhin hat er programme lanciert, mit denen er den hunger bekämpfen will, die armut, die bildungsprobleme und sie greifen… natürlich nicht so schnell, wie man es auch angehen könnte, aber mir kommt bei so hilfswerken immer mehr die afrikanerin in den sinn, die das buch "dead aid" geschrieben hat, dambisa moyo.
wir sind einfach noch immer die arroganten schweizer, die wissen wie die suppe zu kochen ist. wahrscheinlich sind das alles nette kerle, ich kenne den einen von ihnen, ein alter tim, der auf allen hügeln seine suppentöpfe rührt.
interessant auch, wie die mittelklasse überall auf immer die selbe weise auf solche programme gegen die armut wettert. die wollen nicht mehr arbeiten, klar, ist ja am bequemsten, wenn man alles gratis erhält, und dergleichen gehässigkeiten mehr. ich frage mich dann immer, ob es je einen, der angeblich so unter steuerlast gelitten hat, gegeben hat, der freiwillig in diese armut abgetaucht ist, wo ja dann alles so bequem sein soll….
daneben sitze ich am strand, am sonntag ists grossartig. porto de barra, scheints einer der 10 schönsten strände der welt, ist umgeben von zwei forts, die weiss und uneinnehmbar auf kleinen hügeln stehen, wenn du da durch die dicke mauer trittst in ein unscheinbares und ziemlich popeliges museum, kommst du in eine überirdische stille, die, sobald du wieder nach draussen trittst, überfallen von sengender sonne und fröhlichem geschrei, gehupe, gequietsche.

wenn die flut die bucht schmälert, bis du nur noch etwa 1 meter sand hast, siehts am sonntag eben so aus. dicht an dicht, man trinkt bier, man isst crevettenspiesse, käsespiesse, acarajé, man trinkt kokosnuss, kokakola oder wasser, man wird eingeölt, sofern man möchte, kriegt einen hut, ein tuch, ein bikini, einen stuhl, sonnenschirm, alles... mit freundlichster miene, ohne lästig zu werden. es ist fast nicht zu glauben. wenn ich an sierra leone denke bspw. wo du am ende mehr oder weniger davonläufst, weil alle dir aggressiv etwas verkaufen wollen, hier ist es ein angenehmer basar. obschon eben salvador ein rauhes pflaster ist, am strand kann man ruhig sein, ich kann meinen fotoapparat mitnehmen, mein handy und schwimmen gehen und niemand rührt etwas an. vielleicht ein ungeschriebenes gesetz.

gegensätze. müsste man thematisieren können, oder.

heut abend kommt tom wolfe, hält einen vortrag hier, mal sehen ob er mir was zu sagen hat, so von schriftsteller zu schriftsteller :-)

gruss
a

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Gastbeitrag aus Brasilien 2* : Grüezi neue Welt!

Bilder : Adrian Zschokke

Gestern habe ich Bahia in seiner ganzen Breite erlebt:

Am Morgen einmal mehr zum Flughafen, um mein Visum zu verlängern, weil das Büro das letzte Mal geschlossen war. Die Fahrt da hinaus ist immer wunderbar, etwa 30 km dem Meer entlang, wo sie surfen und fischen oder am Morgen einfach liegen, kostet etwa 1. 20 mit dem Bus (mit dem Taxi rund 30 fr).

Bustarif ist Einheitstarif. Einmal durchs Drehkreuz und du zahlst eben 1.20 ob du nun eine Station fährst oder bis ans Ende. Der Busfahrer fährt wie ein Teufel, es sitzen bloss 4 Personen drin. In Itapoan muss der Fahrer schnell raus, er hat Durst, kauft sich eine Cola und wir schmoren drin, - jetzt um 10:00 ist es so um die 32°. Ankunft im Flughafen. Polizeibüro, offen! Wieso ich nicht von Anfang an 6 Monate verlangt hätte. Gute Frage, ich wusste ja nicht, dass dies eine Option ist. Die Polizeierin lächelt, man müsse eben die Zettel lesen. na ja, kann ja nicht jeder Ankömmling schon Portugiesisch, obschon gelesen hätt ich’s auch so nicht. Ich kriege ein Märkli mit einer Preisangabe: 67 Reis. Soll das an der Lotterie Kasse zahlen, denn die Banken sind zu wegen Streiks.

An der Lotteriekasse stehen noch andere gewinnwillige Menschen, nach etwa 20 Minuten bin ich dran, die Lotteriedame sagt: das musst du zuerst ausdrucken. So gehe ich nach längerem verwirrten Suchen in ein Internetkaffee, wo ich tatsächlich mit den Angaben auf der Marke eine elektronische Quittung drucken kann. Cyberspace trifft Gutenberg.

Zurück zur Lotteriefee, die nun die 67 r gerne entgegennimmt, zurück zur Polizei, die mir nach 20 Min. bescheiden, ich hätte den Namen meines Vaters und meiner Mutteer nicht vollständig ausgefüllt. (woher die das wissen wollen?) Ich schrieb Wolfgang und Margrit. Nachdem ich noch Zschokke und Hirsig hingekritzelt habe, was ja kein Mensch überprüfen kann, blickt der Primarlehrer mich gnädig an, die Geschichte ist erledigt, ich darf weitere 90 Tage bleiben.

Nachmittags versuche ich, Waldir zu treffen, 80 jähriger Historiker und Autor eines Buches a saga dos suiços, er ist in der alten Medizinfakultät, die nun wieder geöffnet ist, s. Bilder, und steht am Rednerpult, weil sie 50 Jahre centro estudo afro oriental feiern. Auch interessant, nicht etwa die Afrobrasilianer und die Indios werden studiert, nein, gleich Afrika und der ferne Osten. Der Professor entwischt mir zwar, aber die Diskussion ist interessant.

Anschliessend gehe ich ins Museum de Arte Moderna. Sophie Calle, eine französische Künstlerin. Eine wunderschöne Ausstellung: prenez soin. Da hat sie einen Abschiedsbrief erhalten und gibt den 150 Frauen zur Interpretation, Anwältinnen, Psychologinnen, Maler, Clowns etc. und fotografiert oder filmt diese Interpretation, simpel aber wirklich beeindruckend.

Eine zweite Ausstellung , deretwegen ich eigentlich hingegangen bin, Architektur der Furcht, arcitetura do medo, von einem bahianer Fotografen, der Stacheldraht und Gitter fotografiert hat, ist leider etwas zu simpel. Nicht jeder Stacheldraht ist halt schon ein Bild. Ceci n’est pas une image, juste?

Und dann der Taxifahrer, der mich als Schweizer zuerst fragt, was denn unsere Kühe so ausmachen, dass wir soviel besseren Käse hätten als sie, (er kommt ursprünglich vom Land, hatte Ziegen und Schafe und Kühe ) und mich dann über meinen Eindruck über die Regierung Lula ausfragt. Er findet, dass die Stadt Fortschritte gemacht habe, seine Söhne studieren beide, Chemie und Pharmazeutik. hat eben zwei Notebooks gekauft für sie, 2500 fr, sei schon viel, aber für die Zukunft, und strahlt mich an.

Und daneben eben immer das Chaos, der ewige Stau auf den Hauptachsen, die täglichen Morde und das ganze Gewusel. Aber im grossen Ganzen, glaube ich, sind sie drauf und dran, mindestens so vielfältig, so verrückt, so grotesk und so fortschrittlich zu werden wie wir. Dann singen sie wohl weniger. Und die Meerkatzen fressen meine Bananen nicht mehr aus der Hand. Aber sie leihen dafür der Weltbank Geld und sind keine Bettler mehr.


* Gastbeitrag von Adrian Zschokke, Autor, Filmschaffender, Kameramann, Filmprdouzent. Zur Zeit in Salvador de Bahia, auch um einen neuen Roman zu schreiben.

Samstag, 3. Oktober 2009

Brasilien: Jetzt sind wir dran!

Rio de Janeiro hat den Zuschlag für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro bekommen. Das ist viel mehr als einfach die Vergabe des grössten Ereignisses des internationalen Sports an eine der grössten Sportnationen der Welt. Es ist ein politisches Zeichen, dessen Bedeutung vorallem in der Dritten, der nicht-weissen Welt, wahrgenommen wird. Dort wird dieses Ereignis auch gelesen als: Brasilien - Symbol des aufstrebenden "Südens" - besiegt die USA - Symbol des "Westens".
Dass auf den Jubelbildern vom IOC-Kongress inKopenhagen gestern abend nicht nur Brasiliens Präsident Lula da Silva, sondern auch alt-Fussballstar Pélé, ein Schwarzer, zu sehen ist, verstärkt die Botschaft - nicht zuletzt in Afrika.

Es ist das erste Mal überhaupt, dass olympische Spiele nach Südamerika vergeben werden. Das ist noch wichtiger als die erstmalige Vergabe der Fussball-WM 2010 an Südafrika. Diese hatte noch stark den Geruch der gönnerhaften Förderung der "armen 3. Welt" durch den grosszügigen "Westen" - und den noch grosszügigeren FIFA-Präsidenten Sepp Blatter, der damit seine Macht im Weltfussballverband weiter stärken konnte. Ganz anders die gestrige Vergabe der Olympischen Spiele 2016 nach Rio de Janeiro: Brasiliens Präsident Lula da Silva hatte im Vorfeld mehrfach betont, Brasilien "verdiene" diese Spiele. Es klang gar fast fordernd: Es ist unser Recht, jetzt endlich den Zuschlag zu erhalten. Jetzt sind wir dran.

Und weil der Sport immer ein Spiegel der Politik ist, ist die Symbolik dieses Entscheids nicht zu übersehen: Die Dritte Welt verlangt ihr Recht im internationalen Theater. Brasilien demonstriert damit seine führende Rolle unter den sogenannt aufstrebenden Ländern der "2. Welt". Brasilien ist heute schon eine Weltgrossmacht, Nr. 10 im Ranking der reichsten Nationen der globalisierten Welt.
Und Brasilien hat gemäss Foreign Policy "das Talent, die infrastrukturelle Kapazität und die politische Kraft, im globalen politischen Spiel mitzuspielen."
Für Lula da Silva ist es auch ein persönlicher Triumph. Seine Position in Brasilien ist weiter gestärkt, aber auch weit darüber hinaus wird die Position Brasiliens als Führungsmacht in Südamerika und als globaler Player unterstrichen: "Diese Bestätigung", schreibt Foreign Policy, "wird Lulas Fähigkeit weiter verstärken, internationale Diskussionen zu beeinflussen und noch nähere Beziehungen zu anderen Führungskräften zu pflegen."
Wie Lula seine Rolle, die Rolle Brasiliens und der "aufstrebenden Länder" sieht, hat er dieses Jahr mehrfach deutlich gemacht, u.a. auch in einer aufsehenerregenden Rede vor der UNO-Vollversammlung im September: Es sei Zeit für eine neue Weltordnung. Klares Ziel Lulas ist es, den sogenannten BRIC-Staaten, Brasilien, Russland, Indien und China eine grösseres Gewicht zu geben mit dem klaren Ziel, die Dominanz der USA zu beschränken.