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Dienstag, 31. August 2010

Sarrazin-Bashing: Eine Nebelgranate

Seit Tagen dreschen Politiker fast allen Couleurs und fast alle Medien auf Thilo Sarrazin ( so heissen die Sarasins in Deutschland) ein. Nicht nur in Deutschland, auch in der Schweiz.

"Wenn man das Medienecho der letzten Tage verfolgt hat" schreibt die Deutsch-Türkin Necla Kelek heute in der FAZ, "findet sich die politische Klasse von CDU bis zur Linken in einem schrillen Chor wieder, der versucht, den Redner niederzubrüllen."
Und weiter:
"Ich würde gern eine inhaltliche und keine moralische Debatte über Sarrazins Thesen führen. Keiner seiner Kritiker hat bisher inhaltlich auf die Vorschläge reagiert, geschweige denn seine Thesen widerlegt. Das hat man gar nicht nötig, so sehr riechen die Thesen nach Schwefel. Der Eindruck drängt sich auf, hier solle eine überfällige Debatte mit den bewährten Begriffen wie Rassismus und Populismus kontaminiert werden."

Auffallend anders als der Sarrazin-Bashing-Mainstream war auch der Kommentar der NZZ am Sonntag: "Der Gestus der Empörung löst keine Probleme": "Bei der Bevölkerung triff sein (Sarrazins) Buch auf einen Nerv. Der Gestus der Empörung, mit dem das Gros der Eliten dem Buch entgegentritt, ist deshalb nicht nur langweilig, er ist kontraproduktiv."

Tatsächlich ist Thilo Sarrazin auch selbst Schuld an seinem Verriss: er hat es den Politikern und Medien leicht gemacht. Nicht zum ersten Mal ist er in die Populismusfalle getappt. Seine boulevardesken Zuspitzungen werden von den Medien begierlich aufgegriffen und - nicht ganz zu unrecht - in der Luft zerrissen. Spätesten mit dem Juden-Gen hat er seine Glaubwürdigkeit verspielt.
Die Politiker und die Medien können sich in ihrer Empörung suhlen und sich um die Diskussion der Inhalte drücken.
 FAZ-Herausgeber Berthold Kohler  bringt es heute in der FAZ auf den Punkt:
"Man wünschte sich, nur ein Bruchteil dieser gewaltigen Erregungsenergie flösse in den Versuch, die Probleme eines alternden, in Parallelgesellschaften zerfallenden Einwanderungslandes zu lösen, die Sarrazin auf den Punkt brachte wie jedenfalls kein Politiker vor ihm."

Wir sind alle sehr befangen, über die Thematik zu schreiben. Speziell kompetent, weil selber "betroffen", ist sicher die deutsch-türkische Soziologin Necla Kelek, deren Positionen ich in Contextlink schon mehrfach abgebildet habe. Zum Thema Sarrazin HÖREN kann man Frau Kelek hier.
Hier ist ihr Kommentar aus der FAZ:

Integrations-Debatte

Ein Befreiungsschlag

Die Thesen von Thilo Sarrazin zu Bildung und Zuwanderung sollte man diskutieren, nicht den Autor verteufeln. Aber die politische Klasse, der seine Kritik gilt, verweigert sich der Debatte, argumentiert die Soziologin Necla Kelek.

Wenn ein Ökonom, Finanzexperte und erfahrener Politiker wie Thilo Sarrazin sich um Deutschlands Zukunft Gedanken macht, kann man erwarten, dass er mit dem Blick des Controllers Zusammenhänge analysiert, eine qualitative wie quantitative Bewertung von Zahlen und Zusammenhängen vornimmt und als Politiker Vorschläge macht, wie die Probleme gelöst werden könnten. Diese Erwartung wird in seinem Buch nicht enttäuscht. Er führt auf 460 Seiten Daten und Fakten zusammen, die alle für sich mehr oder weniger bekannt sind, aber in ihrer Gesamtschau und Bewertung doch überraschende Zusammenhänge und Folgerungen ergeben. Ausgangspunkt ist die These, dass sich das „goldene Zeitalter“, in dem die Bundesrepublik seit den Fünfziger Jahren des vorigen Jahrhundert lebt, sich dem Ende zuneigt, weil sich die Voraussetzungen des Wohlstands, das heißt demographische und gesellschaftliche Formationen, dramatisch verändern, die Politik dies ignoriert oder falsche Schlüsse zieht.

Unterschiedliche intellektuelle Voraussetzungen

Sarrazins Ausführungen über Armut und Ungleichheit und Arbeit und Politik könnten ein Befreiungsschlag für Sozialpolitiker sein
Sarrazin stellt fest, dass der autochthone Teil der deutschen Gesellschaft in den nächsten Jahrzehnten schrumpfen, die Zahl der Einwanderer durch Zuwanderung und höhere Geburtenrate aber steigen wird und diese Gruppe seiner Meinung nach aufgrund kultureller Hindernisse nicht in der Lage ist, Qualifikationsdefizite zu kompensieren. Dadurch nimmt die Leistungsfähigkeit des produktiven Teils der Erwerbsbevölkerung ab, weil statistisch gesehen Deutschland weniger technisch-wissenschaftliche Intelligenz reproduziert. Als eine Ursache entdeckt er unterschiedliche intellektuelle Voraussetzungen, aufgrund derer das Bildungsniveau sinke, und weist anhand der Pisa-Studie nach, dass nicht die finanzielle Ausstattung der Schulen oder vermutete Armut entscheidend ist, sondern qualitative und kulturelle Ursachen diese Entwicklung viel mehr beeinflussen.
Zum einen ist dies die Qualität des Unterrichts und zum anderen sind dies die Voraussetzungen der Schüler. Obwohl die Berliner Schulen ein viel günstigeres Lehrer/Schüler-Verhältnis haben und mehr Geld pro Schüler ausgegeben wird als zum Beispiel in Bayern, rangiert Bayern bei der Pisa-Studie vorn und Berlin hinten. Für den Autor sind Unterrichtsqualität und Leistungserwartungen - unabhängig von deutscher oder migrantischer Herkunft - entscheidend. Sarrazin widerspricht der These „Viel hilft viel“. Und nennt Alternativen.

Muslime bleiben zurück

Die von Sarrazin aufgezeigte Wechselbeziehung von Intelligenz und Demographie wird als biologistisch diffamiert. Dabei scheint schon der gesunde Menschenverstand nahezulegen, dass Ethnien wie zum Beispiel die Völker Anatoliens oder Ägyptens, die über Jahrhunderte von den Osmanen daran gehindert wurden, Lesen und Schreiben zu lernen, bei denen noch heute Mädchen nicht zur Schule gehen dürfen, andere Talente vererbt bekommen, als die Söhne von Johann Sebastian Bach und dass es auch bei der Intelligenz so etwas wie die Gaußsche Normalverteilung gibt.
Der von muslimischen Forschern erarbeitete Arab Development Report beklagt seit Jahren, dass die mangelnde Tradition der Bildung, die fehlende Lese- und Abstraktionsfähigkeit durch das pädagogische Prinzip des Taqlid, das das Nachahmen fördert und die Neugier verbietet, die eigenen Gesellschaften behindern, sich zu entwickeln. Fast jeder kann ein Handy benutzen, aber die dahinterstehende Technik, das sind eben über fünfhundert Jahre kumulierte europäische Geistesgeschichte und naturwissenschaftliche Forschung. Sarrazin sagt nicht, dass der Einzelne diese Entwicklung nicht nachvollziehen kann, sondern ist hier der Volkswirtschaftler, der kühl Kennzahlen bewertet. Er bezieht sich auf die amerikanischen Forscher Herrnstein und Murray und schreibt: „Die Erkenntnis, dass Intelligenz zum Teil erblich ist, verträgt sich nur schwer mit Gleichheitsvorstellungen, nach denen Ursachen von Ungleichheit unter den Menschen möglichst weitgehend in den sozialen und politischen Verhältnissen zu suchen sind.“ Sarrazin reißt eine Diskussion auf, in die sich Wissenschaftler seit Jahren verhakt haben.

Qualitative Kriterein einführen

Ein Befreiungsschlag könnten für Sozialpolitiker Sarrazins Ausführungen über Armut und Ungleichheit und Arbeit und Politik sein. Zum einen befreit er die Diskussion um Armut aus der materiellen Abhängigkeit. Im bisherigen Politikverständnis geht man quer durch alle politischen Parteien davon aus, dass sozialer Fortschritt, Gesundheit, Ernährung und letztlich Glück nur durch mehr materielle Zuwendung erreicht werden können. Er stellt fest, dass im bisherigen Politikkonzept „das Individuum, sein Verhalten und seine Verantwortung“ gar nicht vorkommen. Das will er ändern und qualitative Kriterien einführen. Es geht ihm nicht um die fünfzig Euro mehr, die ein Leistungsempfänger bekommen soll, sondern darum, wie effektiv und verantwortlich er damit umgehen kann.
Die Kanzlerin und ihre Integrationsministerin tun so, als müssten sie sich schützend vor die Kinder in der Koranschule stellen.
Ausführlich diskutiert Sarrazin die unterschiedlichen Ansätze, Gerechtigkeit und Leistungsbereitschaft im Arbeitsleben zu gewährleisten. Er rechnet die Idee des voraussetzungslosen Grundeinkommens nach, konstatiert, dass dieses Konzept eine eher mythische denn ökonomische Alternative darstellt, diskutiert den Einfluss von Innovation und Globalisierung. Wer meint, dies alles bereits zu wissen, möge sich melden.

Die Statistik ist eindeutig

Voraussetzung für erfolgreiches Lernen sind für Thilo Sarrazin im Kapitel über Bildung neben dem Unterrichtkonzept auch Disziplin und Übung. Auch Denken kann man üben, heißt es, und homogene Lerngruppen und bildungsorientierte Eltern sind förderlich, soziale und materielle Nachteile auszugleichen. Hier ist Sarrazin ganz Sozialdemokrat, der das Bildungssystem auch als Möglichkeit für den sozialen und gesellschaftlichen Fortschritt nicht aufgeben will, der weiß, dass Gerechtigkeit und Gleichheit sich bedingen, aber die Frage offen bleibt, wann der Mensch nach seinem Bedarf und wann er nach seiner Leistung zu behandeln ist.
Aber auch hier geht er wieder in die Zahlen und stellt fest, dass trotz subjektiven Wollens die Statistik eindeutig ist, und Kinder aus muslimischen Herkunftsländern, auch wenn inzwischen Eltern subjektiv bildungsorientierter werden, objektiv Defizite haben. Und erst hier, im siebten Kapitel, Seite 255, beginnt die Auseinandersetzung mit Zuwanderung und Integration. Sarrazin verortet die Integrationsprobleme europaweit zum überwiegenden Teil bei den Muslimen.

Islam oder Islamismus?

Im Gegensatz zur Bundesregierung, die von 4,3 Millionen in Deutschland lebenden Menschen mit muslimischem Hintergrund spricht, geht Sarrazin von 5,7 Millionen aus. Er stellt mit dem niederländischen Migrationsforscher Paul Scheffer fest, dass die Muslime weniger integriert, überdurchschnittlich oft Empfänger von Sozialtransferleistungen sind, unterdurchschnittlich gebildet, fruchtbarer, öfter kriminell und religiöser als die Mehrheitsbevölkerung und auch anderer Migrantengruppen sind. Er beschreibt die Unmöglichkeit, zwischen Islam und Islamismus zu unterscheiden und den Islam selbst als konsistentes System zu definieren. Und nebenbei bemerkt, ist der Islam keine Rasse, sondern ein kulturelles System.
Ich definiere den Islam nicht nur als Glauben, sondern als eine politische Ideologie und ein gesellschaftliches System: ein System, das die Trennung von Religion und Staat, also die Säkularität und die Aufklärung, verleugnet, das die vertikale Trennung von Männer und Frauen praktiziert, das heißt Frauen diskriminiert.

Eine Politik, die von falschen Voraussetzungen ausgeht

Durch den Versuch, das System der Scharia, die religiöse Normsetzung, neben oder über das säkulare Recht zu stellen und zu leben, ergibt sich ein anderes Welt- und Menschenbild, ergeben sich andere Werte und Normen, die zu einer generellen Integrationsunwilligkeit großer Teile der muslimischen Gesellschaft geführt haben. Die Ergebnisse dieser Entwicklung werden vom Autor statistisch nachgewiesen. Er zitiert die von Seyran Ates, Güner Balci, Kirsten Heisig, Heinz Buschkowsky, mir und anderen angestoßene Debatte um die Verantwortung der Muslime. Sarrazin schildert die Situation der muslimischen Migranten am Beispiel des Berliner Bezirks Neukölln und stellt fest: „Bei uns muss sich niemand integrieren. Es reicht, wenn er jemanden findet, der ihm den Antrag auf Grundsicherung ausfüllt und bei der Wohnungssuche behilflich ist. Die Integration, die in klassischen Einwanderungsländern durch die Teilnahme am Arbeitsleben erzwungen wird, wird für muslimische Migranten in Deutschland zu einem Luxus, den man sich leisten kann, aber nicht muss.“
Die Aufregung darüber erscheint mir aufgesetzt und das Argument des Rassismus ein Ablenkungsmanöver zu sein. Sarrazin trifft den Kern einer Politik, die von falschen Voraussetzungen ausgeht. Dass er nicht in einem muslimischen Deutschland leben will, weil ihm dieses Gesellschaftsmodell suspekt ist, worin besteht das Problem? Der Ökonom Sarrazin errechnet, dass aus 750 000 Arbeitsmigranten aus der Türkei fast drei Millionen geworden sind, deren erwerbsfähiger Teil zu vierzig Prozent von Sozialleistungen lebt, sagt, das sei volkswirtschaftlich eine miese Bilanz, und überlegt, ob Zuwanderung, wie sie stattfindet, nicht falsch ist. Das ist kein Grund, sich über den Autor zu empören, sondern wir müssen die Politiker, die dieses Ergebnis zu verantworten haben, fragen, ob sie im Interesse dieses Landes regiert haben.

Die Politik will ihn mundtot machen

Sarrazin macht Vorschläge zur Einwanderungspolitik, die sich zum Teil in den Programmen der bürgerlichen Parteien finden, die aber, wie das Gesetz gegen Zwangsheirat, seit Jahren vor sich hergeschoben werden. Er spricht von Sprachförderung, Kindergartenpflicht, Ganztagesschulen und Verantwortung der Migranten für ihr eigenes Schicksal und gegenüber der Gesellschaft und stellt Überlegungen an, wie die autochthone deutsche Gesellschaft sich aus sich selbst heraus, aus dem Dilemma von niedrigen Geburtenraten und Vergreisung retten kann. Die Eindämmung des ungehinderten Familiennachzugs ist eine Maßnahme. Er geht davon aus, dass das Verantwortungsbewusstsein der Migranten gestärkt werden muss und dass, wenn die Muslime weiter ihre archaische Kultur so leben wollen, wie sie es in Teilen jetzt tun, unsere Gesellschaft sich selbst abschafft. Mein Fazit: Hier hat ein verantwortungsvoller Bürger bittere Wahrheiten drastisch ausgesprochen und sich über Deutschland den Kopf zerbrochen.
Und um diesen Kopf soll Thilo Sarrazin jetzt offensichtlich kürzer gemacht werden. Wenn man das Medienecho der letzten Tage verfolgt hat, findet sich die politische Klasse von CDU bis zur Linken in einem schrillen Chor wieder, der versucht, den Redner niederzubrüllen.
Die Kanzlerin und ihre Integrationsministerin lassen ihrer Empörung freien Lauf und tun so, als müssten sie sich schützend vor die Kinder in der Koranschule stellen. Der SPD-Vorsitzende bangt um seine türkischen Wähler, und seine Generalsekretärin mobbt einen Genossen. Der Sozialarbeiter im Parteivorstand der Grünen redet vom Stammeskrieger, die FDP-Justizministerin spricht von wirren Thesen, eine Exbischöfin von Menschenverachtung, die türkische Lobby will ihn verklagen. Alle, die den Zustand der Integration mitzuverantworten haben, rufen „Haltet den Dieb!“ und „Nicht in diesem Ton!“ und „Das nützt den Rechten“.

Keiner seiner Kritiker hat bisher inhaltlich auf die Vorschläge reagiert

Das Literaturfestival in Berlin schafft mit einer Rundmail sich selbst als Debattierforum ab, und auf „Zeit online“ verwechselt man Ort, Zeit und Anlass und diskutiert lau, ob es politisch korrekt ist, wenn man sich mit Thilo Sarrazin im selben Raum aufhält. Andere fordern auf, ihn beruflich zu vernichten. Man könnte jetzt wie Frau Nahles fragen: „Aber hallo? Geht es nicht ein wenig kleiner?“
Ich würde gern eine inhaltliche und keine moralische Debatte über Sarrazins Thesen führen. Keiner seiner Kritiker hat bisher inhaltlich auf die Vorschläge reagiert, geschweige denn seine Thesen widerlegt. Das hat man gar nicht nötig, so sehr riechen die Thesen nach Schwefel. Der Eindruck drängt sich auf, hier solle eine überfällige Debatte mit den bewährten Begriffen wie Rassismus und Populismus kontaminiert werden.

Ob sie mit aller Konsequenz Teil dieser Gesellschaft werden wollen

Keiner seiner Kritiker hat bisher inhaltlich auf die Vorschläge reagiert. Bei einigen Politikeräußerungen habe ich den Eindruck, hier werde ein deutscher Haider oder Geert Wilders oder das Erstarken der NPD herbeigeredet. Vielleicht wünscht man sich das, damit endlich das Feindbild wieder stimmt und man sich nicht inhaltlich mit den Fragen auseinandersetzen muss. Der Sozialdemokrat Thilo Sarrazin und sein Buch taugen zu diesem Feindbild nicht, auch wenn einige es gerne so hätten.
Teilhabe ohne Leistung, das ist eine Haltung, die die deutsche Politik seit Jahrzehnten tatsächlich reproduziert, auch wenn „fordern und fördern“ plakatiert wird. Das Buch von Thilo Sarrazin ist eine Chance, die Integrationpolitik und damit auch die Zukunft des Landes in wichtigen Bereichen neu zu denken. Auch Muslime müssen lernen, über die eigene Geschichte, auch die Geschichte der Migration, zu reflektieren. Die Muslime in Deutschland müssen sich entscheiden, ob sie mit aller Konsequenz Teil dieser Gesellschaft werden wollen oder als erste Gruppe von Migranten in die Geschichte eingehen wollen, die das Land, das sie aufgenommen hat, verachtet. Sarrazin fordert auch die Muslime auf: „Zeigt, was ihr könnt.“

Sonntag, 15. Februar 2009

Integration: „Ein Plädoyer für klare Regeln“

Foto: SF
Ich sitze in Istanbul und hatte eigentlich vor, etwas über die geostrategische Rolle der Türkei zu schreiben. Doch im Rahmen der Internet-Recherchen stosse ich wieder einmal auf einen Artikel von Necla Kelek, der deutsch-türkischen Soziologin, welche mir schon früher grossen Eindruck gemacht hat. Ihr Artikel (alt, von 2006) in der Zeit „Heimat – ja bitte“, passt nicht nur sehr gut zu den vielen Gedanken, die sich mir hier in Istanbul beschäftigen, sondern treffen sich auch perfekt mit, dem, was Thomas Kessler kürzlich in meinem baz.online-Interview zur Integration gesagt hat. Seinen Ansatz „fördern und fordern“ würde Necla Kelek wohl unterschreiben. Necla Kelek ist die Frau, die 2005 mit ihrem Pamphlet "Eure Toleranz bringt uns in Gefahr", eine längst nötige Dikusson in Deutschland angestossen hat, die es in der Schweiz noch zu führen gilt.

Hier ausführliche Passagen aus ihrem "Heimat"-Text:

Selbstverantwortung
Wir dürfen die Migranten, ihr Verhältnis zu ihren Söhnen und Töchtern, ihre Einstellung zu Glauben und Religion, zu Rechtsstaatlichkeit und Demokratie nicht länger unter Naturschutz stellen. Migranten sind nicht per se »Opfer«. Mit ihnen auf gleicher Augenhöhe zu verkehren heißt, sich überall dort einzumischen, wo sie den »Geist der Gesetze« dieser Republik verletzen, aber auch jede vormundschaftliche Politik aufzugeben, die sie zu Mündeln degradiert. Niemand kann ihnen die Verantwortung für ihr eigenes Leben abnehmen.

Die „neue Heimat“ akzeptieren
Wer als Migrant gekommen ist, muss Deutschland als seine »wahre Heimat« annehmen. Er muss aufhören, die Deutschen als Fremde zu sehen, deren Sitten und Gebräuche er verachtet; er muss lernen, sich mit diesem Land auseinander zu setzen, und er muss respektieren, dass auch ein Migrant vor Einmischungen in seine »Angelegenheiten«, vor Kritik nicht gefeit ist. »Es ist
völlig in Ordnung, dass Muslime, dass alle Menschen in einer freien Gesellschaft Glaubensfreiheit genießen sollten«, schreibt der Muslim Salman Rushdie. »Es ist völlig in Ordnung, dass sie gegen Diskriminierung protestieren, wann und wo immer sie ihr ausgesetzt sind. Absolut nicht in Ordnung ist dagegen ihre Forderung, ihr Glaubenssystem müsse vor Kritik, Respektlosigkeit, Spott und auch Verunglimpfung geschützt werden.« Diesen selbstbewussten Umgang mit den Errungenschaften der Aufklärung wünschte ich den Muslimen, aber auch ihren selbst ernannten Verteidigern, die auf Kritik reagieren, als würde damit ein Dschinn, ein böser Geist, losgelassen.

In der Moschee auf Deutsch predigen
„Der organisierte Islam hat eine besondere Verantwortung für die Integration. Auch an ihn sind Forderungen zu richten: Koranschulen müssen ihr Programm und ihr pädagogisches Konzept öffentlicher Kontrolle zugänglich machen; Unterricht und Predigten müssen in deutscher Sprache erfolgen; Männern und Frauen ist gleichberechtigter Zutritt zu allen Veranstaltungen zu gewähren; die Betreiber von Moscheen haben ihre Satzung und ihre Finanzen offen zu legen; Moscheevereine verpflichten sich, ein Angebot für Sprachförderung anzubieten; Hodschas haben neben Sprachkenntnissen auch Kenntnisse in Landes- und Gesetzeskunde nachzuweisen.“

Identität und Glauben nicht aufgeben
„Sich an die Arbeit der Integration zu machen bedeutet nicht, seine Muttersprache zu vergessen, seine Identität zu verraten oder seinen Glauben aufzugeben. Bis heute berührt mich nichts so sehr wie meine türk halkmüzigi, türkische Volksmusik, ich esse immer noch nur zu gern meinen Döner und tanze leidenschaftlich gern tscherkessische Tänze – so wie ich Latte Macchiato, Grünkohl, Bach und Jazzrock schätzen gelernt habe. Kultur ist ein ständiger Lernprozess, eine sinnliche Erfahrung, die anderes hören, anderes sehen, anderes schmecken, anderes
fühlen lässt – eine Erweiterung für alle. Es kann nicht darum gehen, Identitätspolitik zu betreiben, wie es die türkisch-muslimischen Vereine immer noch gern tun. Es kann nicht darum gehen, normativ für alle Türken und Muslime zu definieren, was es heißt, »türkisch« oder
»muslimisch« zu sein, wie die Gesellschaft den Türken zu begegnen hat und was die Türken selbst zu tun und zu lassen haben. Verräterisch sind Formeln wie »wir Türken« oder »wir Muslime«, sie erheben immer noch das »Türkentum« und das »Muslim-Sein« zur kollektiven Identität. An dem »Sprachenstreit« auf deutschen Schulhöfen wird deutlich, dass die Auseinandersetzung um die Integration erst jetzt begonnen hat. Jeder in dieser Gesellschaft hat das Recht, Türke, Deutscher, Muslim, Christ oder etwas anderes zu sein. Als Individuum kann er frei wählen, seine Integration als Türke oder Türkin, als Muslim oder Muslimin muss daran
keineswegs scheitern – wohl aber, wenn er sich zurückzieht auf die kollektive Identität. Ein Einzelner kann integriert werden, ein Kollektiv nicht.“

Sonntag, 2. November 2008

Der Tanz mit der Toleranz

Das Bild stammt von Spiegel-Online. Es zeigt das rituelle Schächten, welches in vielen Kulturen, z.B. auch in der jüdischen und muslimischen praktiziert wird.

Spiegel-Online provoziert, auch mich. Zum Nachdenken.

Vieles, was Henryk M. Broder, polnisch-jüdisch-stämmiger deutsch-israelischer Autor, in seinem Spiegel-Artikel "Gefährlicher Tanz mit der Toleranz" schreibt, bereitet mir Unbehagen, gar Abwehr. Ich merke aber gleichzeitig: In Vielem pflichte ich ihm bei.

Broders Thesen führen eigentlich direkt zurück auf die Diskussion "Was ist Integration" oder wieviel Anpassung wollen/müssen wir verlangen", die Deutschland mit der grossen Islamkonferenz seit 2006 zu führen versucht hat.
Von dort stammt auch das Zitat der deutsch-türkischen Soziologin Necla Kelek, das Broder zu Beginn seiner Kolumne verwendet: "Eure Toleranz bringt uns in Gefahr!" Die für mich besonders nachvollziehbaren Argumente Necla Kleks habe ich schon in einem früheren Post auf Contextlink dargestellt.

Schlüsselsätze aus Broders Spiegel.online-Artikel:

"Was darf eine liberale, tolerante Demokratie zulassen und was muss sie verbieten? In .... Gesellschaften, in denen die Begriffe "gut" und "schlecht", "richtig" und "falsch" zugunsten von "anders", "multikulturell" und "relativ" abgeschafft wurden, kommt diese harmlos klingende Frage der Quadratur des Kreises gleich."

Broder spricht von "Egalisierung der Kulturen auf Kosten der Zivilisation".

"Kultur ist, wenn Sie Ihrem Nachbarn den Kopf abschlagen und daraus eine Blumenvase machen. Zivilisation ist, wenn Sie dafür ins Gefängnis müssen und nie wieder rauskommen."

"Egal, ob Sie ein anatolischer Bauer oder ein rheinischer Philosoph sind, Sie bekommen keinen Bonus und keinen Malus, wenn Sie sich an Ihrer Tochter vergreifen. Deswegen kann es den Begriff "multizivilisatorisch" nicht geben. Es gibt nur "multikulturell"."

"Mit der Toleranz gegenüber dem vermeintlichen Underdog geht oft auch eine Bewunderung für das Finale und das Totalitäre einher."

Broder verhöhnt die obertoleranten Westler und ihre Idealisierung der "Anderen", selbst der Fudamentalisten: "Mit der Toleranz gegenüber dem vermeintlichen Underdog geht oft auch eine Bewunderung für das Finale und das Totalitäre einher." Und: "Diese Fundamentalisten, die haben noch Ideale, die schrecken vor nichts zurück, während unsereiner sich schon in die Hosen macht, wenn er bei Gelb geblitzt wird. Nur so lässt sich Fluch der reinen Toleranz erklären."
"Kritik der reinen Toleranz" heisst übrigens das neuste Buch von Henryk Broder, erschienen im Spiegelverlag. Der Spiegel-online-Artikel disqualifiziert sich damit auch etwas als Verkaufsförderung).

Broder äzt auch gegen die "toleranten Briten": "Wenn ( in England) "Mohammed" inzwischen "Jack" als beliebtesten Vornamen für Neugeborene abgelöst hat, dann ist es nur vernünftig, sich auf eine Zukunft im Zeichen der Mondsichel einzustellen und die Einführung der Scharia als optionale Alternative zu britischem Recht zu fordern, wie es das Oberhaupt der anglikanischen Kirche, der Bischof von Canterbury, Rowan Williams, Anfang 2008 vorgeschlagen hat, um "soziale Spannungen zu vermeiden"."
Auch Bischof Rowans Haltung war schon Thema in Contextlink.

"Wir erleben, wie eine liberale Gesellschaft mit ihren eigenen Waffen geschlagen wird, an ihrer eigenen Toleranz zugrunde geht. Aber warum ist es so? Was treibt die Briten - und in einem etwas geringeren Maße auch die Deutschen, die Franzosen, die Holländer - dazu, die Bude abzubrennen, in der sie es sich so gemütlich eingerichtet haben?"

"Toleranz ist ein ungedeckter Wechsel auf die Zukunft, ein Angebot an den Sieger von morgen: Ich verschone dich heute, bitte merke es dir gut und verschone mich, sobald du an der Macht bist."

"Toleranz widerspricht der menschlichen Natur so, wie es ihr widerspricht, die Beute zu teilen. Man macht es nur, wenn man sich davon einen Vorteil verspricht."

Und zum Schluss zitiert Broder auch noch Papst Benedikt XVI., als er noch Joseph Kardinal Ratzinger hieß:
"Es scheint hier ein merkwürdiger Selbsthass des Westens auf, der fast nur als etwas Pathologisches begriffen werden kann. Der Westen versucht sich in lobenswerter Weise ganz und gar dem Verständnis fremder Werte zu öffnen, aber er liebt sich selbst nicht mehr."

Es ist Zeit, dass wir auch in der Schweiz eine Debatte über die Integration führen.


Montag, 6. Oktober 2008

Kopftuch: Widerspruch aus der Türkei





Ich habe hier in meinem Blog den Artikel von Seylan Benhabib "Kein Rückschritt, sondern Fortschritt" zur Kopftuchdiskussion in der Türkei besprochen. Jetzt widerspricht ihr ebenfalls auf fr-online die türkische-deutsche Soziologin Necla Kelek. Sie hat eben ihr Buch "Bittersüsse Heimat - Bericht aus dem Innern der Türkei" veröffentlicht. 

Es tut mir leid, darauf bestehen zu müssen: Der von Seyla Benhabib ausgemachte theoretische Fortschritt manifestiert sich im Leben als gesellschaftlicher Rückschritt."
"Es geht nicht darum, ob ein Mädchen mit Kopftuch zur Uni kann, sondern darum, ob sie auf dem Land oder in der Stadt ohne Kopftuch auf die Strasse kann, ohne belästigt oder beschimpft zu werden. Das ist ein schleichender, sich verstärkender Prozess."
Und:
"Wenn die Verschleierung denn eine Frage des Geschmacks und der Mode wäre, die Frau damit glaubt, ihre Identität und Intimität zu wahren, soll sie es tun. So ist es aber nicht. Für die AKP (die Regierungspartei; A.M.) und jene Frauen ist das Kopftuch ihre Fahne, mit der sie die Flagge des Islam zeigen und die gesellschaftliche Norm bestimmen wollen."

Necla Kelek hat in Deutschland im vergangenen März für grosses Aufsehen gesorgt, als sie an der deutschen "Islamkonferenz" bei der es um die Integration der Muslime in der Deutschen Gesellschaft ging, eine Brandrede hielt. 

In einem "Offenen Brief" in der Frankfurter Zeitung hat Necla Kelek dann ihre Position noch einmal unterstrichen und den (fundamentalistischen) Vertretern des "Islamischen Koordinierungsrats", des "organisierten Islams" wie sie es nannte das Recht auf Fürsprache für alle Türken in Deutschland abgesprochen:
"Ich möchte hier, stellvertretend für die nichtorganisierten Muslime in diesem Land sagen, dass wir es Ihnen nicht länger überlassen, in der Oeffentlichkeit zu vertreten, wie und was der Islam in diesem Land sein kann."

Eine entsprechende Diskussion, wie sie Deutschland zu führen versucht, was Integration denn wirklich heisst, ist in der Schweiz noch zu führen.

(Ich muss auf das Thema bald zurückkommen).
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Freitag, 18. Juli 2008

Sharia in der Schweiz?


Unterschwellig ist es auch in der Schweiz schon heute ein Riesenthema: das Zusammenleben der Schweizerinnen und Schweizer mit den Muslimen, respektive die Diskussion über die Frage, wie sehr sich ein in der Schweiz lebender Ausländer zu assimilieren hat.

Oeffentlich wird die Thematik bisher nur punktuell behandelt, wenn es zum Beispiel um die Frage der Minarette oder der Kopftücher der Frauen geht oder zuletzt in Basel bei der Bespitzelung der türkisch-stämmigen Grossräte durch den Schweizer Staatsschutz.

Es wäre aber dringend nötig, das Thema generell und breit zu diskutieren, auch wenn dies sicher schmerzhaft und mit einiger Emotionalität verbunden ist. Die anhaltende Tabuisierung birgt aber mittelfristig grössere Risiken und führt dazu, dass die Thematik von Fundamentalisten auf allen Seiten für ihre Interessen missbraucht wird.

In England geben inzwischen wichtige Exponenten der Kirche und der Justiz mutige Impulse. Sie fordern, dass die Sharia den anderen kirchlichen Rechtsordnungen (christliche und jüdische) gleichgestellt wird. Die Aeusserungen des geistliche Oberhaupts der anglikanischen Staatskirche, Erzbischofs von Canterbury, die Sharia in das britische Rechtssystem zu integrieren, hat heftige Reaktionen ausgelöst:



Der oberste Geistliche Englands hat dann überraschend Unterstützung vom höchsten Richter von England und Wales, Lord Nicholas Phillips erhalten. Er sehe "keinen Grund, warum Grundsätze der Scharia oder andere Religionsgesetze nicht als Grundlage für außergerichtliche Schlichtungsverfahren dienen sollten" , sagte Nicholas Phillips bei einer Rede im Ostlondoner Muslimischen Zentrum.
Die Rede ist ausrücklich von "aussergerichtlichen Schlichtungsverfahren", die insbesondere den privaten Bereich betreffen. Sanktionen wie Auspeitschungen, Verstümmelungen oder Steinigungen, die von Scharia-Gerichten verhängt werden, kämen dabei "keinesfalls in Frage". Und tatsächlich gibt es in England schon seit einigen Jahren solche «Islamic Shari’a Councils». Die Richter beraten muslimische Familien und helfen, familiäre Probleme zu lösen.

Das Primat des staatlichen Rechts wird in England von niemandem angezweifelt, auch nicht von der staatlichen Kirche.

Das Nebeneinander des zivilen, staatlichen Rechts und des kirchlichen Rechts ist der Bevölkerung der Region Basel mit der Affäre um den Röschenzer Pfarrer Szabo ja wieder etwas mehr ins Bewusstsein gerückt. Leider musste man dabei feststellen, dass die Kirchenoberen in der Schweiz weit weniger tolerant denken und sich anders als ihre englischen Kollegen insbesondere mit dem Primat der staatlichen Rechts schwer tun:
Der Sprecher der Schweizerische Bischofskonferenz Erwin Tanner unterstreicht, dass Schweizer Katholiken sowohl der staatlichen wie der kirchlichen Rechtssprechung unterstehen: «Allerdings nur so weit, als staatliche Regelungen nach kirchlicher Ansicht nicht gegen
göttliches Recht verstossen oder kirchliches Recht nicht etwas anderes vorsieht.»("Plädoyer" 4/08).

Einen islamischen Geistlichen, der sich so äussert würde man wohl fundamentalistisch nennen. Die Baselbieter Gerichet und Behörden haben denn auch im Fall Szabo klar gemacht, wer heir das Primat hat. Kirchendirektor Adrian Ballmer (Regierungsrat BL): «Der Staat garantiert die Grundrechte, und daran hat sich auch die Landeskirche zu halten.»

Doch gläubige Katholiken wissen, dass sie sich trotz einem entlastenden Urteil der staatlichen Instanz mit einer kirchlichen Sanktion rechnen müssen. Die Konsequenzen – bis hin zur Exkommunikation – hätten sie «parallel zu tragen, da sie beiden Systemen mit bestem Wissen
und Gewissen zur Gehorsam verpflichtet sind" ("Plädoyer" 4/08, Scrrenshot Artikel siehe unten).


Die Schweiz kennt im Uebrigen auch jüdische Schiedsgerichte, analog zu de englischen islamischen Einrichtungen. Sie beurteilen jährlich zwischen 10 und 20 Fälle "unter weitmöglichster Wahrung jüdische Rechts". Geprägt von ihrer jahrhundertelangen, schmerzhaften Erfahrung, sind die Juden sehr pragmatisch. Haben die Juden unter sich eine zivilrechtliche Auseinandersetzung, müssen sie diese eigentlich zuerst vor ein rabbinisches Schiedsgericht bringen. Ist eine Partei dazu aber nicht bereit, kann auch ein staatliches Gericht nagerufen werden. Eine sture Beurteilung nur nach jüdischem Recht lehnen die jüdischen Schiedsgerichte ab. Dies können zu "unbilligen Entscheiden" führen, solchen, die dem staatlichen Zivilrecht widersprechen, was man tunlichst vermeiden will, um die eigenen Glaubensbrüder nicht in Schwierigkeiten zu bringen (Zitate des Zürcher Anwalts Alfred Strauss gemäss dem Sharia-Artikel in "Plädoyer" 4/08, Scrrenshot Artikel siehe unten).

Die Toleranz und Offenheit der Englischen Würdenträger könnte uns ein Vorbild sein und uns ermutigen, die schwelende Thematik der Integration der fremden (diesmal muslimischen) Kultur mutig anzugehen. Die Juden könnten ein Vorbild sein für die Muslime und von deren Erfahrung in "Sich-Anpassen" sein. Doch sowohl die Muslime in England wie in der Schweiz meiden die Diskussion zum Thema Scharia aus einem ganz andren Grund: Sie fürchten eine erneute Diskriminierung durch extreme politischen Gruppe, sowohl in den eigenen Reihen, wie auch bei Schweizer Organisationen und Parteien.