AlJazeera-Reportagen sind häufig Leuchttürme.
Dies ist ein Beispiel für eine sehr sehenswerte Reportage, für die es heute bei "normalen" TV-Anstalten bei uns keine Aufträge mehr gibt. Sie erzählt keine "sensationelle" Story, hat keinen heimischen Bezug und ist aufwändig in der Produktion, weil sie viel Zeit benötigt. (Statt wie geplant 4 Tage, war der Reporter plus Kameramann 1 Monat unterwegs.)
Der Stil ist völlig unprätentiös: kein Reporter, der ständig den Blick auf die Bilder verstellt, kein reisserischer Kommentar, der uns für dumm verkauft. Dafür vielerzählende Bilder, gut gefilmt, und eine "natürliche" Geschichte, die uns sehen und selber denken lassen.
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Montag, 2. Januar 2012
Freitag, 23. Dezember 2011
Leuchtturm 11: Krisen des demokratischen Kapitalismus (Lettre)
"Lettre International. Europas Kultur Zeitung" ist in sich ein heraussragender Leuchtturm im "Meer der Belanglosigkeit" der aktuellen Medienlandschaft. Jede Nummer. Das Highlight der aktuellen Ausgabe ist der Leitartikel "Die Krisen des demokratischen Kapitalsmus" von Prof. Wolfang Streek, Direktor des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung in Köln. Er ordnet die aktuelle Krise historisch ein: Der andauernde, eigentlich in seiner Grundkostellation zum Scheitern verurteilte Versuch, die Forderung nach sozialen Rechten mit dem Wirken freier Märkte in Einklang zu bringen. Kapitalismus und Demokratie als im Grunde unvereinbare Gegensätze.
Erstmals veröffentlich wurde das anspruchsvolle, aber gut lesbare Stück im Rahmen der "Max Weber Lectures Series" auf englisch.
Weiter unten ein ausführlicher Ausschnitt.
Lettre ergänzt den Beitrag gleich mit einem zweiten Artikel von Prof. Streek: "Völker und Märkte. Demokratischer Kapitalismus und europäische Integration. Ein Epilog". Genauso hervorragend.
Erstmals veröffentlich wurde das anspruchsvolle, aber gut lesbare Stück im Rahmen der "Max Weber Lectures Series" auf englisch.
Weiter unten ein ausführlicher Ausschnitt.
Lettre ergänzt den Beitrag gleich mit einem zweiten Artikel von Prof. Streek: "Völker und Märkte. Demokratischer Kapitalismus und europäische Integration. Ein Epilog". Genauso hervorragend.
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Leuchtturm 10: "Das Gesicht des aufgeklärten Islam" (BaZ)
Ein Artikel, den ich diese Woche aufbewahrt habe - aus der Basler Zeitung (!): Die Zeitung, die mit aller Gewalt versucht, sich mit ihrem national-konservativen Kurs in Basel unmöglich zu machen, setzt einen echten Leuchtturm: Der Hintergrundartikel zu Gamal al-Banna, Bruder des Gründers der Muslim Brüderschaft Hassan al-Banna, Grossonkel des modernen Vordenkers des aufgeklärten Islam, des Schweizers Tariq Ramadan - über den Contextlink immer wieder berichtet.
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Mittwoch, 29. Dezember 2010
Leuchtturm 2: Juli Zeh's Optimismus
Herausragend, intelligent, gar originell und gutgeschrieben sollen sie sein - die Leuchttürme, die ich mir vorgenommen habe, hier in Contextlink zu veröffentlichen. (Zuletzt "Vor-Weihnachtsgeschichte").
Heute lese ich mit grossem Genuss den Artikel "Lassen Sie uns lesen, schreiben und politisch sein" der deutschen Autorin Juli Zeh im Tagesanzeiger (Printausgabe; bisher online noch nicht publiziert).
Definitiv ein Leuchtturm. Zusätzliche Attribute: frech, wütend und ... optimistisch.
Auszüge:
Da die Leute gern von sich auf andere schliessen, werde ich von Journalisten immer wieder gefragt, ob hinter meiner "politischen Einmischung" eine "Strategie" stehe - und zwar nicht etwa eine politische, sondern eine mediale. Ob mir also irgendein Image- oder Corporate-Identity-Consultant dazu geraten habe, die "Marke Juli Zeh" als eine politische zu "etablieren".
Man stelle sich vor: Das Weltbild manch eines gehirngewaschenen Sklaven des kommerziellen Meinungsbetriebs (Hervorhebung Contextlink) lässt die Vorstellung gar nicht mehr zu, jemand könne einfach nur tun oder sagen, was er für richtig hält, ohne dabei in den Kategorien von Vermarktung oder Verkäuflichkeit zu denken.
Seit ich gelegentlich politische Texte publiziere, weiss ich, dass das Volk keineswegs so dumm ist, wie die Einschaltquotenfetischisten glauben. Mein Eindruck ist eher, dass die Menschen spüren, wie das Feld des politischen Mitdenkens, Mitredens und Mitwirkens zwischen den zusammenrückenden Fronten aus Administration und Showbusiness immer schmaler wird.
Leicht und anmutig, mit niedlich gerümpfter Nase segelt es sich auf den Schwingen des Zynismus hoch oben über dem politischen Geschehen.
Juli Zeh verweist auf das Beispiel von Charlotte Roche, "ihres Zeichens Fernsehmoderatorin und Schriftstellering", die Bundespräsident Wulff öffentlich Sex angeboten hat, wenn er das Gesetz zur Verlängerung der Atomkraft nicht unterzeichne:
Das ist der Gipfel von Politikverachtung und Selbstverachtung. Die totale Erniedrigung vor dem Aufmerksamkeitsapparat. Die endgültige Vereinigung von Politik nd Spektakel in der Person einer zeitgenössischen Autorin.
Ich weigere mich anzunehmen, dass wir uns ausgrechnet jetzt, auf dem Höhepunkt von Demokratie, Aufklärung und Frieden, in eine Gesellschaft aus unmündigen, event- und entertainmentsüchtigen Schein-Bürgern verwandeln, in eine von ihren Dompteuren dressierte Kuhherde, die täglich mundgerechte Happen Brot und Spiele wiederkäut.
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Der Text im heutigen Tagi ist die Kurzfassung eines Referats, das Juli Zeh am 27. November an der 24. Tübinger Poetik-Dozentur unter dem Titel "Aufgedrängte Bereicherung" gehalten hat. (ebenfalls bisher noch nicht online verfügbar). Der Text soll aber laut Tagi im nächsten Frühling im Swirdoff-Verlag veröffentlicht werden.
Online gibt's einen anderen spannenden Zeh-Text zum Thema hier: "Juli Zeh - eine Rede ... über die Bedeutung und Funktion der Literatur im politischen Kontext".
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Heute lese ich mit grossem Genuss den Artikel "Lassen Sie uns lesen, schreiben und politisch sein" der deutschen Autorin Juli Zeh im Tagesanzeiger (Printausgabe; bisher online noch nicht publiziert).
Definitiv ein Leuchtturm. Zusätzliche Attribute: frech, wütend und ... optimistisch.
Auszüge:
Da die Leute gern von sich auf andere schliessen, werde ich von Journalisten immer wieder gefragt, ob hinter meiner "politischen Einmischung" eine "Strategie" stehe - und zwar nicht etwa eine politische, sondern eine mediale. Ob mir also irgendein Image- oder Corporate-Identity-Consultant dazu geraten habe, die "Marke Juli Zeh" als eine politische zu "etablieren".
Man stelle sich vor: Das Weltbild manch eines gehirngewaschenen Sklaven des kommerziellen Meinungsbetriebs (Hervorhebung Contextlink) lässt die Vorstellung gar nicht mehr zu, jemand könne einfach nur tun oder sagen, was er für richtig hält, ohne dabei in den Kategorien von Vermarktung oder Verkäuflichkeit zu denken.
Seit ich gelegentlich politische Texte publiziere, weiss ich, dass das Volk keineswegs so dumm ist, wie die Einschaltquotenfetischisten glauben. Mein Eindruck ist eher, dass die Menschen spüren, wie das Feld des politischen Mitdenkens, Mitredens und Mitwirkens zwischen den zusammenrückenden Fronten aus Administration und Showbusiness immer schmaler wird.
Leicht und anmutig, mit niedlich gerümpfter Nase segelt es sich auf den Schwingen des Zynismus hoch oben über dem politischen Geschehen.
Juli Zeh verweist auf das Beispiel von Charlotte Roche, "ihres Zeichens Fernsehmoderatorin und Schriftstellering", die Bundespräsident Wulff öffentlich Sex angeboten hat, wenn er das Gesetz zur Verlängerung der Atomkraft nicht unterzeichne:
Das ist der Gipfel von Politikverachtung und Selbstverachtung. Die totale Erniedrigung vor dem Aufmerksamkeitsapparat. Die endgültige Vereinigung von Politik nd Spektakel in der Person einer zeitgenössischen Autorin.
Ich weigere mich anzunehmen, dass wir uns ausgrechnet jetzt, auf dem Höhepunkt von Demokratie, Aufklärung und Frieden, in eine Gesellschaft aus unmündigen, event- und entertainmentsüchtigen Schein-Bürgern verwandeln, in eine von ihren Dompteuren dressierte Kuhherde, die täglich mundgerechte Happen Brot und Spiele wiederkäut.
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Der Text im heutigen Tagi ist die Kurzfassung eines Referats, das Juli Zeh am 27. November an der 24. Tübinger Poetik-Dozentur unter dem Titel "Aufgedrängte Bereicherung" gehalten hat. (ebenfalls bisher noch nicht online verfügbar). Der Text soll aber laut Tagi im nächsten Frühling im Swirdoff-Verlag veröffentlicht werden.
Online gibt's einen anderen spannenden Zeh-Text zum Thema hier: "Juli Zeh - eine Rede ... über die Bedeutung und Funktion der Literatur im politischen Kontext".
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Samstag, 18. Dezember 2010
Leuchtturm 1: Vor-Weihnachtsgeschichte
Vorrede:
Häufiger schon habe ich auch hier auf Contextlink über den "Bullshit" oder das "Meer der Belanglosigkeit" gelästert, das uns täglich medial entgegendröhnt. Tatsächlich finden sich in diesem fast erstickenden Gedöns auch immer wieder Leuchttürme: Herausragendes, Intelligentes, gar Originelles und Gutgeschriebenes. Mehrfach schon habe ich mir vorgenommen, solche Leuchttürme, die ich entdecke, anzuleuchten und zu multiplizieren. Dieser Post soll jetzt also ein Anfang ein. Mal sehen, ob ich die Energie habe, daraus eine Serie werden zu lassen.
Zu den regelmässigen Leuchtturm-Lieferanten gehört "Die Zeit". In ihrer aktuellen Print-Ausgabe gibt's einmal mehr gleich mehrere. Wirklich genossen habe ich den Artikel "Jesus und sein Bruder Christus", indem "Die Zeit" Auszüge aus dem im kommenden Februar beim Fischer Verlag erscheinenden Buch "Der Gute Herr Jesus und der Schurke Christus" des englischen Autors Philip Pullman veröffentlicht. Eine wunderbare Vor-Weihnachtsgeschichte, ein echter "Leuchtturm". Nicht nur originell, auch gut geschrieben und - hier speziell- wunderbar blasphemisch. Hier der erste Abschnitt (den ganzen Artikel gibt' leider - noch???- nicht online):
Dies ist die Geschichte von Jesus und seinem Bruder Christus: wie die beide geboren wurden, wie sie lebten und wie einer von ihnen starb. Der Tod des andern gehört nicht zur Geschichte.
Zu jener Zeit war Maria sechzehn Jahre alt, und Joseph hatte sie nie berührt. Eines Abends hörte sie ein Flüstern am Fenster. "Ich bin ein Engel. Lass mich zu dir, und ich verrate dir ein Geheimnis." Sie öffnete das Fenster und liess den Engel eintreten. Um sie nicht zu erschrecken, hatte er die Gestalt eines jungen Mannes angenommen. "Du wirst ein Kind empfangen", sagte der Engel. - "Aber mein Ehemann ist fort", sagte Maria. - "Ja, der Herr hat mich geschickt. Maria, du bist gebenedeit unter den Frauen, dass dir das widerfahren soll." Und in dieser Nacht wurde Maria schwanger.
Als Joseph von seiner Arbeitsreise nach Hause kam, war er über alle Massen empört, dass seine Frau ein Kind erwartete. Er warf sich zu Boden und weinte. "Herr!", klagte er. "Ich hätte besser auf sie aufpassen müssen." Auch Maria weinte. "Ich habe nichts getan. Zu mir ist ein Engel gekommen, weil Gott wollte, dass ich ein Kind empfange." Joseph war ratlos. Falls es wirklich Gottes Wille gewesen sein sollte, dann war es nun seine Pflicht, sich um Maria und das Kind zu kümmern. Einen schlechten Eindruck machte er trotzdem.
Und weil's mir so gut gefällt, gleich noch ein Ausschnitt: Pullmans Buch erzählt also auch die Geschichte von Jesus' Bruder, Christus. Eines Tages ging Christus mit einer Prostituierten ins Bett, "mit denen sich Jesus gern umgab":
Der geschäftliche Teil war schnell abgewickelt, aber danach fühlte sich Christus verpflichtet, ihr zu erklären, wieso er ihre Einladung angenommen hatte.
"Mein Bruder vertritt die These, dass den Sündern eher vergeben wird als den Gerechten", sagte er. "Vielleicht habe ich bisher nicht genug gesündigt."
Wunderbar. Und irgendwie afrikanisch.
Häufiger schon habe ich auch hier auf Contextlink über den "Bullshit" oder das "Meer der Belanglosigkeit" gelästert, das uns täglich medial entgegendröhnt. Tatsächlich finden sich in diesem fast erstickenden Gedöns auch immer wieder Leuchttürme: Herausragendes, Intelligentes, gar Originelles und Gutgeschriebenes. Mehrfach schon habe ich mir vorgenommen, solche Leuchttürme, die ich entdecke, anzuleuchten und zu multiplizieren. Dieser Post soll jetzt also ein Anfang ein. Mal sehen, ob ich die Energie habe, daraus eine Serie werden zu lassen.
Zu den regelmässigen Leuchtturm-Lieferanten gehört "Die Zeit". In ihrer aktuellen Print-Ausgabe gibt's einmal mehr gleich mehrere. Wirklich genossen habe ich den Artikel "Jesus und sein Bruder Christus", indem "Die Zeit" Auszüge aus dem im kommenden Februar beim Fischer Verlag erscheinenden Buch "Der Gute Herr Jesus und der Schurke Christus" des englischen Autors Philip Pullman veröffentlicht. Eine wunderbare Vor-Weihnachtsgeschichte, ein echter "Leuchtturm". Nicht nur originell, auch gut geschrieben und - hier speziell- wunderbar blasphemisch. Hier der erste Abschnitt (den ganzen Artikel gibt' leider - noch???- nicht online):
Dies ist die Geschichte von Jesus und seinem Bruder Christus: wie die beide geboren wurden, wie sie lebten und wie einer von ihnen starb. Der Tod des andern gehört nicht zur Geschichte.
Zu jener Zeit war Maria sechzehn Jahre alt, und Joseph hatte sie nie berührt. Eines Abends hörte sie ein Flüstern am Fenster. "Ich bin ein Engel. Lass mich zu dir, und ich verrate dir ein Geheimnis." Sie öffnete das Fenster und liess den Engel eintreten. Um sie nicht zu erschrecken, hatte er die Gestalt eines jungen Mannes angenommen. "Du wirst ein Kind empfangen", sagte der Engel. - "Aber mein Ehemann ist fort", sagte Maria. - "Ja, der Herr hat mich geschickt. Maria, du bist gebenedeit unter den Frauen, dass dir das widerfahren soll." Und in dieser Nacht wurde Maria schwanger.
Als Joseph von seiner Arbeitsreise nach Hause kam, war er über alle Massen empört, dass seine Frau ein Kind erwartete. Er warf sich zu Boden und weinte. "Herr!", klagte er. "Ich hätte besser auf sie aufpassen müssen." Auch Maria weinte. "Ich habe nichts getan. Zu mir ist ein Engel gekommen, weil Gott wollte, dass ich ein Kind empfange." Joseph war ratlos. Falls es wirklich Gottes Wille gewesen sein sollte, dann war es nun seine Pflicht, sich um Maria und das Kind zu kümmern. Einen schlechten Eindruck machte er trotzdem.
Und weil's mir so gut gefällt, gleich noch ein Ausschnitt: Pullmans Buch erzählt also auch die Geschichte von Jesus' Bruder, Christus. Eines Tages ging Christus mit einer Prostituierten ins Bett, "mit denen sich Jesus gern umgab":
Der geschäftliche Teil war schnell abgewickelt, aber danach fühlte sich Christus verpflichtet, ihr zu erklären, wieso er ihre Einladung angenommen hatte.
"Mein Bruder vertritt die These, dass den Sündern eher vergeben wird als den Gerechten", sagte er. "Vielleicht habe ich bisher nicht genug gesündigt."
Wunderbar. Und irgendwie afrikanisch.
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