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| Landwirtschaft Südsudan (Bild: Gurtong.net) |
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Dienstag, 11. Oktober 2011
Süd-Sudan: Ausverkauf der Zukunft?
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Mittwoch, 8. September 2010
Weltwirtschaftskrise: Den höchsten Preis bezahlen - natürlich - die Entwicklungsländer
Sie haben die Weltwirtschaftskrise (Finanzmarktkrise) nicht verursacht, aber sie bezahlen - natürlich, wiedereinmal - den höchsten Preis: Die ärmsten Länder dieser Welt. Eine Studie der grossen britischen NGO Oxfam zeigt, welch verheerenden Löcher die vom Westen verursachte Finanz- und Wirtschaftskrise in den Hauhsalten der 56 ärmsten Länder des Südens gerissen hat: 65 Milliarden USDollar Mindereinnahmen. Dies entspricht einem Rückgang der Staatseinnahmen dieser Läner um 60%. (siehe auch Artikel "Blog Steuergerechtigkeit").
Gemäss der Oxfam-Studie haben die betroffenen Länder 2009 zunächst versucht, mit antizyklischen Ausgabensteigerungen gegenzusteuern, insbesondere im Bereich der Armutsbekämpfung. Aber jetzt seien diese Staaten gezwungen, die Ausgaben für dieses Jahr drastisch zu verringern. Betroffen sind dabei insbesondere auch die für die ärmsten Bevölkerungsschichten sensibelsten Bereiche Gesundheit, Bildung und Grundnahrungsmittel.
Welche gravierenden, auch politischen Auswirkungen das haben kann, hat eben das Beispiel Mocambique gezeigt. Dort musste heute die Regierung die Mitte August beschlossenen Verteuerungen für Energie, Wasser und vor allem für Brot zurücknehmen. Tausende von wütenden Menschen gingen in den Armenvierteln Maputos auf die Strasse ("Aufstand der Armen"), um sich gegen die Erhöhung der Preise auf Grundnahringsmittel zu wehren. Die Polizei liess scharf auf die Demonstarnten schiessen. Es gab 7 Tote.
Übrigens: Der grosse Erfolg der Mobilisierung der Menschen für die "Brotkrawalle" in Mosambik wird dem Einsatz von SMS zugeschrieben:
Das Mobiltelefon ist in den Entwicklungsländern inzwischen das mit Abstand wichtigste Kommunikationsmittel. Die Telefone sind sehr billig, und praktisch alle Menschen, auch die sehr armen, verfügen über ein Handy.
Im Vorfeld der Uuruhen haben praktisch alle Telefonbesitzer in Mapto/Mosambik ein anonymes SMS erhalten:
"Mosambikaner, macht Euch bereit am grossen Streiktag teilzunehmen. Lasst uns gegn die Erhöhung der Preise auf Energie, Wasser, Minibusse und Brot potestieren. Sednet dieses SMS weiter an andere Mosambikaner."
Gemäss der Oxfam-Studie haben die betroffenen Länder 2009 zunächst versucht, mit antizyklischen Ausgabensteigerungen gegenzusteuern, insbesondere im Bereich der Armutsbekämpfung. Aber jetzt seien diese Staaten gezwungen, die Ausgaben für dieses Jahr drastisch zu verringern. Betroffen sind dabei insbesondere auch die für die ärmsten Bevölkerungsschichten sensibelsten Bereiche Gesundheit, Bildung und Grundnahrungsmittel.
Welche gravierenden, auch politischen Auswirkungen das haben kann, hat eben das Beispiel Mocambique gezeigt. Dort musste heute die Regierung die Mitte August beschlossenen Verteuerungen für Energie, Wasser und vor allem für Brot zurücknehmen. Tausende von wütenden Menschen gingen in den Armenvierteln Maputos auf die Strasse ("Aufstand der Armen"), um sich gegen die Erhöhung der Preise auf Grundnahringsmittel zu wehren. Die Polizei liess scharf auf die Demonstarnten schiessen. Es gab 7 Tote.
Übrigens: Der grosse Erfolg der Mobilisierung der Menschen für die "Brotkrawalle" in Mosambik wird dem Einsatz von SMS zugeschrieben:
Das Mobiltelefon ist in den Entwicklungsländern inzwischen das mit Abstand wichtigste Kommunikationsmittel. Die Telefone sind sehr billig, und praktisch alle Menschen, auch die sehr armen, verfügen über ein Handy.
Im Vorfeld der Uuruhen haben praktisch alle Telefonbesitzer in Mapto/Mosambik ein anonymes SMS erhalten:
"Mosambikaner, macht Euch bereit am grossen Streiktag teilzunehmen. Lasst uns gegn die Erhöhung der Preise auf Energie, Wasser, Minibusse und Brot potestieren. Sednet dieses SMS weiter an andere Mosambikaner."
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Freitag, 14. Mai 2010
Krieg um das Wasser des Nils?
"Wer mit dem Nilwasser spielt, erklärt uns den Krieg." Schon vor mehr als 20 Jahren gab der damalige ägyptische Präsident Sadat den Staaten am Oberlauf des Nils den Tarif durch.
Jetzt könnte es soweit sein. Heute haben 4 Staaten der Nile Basin Initiative (Äthiopien, Uganda, Ruanda und Tansania; Kenia hat seine Unterstützung signalisiert) einen neuen Vertrag für die Nutzung des Wassers des Nils unterzeichnet. Gegen den Willen der mächtigen Staaten am Unterlauf, für die die Nutzung des Wasser lebenswichtig ist: Sudan und Ägypten. Seit Tagen hatte vor allem Ägypten heftig gegen den Vertrag gekämpft.
Jetzt könnte es soweit sein. Heute haben 4 Staaten der Nile Basin Initiative (Äthiopien, Uganda, Ruanda und Tansania; Kenia hat seine Unterstützung signalisiert) einen neuen Vertrag für die Nutzung des Wassers des Nils unterzeichnet. Gegen den Willen der mächtigen Staaten am Unterlauf, für die die Nutzung des Wasser lebenswichtig ist: Sudan und Ägypten. Seit Tagen hatte vor allem Ägypten heftig gegen den Vertrag gekämpft.
Jahrtausendelang war die Nutzung des Wassers durch die Menschen im grossen Gebiet der Nilquellen vernachlässigbar. Doch heute machen die Staaten im Quellgebiet der Grossen Seen in Zentralafrika (Kongo, Uganda, Ruanda, Tansania, Kenia) und am Oberlauf (Äthiopien) einen viel grösseren Eigenbedarf geltend. Offiziell sind das die wichtigstens Gründe:
- zunehmenden Industrialisierung
- Modernisierung (Elektrizität)
- Bevölkungsexplosion, welche den
- Bedarf an Nahrungsmitteln massiv erhöhte hat und
- Erwärmung des Klimas und Trockenheit
Nicht nur für die Landwirtschaft (Bewässerung) brauchen die Länder heute viel mehr Wasser, sondern auch für die Energieproduktion.
Es gibt Pläne für grosse Staudämme vor allem in Äthiopien. Dabei geht es in Äthiopien (86% des Nilabflusses, der Ägypten erreicht, stammt von der äthiopischen Hochebene) nicht nur um den Eigengebrauch, sondern auch um Geld:
Wasser ist ein knappes Gut, weltweit. "Die Araber verkaufen ihr Oel für teures Geld, warum sollen wir ihnen unser Wasser gratis geben?" fragen die Äthiopier inoffiziell, wie Mohammed Vall im Al Jazeera- Video berichtet:
Es droht eine heikle politische Auseinandersetzung. Von Krieg war aber bisher noch nicht die Rede. Tatsächlich müssen die Ägypter vorsichtig sein, denn die Staaten am Oberlauf haben auch heimliche Verbündete im arabischen Raum: Seit einigen Jahren kaufen insbesondere die Wüstenstaaten der arabischen Halbinsel riesige Flächen Land unter anderem in Äthiopien, um Nahrungsmittel für ihren Heimmarkt zu produzieren. Mit dem Land kaufen sie auch die Wassernutzung.
Sie sind ebenfalls auf die zunehmende Bewässerung ihrer Ländereien am Oberlauf des Nils und die Energie aus der Wasserkraft angewiesen.
Sie sind ebenfalls auf die zunehmende Bewässerung ihrer Ländereien am Oberlauf des Nils und die Energie aus der Wasserkraft angewiesen.
Donnerstag, 4. März 2010
"Wir werfen unsere Zukunft weg." UP-DATE
UP-DATE am Schluss des Artikels.Schon lange nichts mehr über Cradle to Cradle gehört! Jetzt gibt's einen neuen Film des WDR darüber. Leider ohne Embedding-Code, aber hier kann man ihn ansehen: http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=3817370
Ich bin immer noch verblüfft: Das Prinzip ist so schlagend logisch. Ich kann einfach nicht verstehen, warum sich Cradle to Cradle nicht schon längst durchgesetzt hat. Wo mag bloss der Haken sein?
Wie schon der alte holländische Film "Abfall ist Nahrung" stellt auch der WDR-Film Firmen vor, die nicht aus grünem Idealismus nach dem Cradle to Cradle-Prinzip produzieren, sondern aus kommerzieller Ueberlegung: Günstiger produzieren, einen Wettbewerbsvorteil haben. "Es ist gut für das Gewissen, aber vor allem gut fürs Geschäft", sagt der Repräsentant des Elektronikherstellers Philips, zufrieden grinsend in dem Film.
Mit fast allen Produkten, die wir nach Gebrauch wegschmeissen, werfen wir auch teils sehr wertvolle Rohstoffe fort. Viele dieser Rohstoffe (z.B. Oel, Kupfer, Coltan, usw.) sind endlich. Sie werden knapp und immer teurer. Dabei könnten wir sie wieder verwenden:
"Abfälle sind Ressourcen." Wer schon bei der Herstellung von Gütern, Materialien verwendet, die zu 100 Prozent ohne Wertverlust wiederverwertbar sind, kann auf die Länge billiger produzieren, weil er nicht ständig neue Rohstoffe kaufen muss.
"Die Produzenten werden zu Ressourcenbanken", sagt der Cradle to Cradle-Erfinder Michael Braungart. "Je mehr die Firmen herstellen, desto reicher werden sie."
Und wer käme schon auf die Idee, diese kommerziell und ökologisch so wertvollen Ressourcen wegzuschmeissen? Wenn wir diese Ressourcen - wie wir das heute tun - einfach wegschmeissen oder im besten Fall verbrennen, "werfen wir unsere Zukunft weg".
UP-DATE:
Habe inzwischen etwas weiter gesurft im Netz und musste lernen, dass da schon mehr gegangen ist, als ich als Durchschnittskonsument mitbekommen habe: Auf der Homepage von Braungart's Cradle to Cradle - Firma EPEA habe ich gelesen, dass der bisherige EPEA-Geschäftsführer, der Schweizer Albin Kälin, inzwischen in der Schweiz eine EPEA Switzerland - Filiale aufgemacht hat. Seit Januar betreut er jetzt ganz gezielt die Schweiz und Oesterreich mit bereist 12 Mitarbeitern von Bäch/SZ aus, hat er mir eben am Telefon erzählt. Und auf der EPEA Switzerland Homepage sehe ich, dass inzwischen sogar das NZZ-Folio und das Schweizer Fernsehen (im vergangenen Oktober) Cradle to Cradle entdeckt haben. Und natürlich auch Albin Kälin:
... à suivre ....
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Mittwoch, 18. November 2009
Landraub und Nahrungsmittelsicherheit
Cartoon Damien Glez für Afronline in farmlandgrab.orgHeute geht ein ohnmächtiger Weltgipfel für Nahrungsmittelsicherheit in Rom zu Ende: Nur am Rande ein Thema war dabei das zur Zeit wohl relevanteste Thema unserer globalisierten Welt überhaupt: Landraub - reiche Staaten und westliche Spekulanten ("Investoren") kaufen das landwirtschaftlich nutzbare Land (inkl. Wasser) armer Staaten auf. Die produzierten Güter werden exportiert und -- die Nahrungsmittelpreise steigen, so dass die Nahrungsmittel gerade für die Bewohner armer, landverkaufender Länder unerschwinglich wird. (Contextlink hat schon mehrfach darüber berichtet).
Al-Jazeera fasst die Thematik in dem Video nocheinmal zusammen:
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Freitag, 17. Juli 2009
Das neue Objekt der Begierde: Land.
,
Bild: Künstliche Bewässerung in der Wüste Saudiarabiens
Shonda Warner ist ein Produkt der Wallstreet. Die 45-Jährige ist die Protagonistin eines hervorragenden Artikels des US-amerikanischen Wirtschaftsmagazins FORTUNE mit dem Titel "Betting the Farm".
Frau Warner (im Bild links; Fortune) machte früher gutes Geld im Finanzbusiness. Als Derivathändlerin und Führungskraft im Hedgefonds-Business. Jetzt geschäftet sie zu Hause im ländlichen Kansas. Sie tut zwar noch immer das, was sie am besten kann: Spekulieren. Ihr Spekulationsobjekt ist aber nicht mehr virtuelles Geld, sondern ein sehr konkretes Gut: Land. Landwirtschaftsland. Farmen.
Shonda Warner betreibt eine Investment-Firma. Das heisst, reiche Leute, Firmen, Pensionskassenfonds, etc. geben ihr viel Geld, mit welchem sie - eben - Land kauft. Genauer: Sie kauft relativ billiges Farmland und vermietet es am Bauern. Ihren Investoren bietet die Spekulantin eine jährliche Rendite von 13 – 16 %, etwa 4% davon kommen aus den Ernteeinnahmen, 8% aus dem gesteigerten Landwert und der Rest aus dem Spekulationsgeschäft mit dem Land, welches sie nach den „bewährten“ Methoden des Hedgefund-Businesses anlegt.
„Landwirtschaftsland“, sagt der amerikanische Rohstoffguru Jim Rogers in der Fortune-Geschichte, „wird eines der besten Investitionsgüter unserer Zeit sein.“
Die sehr freundliche und sehr smarte Frau Warner kann man auch in einem Fortune-Video kennenlernen:
Fortune porträtiert zwei weiter Finanzfachleute, die gross ins neue Land-Business eingestiegen sind. Sie vermarkten Landwirtschaftsflächen ausserhalb der USA, in der Dritten Welt: Der frühere Wallstreet-Banker und Rohstoffhändler Phil Heilberg (44) spekuliert mit Land im vom Bürgerkrieg zerrütteten Sudan,
Lord Jacob Rothschild (73), Spross des alten, jüdisch-deutsch-britischen Bankhauses Rothschild, verkauft seinen Investoren die Hoffnung auf grosse Gewinne mit Landwirtschaftsland in Brasilien (Bild rechts: Soja in Brasilien. Foto: grain.org).
Land als reales Gut
Land ist das neue Objekt der Begierde. Immerhin erhalten Investoren damit einen realen Wert. Wenn er sehe, wie „Regierungen heute Geld drucken, so schnell sie können, Anleihen tätigen so viel sie können und Firmen retten, die 'Weisse Elephanten' sind", zitiert Fortune den Banker Rothschild, „dann ist es gescheit, auf einen harten Wert wie Land zu setzen.“
Regeln des Spekulations-Markts
Im neuen Land-Spekulationsgeschäft gelten die alten Regeln des heiligen (Finanz-)Marktes: Angebot und Nachfrage:
Land ist - und wird es zusehends mehr - ein knappes Gut. 1960 verfügte die Erde gemäss den Daten der UNO (FAO) über 1,1 Morgen (1 Acre ≈ 4046 m²) bebaubares Land pro Kopf der Bevölkerung. Im Jahr 2000 waren es noch 0,6 Morgen. Und in den nächsten 40 Jahren soll die Weltbevölkerung von heute gut 6 auf 9 Milliarden Esser anwachsen.
Weil der Bedarf an hochwertigen Nahrungsmitteln und nicht zuletzt der Bedarf an Anbau-intensiven Nahrungsmitteln rasch weiter wachsen wird, weil zum Beispiel immer mehr Chinesen bald ähnlich viel Fleisch konsumieren wollen wie wir Westler, wird der Bedarf an Landwirtschaftsland noch viel stärker zunehmen. Kommt dazu, dass wegen der Klimaerwärmung viel heute noch bebaubares Land verwüsten und unfruchtbar werden wird.
Das alles heisst: Die Preise für Nahrungsmittel werden steigen. Für die Konsumenten insbesondere in ärmeren Ländern eine Katastrophe, für die Landbesitzer, respektive die Investoren ein Segen.
Landgrab
Kein Wunder findet zur Zeit ein eigentlicher Wettlauf um Land statt. Englisch heisst das Phänomen "Landgrab", übersetzt auf deutsch etwa "das-sich-Land-unter-den-Nagel-reissen". Das der UNO (genau der FAO, der Landwirtschaftsorganisation der UNO) nahestehende International Food Policy Research Institute (IFPR) hat letztes Jahr eine eindrückliche Bestandesaufnahme des Phänomens gemacht und in einer interaktiven Karte dargestellt:
(Hervorragende, ausführliche Hintergründe gibt es in der Studie der IISD "A Thirst for Distant Lands". Mehrere spezialisierte Organisationen und Webpages berichten ausführlich und sehr engagiert über die Thematik: grain.org, farmlandgrab.org oder landcoalition.org).
Grossinvestoren aus dem Ausland
Nicht nur private Spekulanten, Banken und Pensionskassen investieren grosse Summen in Land, sondern nicht zuletzt auch Grossfirmen wie die Koreanische Daewoo, die versucht hat, halb Madagaskar aufzukaufen. Zu den grössten Landkäufern insbesondere in Afrika - (eine ausführliche Studie zum Thema Landgrab in Afrika gibt es hier.) - gehören die Staaten am Arabischen Golf. Saudiarabien hat 2008 seine jahrelangen, extrem teuren Bemühungen aufgegeben, auf künstlich bewässerten Wüstenflächen (siehe Top-Bild) mehr Nahrungsmittel im eigenen Land zu produzieren, und kauft inzwischen unter anderem im Sudan riesige Agrarflächen auf.
Chance und Bedrohung
Natürlich stellt dieser "Landhunger" für Länder der Dritten Welt auch eine Chance dar. Plötzlich ist ihr bisher "wertloser" Boden viel Geld wert. Doch die wenigsten "unterentwickelten" Staaten sind so aufgestellt, dass sie die Chance im Sinne des Landes und seiner Bevölkerung nutzen können. Die Verlockung für die aktuellen Machthaber, die neue Geldquelle für die persönliche Bereicherung zu sichern, scheint zu gross und die staatlichen Strukturen und Prozesse zur Bewältigung des Problems sind zu schwach. (Siehe "Thirst for Distant Land").
Die FAO hat denn auch schon heftig vor einer aufziehenden Katastrophe gewarnt. FAO-Direktor Jacques Diouf (Bild rechts) spricht von "Neo-Kolonialismus".
Agrar-Hilfe G-8
Welch dramatische Bedeutung die Problematik Land/Nahrungsmittelsicherheit inzwischen hat, hat eben der Gipfel der mächtigsten Industrienationen in L'Aquila (Italien) unterstrichen: Im Kampf gegen Hunger und Armut wollen die G-8 die Landwirtschaft in den Entwicklungsländern in den kommenden drei Jahren mit 20 Milliarden Dollar unterstützen.
Offenbar hat sich insbesondere US-Präsident Barack Obama dafür stark gemacht, dass die Industriestaaten " bildhaft gesprochen", wie die Frankfurter Allgemeine schreibt, "keinen Weizen zur Bekämpfung des Hungers liefern, sondern Saatgut und Pflüge, die die Menschen zur Eigenversorgung in die Lage versetzen."
Was gut tönt, könnte auch ein Alarmsignal sein: Die FAO hat denn auch prompt gewarnt, trotz dieser - bisher bloss versprochenen - Milliardenhilfe seien die Länder in Afrika, noch länger auf direkte Nahrungsmittelhilfe angewiesen.
Insbesondere wird mit der versprochenen Hilfe das Hauptproblem nicht gelöst: Solange die Industrieländer ihre eigenen Landwirtschaften mit Milliarden subventionieren und damit ihren Bauern erlauben, die Märkte in Afrika mit künstlich verbilligten Produkten zu überschwemmen, werden die afrikanischen Bauern unter dem strengen Regime der Auflagen des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank nicht einmal auf den Märkten im eigenen Land konkurrenzfähig sein. (Viel sehr kritisches Material dazu u.a. bei ATTAC hier.)
Bild: Künstliche Bewässerung in der Wüste SaudiarabiensShonda Warner ist ein Produkt der Wallstreet. Die 45-Jährige ist die Protagonistin eines hervorragenden Artikels des US-amerikanischen Wirtschaftsmagazins FORTUNE mit dem Titel "Betting the Farm".
Frau Warner (im Bild links; Fortune) machte früher gutes Geld im Finanzbusiness. Als Derivathändlerin und Führungskraft im Hedgefonds-Business. Jetzt geschäftet sie zu Hause im ländlichen Kansas. Sie tut zwar noch immer das, was sie am besten kann: Spekulieren. Ihr Spekulationsobjekt ist aber nicht mehr virtuelles Geld, sondern ein sehr konkretes Gut: Land. Landwirtschaftsland. Farmen.Shonda Warner betreibt eine Investment-Firma. Das heisst, reiche Leute, Firmen, Pensionskassenfonds, etc. geben ihr viel Geld, mit welchem sie - eben - Land kauft. Genauer: Sie kauft relativ billiges Farmland und vermietet es am Bauern. Ihren Investoren bietet die Spekulantin eine jährliche Rendite von 13 – 16 %, etwa 4% davon kommen aus den Ernteeinnahmen, 8% aus dem gesteigerten Landwert und der Rest aus dem Spekulationsgeschäft mit dem Land, welches sie nach den „bewährten“ Methoden des Hedgefund-Businesses anlegt.
„Landwirtschaftsland“, sagt der amerikanische Rohstoffguru Jim Rogers in der Fortune-Geschichte, „wird eines der besten Investitionsgüter unserer Zeit sein.“
Die sehr freundliche und sehr smarte Frau Warner kann man auch in einem Fortune-Video kennenlernen:
Fortune porträtiert zwei weiter Finanzfachleute, die gross ins neue Land-Business eingestiegen sind. Sie vermarkten Landwirtschaftsflächen ausserhalb der USA, in der Dritten Welt: Der frühere Wallstreet-Banker und Rohstoffhändler Phil Heilberg (44) spekuliert mit Land im vom Bürgerkrieg zerrütteten Sudan,
Lord Jacob Rothschild (73), Spross des alten, jüdisch-deutsch-britischen Bankhauses Rothschild, verkauft seinen Investoren die Hoffnung auf grosse Gewinne mit Landwirtschaftsland in Brasilien (Bild rechts: Soja in Brasilien. Foto: grain.org).Land als reales Gut
Land ist das neue Objekt der Begierde. Immerhin erhalten Investoren damit einen realen Wert. Wenn er sehe, wie „Regierungen heute Geld drucken, so schnell sie können, Anleihen tätigen so viel sie können und Firmen retten, die 'Weisse Elephanten' sind", zitiert Fortune den Banker Rothschild, „dann ist es gescheit, auf einen harten Wert wie Land zu setzen.“
Regeln des Spekulations-Markts
Im neuen Land-Spekulationsgeschäft gelten die alten Regeln des heiligen (Finanz-)Marktes: Angebot und Nachfrage:
Land ist - und wird es zusehends mehr - ein knappes Gut. 1960 verfügte die Erde gemäss den Daten der UNO (FAO) über 1,1 Morgen (1 Acre ≈ 4046 m²) bebaubares Land pro Kopf der Bevölkerung. Im Jahr 2000 waren es noch 0,6 Morgen. Und in den nächsten 40 Jahren soll die Weltbevölkerung von heute gut 6 auf 9 Milliarden Esser anwachsen.
Weil der Bedarf an hochwertigen Nahrungsmitteln und nicht zuletzt der Bedarf an Anbau-intensiven Nahrungsmitteln rasch weiter wachsen wird, weil zum Beispiel immer mehr Chinesen bald ähnlich viel Fleisch konsumieren wollen wie wir Westler, wird der Bedarf an Landwirtschaftsland noch viel stärker zunehmen. Kommt dazu, dass wegen der Klimaerwärmung viel heute noch bebaubares Land verwüsten und unfruchtbar werden wird.Das alles heisst: Die Preise für Nahrungsmittel werden steigen. Für die Konsumenten insbesondere in ärmeren Ländern eine Katastrophe, für die Landbesitzer, respektive die Investoren ein Segen.
Landgrab
Kein Wunder findet zur Zeit ein eigentlicher Wettlauf um Land statt. Englisch heisst das Phänomen "Landgrab", übersetzt auf deutsch etwa "das-sich-Land-unter-den-Nagel-reissen". Das der UNO (genau der FAO, der Landwirtschaftsorganisation der UNO) nahestehende International Food Policy Research Institute (IFPR) hat letztes Jahr eine eindrückliche Bestandesaufnahme des Phänomens gemacht und in einer interaktiven Karte dargestellt:
(Hervorragende, ausführliche Hintergründe gibt es in der Studie der IISD "A Thirst for Distant Lands". Mehrere spezialisierte Organisationen und Webpages berichten ausführlich und sehr engagiert über die Thematik: grain.org, farmlandgrab.org oder landcoalition.org).Grossinvestoren aus dem Ausland
Nicht nur private Spekulanten, Banken und Pensionskassen investieren grosse Summen in Land, sondern nicht zuletzt auch Grossfirmen wie die Koreanische Daewoo, die versucht hat, halb Madagaskar aufzukaufen. Zu den grössten Landkäufern insbesondere in Afrika - (eine ausführliche Studie zum Thema Landgrab in Afrika gibt es hier.) - gehören die Staaten am Arabischen Golf. Saudiarabien hat 2008 seine jahrelangen, extrem teuren Bemühungen aufgegeben, auf künstlich bewässerten Wüstenflächen (siehe Top-Bild) mehr Nahrungsmittel im eigenen Land zu produzieren, und kauft inzwischen unter anderem im Sudan riesige Agrarflächen auf.
Chance und Bedrohung
Natürlich stellt dieser "Landhunger" für Länder der Dritten Welt auch eine Chance dar. Plötzlich ist ihr bisher "wertloser" Boden viel Geld wert. Doch die wenigsten "unterentwickelten" Staaten sind so aufgestellt, dass sie die Chance im Sinne des Landes und seiner Bevölkerung nutzen können. Die Verlockung für die aktuellen Machthaber, die neue Geldquelle für die persönliche Bereicherung zu sichern, scheint zu gross und die staatlichen Strukturen und Prozesse zur Bewältigung des Problems sind zu schwach. (Siehe "Thirst for Distant Land").
Die FAO hat denn auch schon heftig vor einer aufziehenden Katastrophe gewarnt. FAO-Direktor Jacques Diouf (Bild rechts) spricht von "Neo-Kolonialismus".Agrar-Hilfe G-8
Welch dramatische Bedeutung die Problematik Land/Nahrungsmittelsicherheit inzwischen hat, hat eben der Gipfel der mächtigsten Industrienationen in L'Aquila (Italien) unterstrichen: Im Kampf gegen Hunger und Armut wollen die G-8 die Landwirtschaft in den Entwicklungsländern in den kommenden drei Jahren mit 20 Milliarden Dollar unterstützen.
Offenbar hat sich insbesondere US-Präsident Barack Obama dafür stark gemacht, dass die Industriestaaten " bildhaft gesprochen", wie die Frankfurter Allgemeine schreibt, "keinen Weizen zur Bekämpfung des Hungers liefern, sondern Saatgut und Pflüge, die die Menschen zur Eigenversorgung in die Lage versetzen."Was gut tönt, könnte auch ein Alarmsignal sein: Die FAO hat denn auch prompt gewarnt, trotz dieser - bisher bloss versprochenen - Milliardenhilfe seien die Länder in Afrika, noch länger auf direkte Nahrungsmittelhilfe angewiesen.
Insbesondere wird mit der versprochenen Hilfe das Hauptproblem nicht gelöst: Solange die Industrieländer ihre eigenen Landwirtschaften mit Milliarden subventionieren und damit ihren Bauern erlauben, die Märkte in Afrika mit künstlich verbilligten Produkten zu überschwemmen, werden die afrikanischen Bauern unter dem strengen Regime der Auflagen des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank nicht einmal auf den Märkten im eigenen Land konkurrenzfähig sein. (Viel sehr kritisches Material dazu u.a. bei ATTAC hier.)
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Freitag, 4. Juli 2008
Geheimbericht Bio Fuel

Das ist sicher die relevanteste News der letzten Tag: Schuld an den dramatischen Preissteigerungen der Nahrungsmittel in den letzten Monate ist zu 75% die Produktion von "Bio-Treibstoff".
Zu diesem Schluss kommt eine seit April vorliegende, aber bisher nicht veröffentlichte Studie der Weltbank, welche der "Guardian" gestern public gemacht hat:
http://www.guardian.co.uk/environment/2008/jul/03/biofuels.renewableenergy
Die Studie birgt eine Menge politischen Sprengstoff. Denn der enorme Anstieg der Preise für Nahrungsmittel, der in vielen Staaten zu Hungerkrisen geführt hat, ist im Wesentlichen auf die massenhafte Produktion von Biokraftstoff zurückzuführen. So das Fazit einer bislang geheim gehaltenen Studie der Weltbank, die der britischen Zeitung "The Guardian" vorliegt. Bis zu 75 Prozent der Preissteigerungen sind demnach auf den Verbrauch von Agrarprodukten und -flächen für die Herstellung von sogenanntem Biodiesel zurückzuführen.
Brisant ist nicht nur der Inhalt, sondern auch die verzögerte Veröffentlichung. Der Verdacht liegt auf der Hand, dass die Weltbank den bericht bisher zurückgehalten hat, um ihren wichtigsten partner USA zu schonen. Bekanntlich subventioniert die USA den Anbau von Bio-Treibstoff durch ihre bauern massiv. Mehrfach hat die Regierung Bush die Schuld für die gestiegenen Nahrungsmittelpreis den sogenannten Schwellenländern zugewiesen und deren gesteigerten Bedarf. Dies hat sich jetzt als unständg-falsche Schuldzuweisung erwiesen.
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Dienstag, 17. Juni 2008
Spiegel TV: "Die globale Hungerkrise"
Spannende Spiegel-TV-Dokumentation über die globale Hungerkrise.
www.spiegel.de/video/video-31523.html
www.spiegel.de/video/video-31522.html
www.spiegel.de/video/video-31522.html
www.spiegel.de/video/video-31523.html
www.spiegel.de/video/video-31522.html
www.spiegel.de/video/video-31522.html
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