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Mittwoch, 21. Juli 2010

China kassiert Aids-Hilfsgelder auf Kosten Afrikas

Bild: chinadaily.com.cn

Foreign Policy präsentiert eine schier unglaubliche Story: "China's Billion-Dollar Aid Appetite."

Autor des  Artikels ist Jack C. Chow, der als Botschafter der USA massgeblich an der Einrichtung des Global Funds (Der globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria ist eine UNO-nahe Organisation) mitgearbeitet hat. "Wir hatten uns natürlich vorgestellt", schreibt Chow, "dass der Grossteil des Geldes in Länder wie Lesotho, Haiti oder Uganda gehen werde, wo diese drei Krankheiten (Aids, Tuberkulose, Malaria) einen Krisen-Stand erreicht haben. Es dürfte Sie jetzt wohl überrraschen und - wie mich auch - betroffen machen zu erfahren, dass einer der Topempfänger nicht ein Land in Afrika, Lateinamerika oder im verarmten Zentralasien ist. Es ist ein Land mit Währungsreserven von 2,5 Billionen US Dollar: China."

China hat in den letzten Jahren  gemäss Chow 1 Milliarde US-Dollar an Hilfsgeldern vom Global Fund erhalten und ist damit der 4.-grösste Nutzniesser der Welt (hinter Äthiopien, Indien und Tansania).
Wie absurd diese Situation ist und wie unverfroren die Chinesen sind, wird deutlich, wenn man in Betracht zieht, dass China 2008 in seinem  Riesenstimulierungsprogramm für seine Wirtschaft allein 27 Milliarden USDollar für den Gesundheitsbereich bereit stellen konnte.

Wütend ergänzt Chow seine Enthüllung mit Zahlen zur Malaria: China habe in den 8 Jahren, seit es den Global Fund gibt, mehr Geld (149 Millionen US) zur Bekämpfung der Malaria erhalten als der Kongo (122 Mio). Wobei China letztes Jahr 28 Malaria-Tote registrierte und der Kongo 25'000. Nur sieben afrikanische Staaten haben mehr Geld erhalten als China. Die 29 afrikanischen Staaten, die weniger erhalten haben, verzeichneten letztes Jahr zusammen 64'000 Malaria-Tote.

Ein Milliardengeschäft für China
China muss gemäss dem Schlüssel des Global Funds jährlich 2 Millionen USDollar in den Fond einzahlen, bisher also insgesamt 16 Millionen. Zum Vergleich: die USA hat 5'500 Millionen, Fankreich 2'500 Milliarden eingezahlt. Die 16 Millionen sind nicht nur ein unständiger Klacks für China, sie sind sehr gut investiert: China erhält rund 6o-mal mehr an Hilfsgeldern zurück, als es einzahlt.

Auf Kosten Afrikas
Noch schlimmer: China plündert den Global Fond auf Kosten Afrikas. Denn die Gelder, die ins vermögende China gehen, fehlen den Ärmsten. Chow rechnet vor: Mit der Milliarde, die China bisher eingesackt hat, hätte man in den ärmsten Ländern Afrikas 67 Millionen Moskitonetze gegen Malaria verteilen können, 4,5 Millionen Tuberkulose Behandlungen durchführen oder sämtlichen Aidspatienten in Kenia (12 Millionen) die Medikamente für die Behandlung ihrer Krankheit abgeben können.

Grund: Ein Systemfehler
Die Hilfsgelder des Global Fund werden auf der Basis des Klassifizierungssystems der Weltbank verteilt.  China gehört dort nach wie vor zu den mittleren Staaten, konkurriert also bei den Hilfsgeldern mit Länder wie Bolivien (!!!), Kamerun oder Indien, die gleich eingeordnet sind. China kommt dabei ein System zugute, das wir aus der Schweiz sehr gut kennen: Wenn das Bittstellerland bereit und fähig ist, einen namhaften Betrag aus eigener Kraft zu leisten, ergänzt die Weltbank diesen bis zu einem maximalen Anteil von 65%.

Niemand protestiert aus Angst vor China
Auf den ersten Blick scheint es erstaunlich, dass nicht allen voran die ärmsten Länder lauthals gegen den Skandal protestieren. Sie tun es aber wohlweislich nicht, denn sie sind von Chinas Goodwill abhängig. Während China nämlich mit der einen Hand Geld aus dem Topf der ärmsten Länder stiehlt, unterstützt er diese mit der andern Hand mit Milliarden-Investitionen (siehe Beispiel Kongo).  Da lohnt es sich offenbar, China wegen der Hilfsgelder nicht an den Pranger zu stellen.

Und die westlichen Hauptgeldgeber des Fonds machen auch nur die Faust im Sack. Sie wollen es genauso wenig mit China verderben. Sie hoffen, dass China wenigsten bald einer substantiellen Erhöhung seiner Beiträge an den Global Fund auf 96 Milliarden USDollar (über die nächsten 3 Jahre zusammengerechnet) zustimmt.

Sonntag, 14. Februar 2010

Afrika bezahlt für Haiti


USAID, kürzt seine Hilfe für Afrika um 40%. Wegen Haiti, ganz offiziell. "Wir müssen alle verfügbaren Mittel für Haiti bereitstellen. Dies bedeutet, dass alle (andern) Region um 40% Prozent gekürzt werden." So steht's in einem offiziellen Mail an das Somalia Büro des "Office of Foreign Disaster Assistance" von USAID, welches der Blog "The Cable" von "Foreign Policy" diese Woche veröffentlicht hat.
Und ähnliche Post haben zahlreiche andere Aussenstellen von USAID z.B. in Äthiopien, Sudan oder dem Kongo erhalten. Betroffen sind insbesondere auch die vielen Hilfsorganisationen, die für Ihre Programme auf die Gelder von USAID, der „Behörde der Vereinigten Staaten für internationale Entwicklung“, angewiesen sind. "Die berauben Peter, um Paul zu bezahlen", kommentiert der Sprecher von Interaction, der Vereinigung der amerikanischen Hilfsorganisationen, Todd Shelton gegenüber "The Cable".

CRS, das Hilfswerk der Katholische Kirche der USA, hat zum Beispiel von seinem Hauptgeldgeber USAID Bescheid erhalten, sein 32-Millionen Budget für die Kongo-Hilfe 2010 müsse um 40 Prozent gekürzt werden. Betroffen sind sowohl laufende Projekte, wie auch geplante, die jetzt gar icht erst durchgeführt werden können.

Offiziell, heisst es bei USAID, gehe es nicht um eine definitive Kürzung der Hilfe für Afrika, sondern die Mittel müssten kurzfristig einfach auf Haiti umgelegt werden. "It's a hard choice", sagte die Sprecherin von USAID gegenüber "The Cable". Das US-Aussenministerium hofft, vom US-Parlament bald zusätzliche Mittel für Haiti zu erhalten, so dass die jetzt aus anderen Regionen abgezweigten Gelder wieder an ihrem ursprünglich geplanten Ort eingesetzt werden können.
Die unabhängige Hilfsorganisationen zweifeln, auch wenn das Geld bestenfalls in einigen Monaten tatsächlich gesprochen werden sollte: Es fehlt JETZT bei den Bedürftigsten im Kongo, in Somalia, im Südsudan oder im Niger oder ....

Was für USAID gilt, dürfte wohl auch für andere Hilfsorganisationen in Europa und der Schweiz gelten (leider fehlt mir die Zeit für eine entsprechene Recherche): Gelder, die eigentlich für andere Regionen eingeplant waren, werden für die Haitihilfe abgezweigt. Oder eben: Den Preis für die grossen Hilfsaktionen in Haiti bezahlen bedürftige Menschen in Ländern, die medial nicht im Fokus stehen.

Donnerstag, 4. Februar 2010

Super Bowl wichtiger als Hilfe für Haiti

Bild: NFL-Footballstar Pierre Garçon (Indianapolis Colts) mit der Flagge Haitis

Beim Super Bowl hört der Spass auf. Noch immer ist das Mitleid mit Haiti und das Geldsammeln omnipräsent hier in den USA. Aber am Sonntag ist Super Bowl, das Finale der US National-Football-League (NFL). Es gibt nichts Wichtigeres. Alle reden seit Tagen davon. Da muss das mit dem Mitleid eine Auszeit nehmen.

Seit Mittwoch sind die medizinischen Not-Evakuationsflüge (Medevac) der US-Armee für besonders schwierige medizinische Fälle aus dem Erdbebengebiet in Haiti ausgesetzt. Die Plätze für das Superbowl am Wochenende in Miami gebraucht, respektive die Planer des Grossevents wollen sicher gehen, dass es bei einem möglichen "schlimmeren Ereignis" beim Superbowl am Wochenende genügend Notfallplätze in den Spitälern Floridas gibt.

Diese Politik entlarvt den wahren Geist der Hilfskation für Haiti und die darum inszenierte "Solidarität" der "Bevölkerung". Dies wird im Übrigen auch durch eine aktuelle Umfrage in Florida unterstrichen: Eine repräsentative Mehrheit der Befragten ist gegen eine Aufweichung des Einwanderungsgesetzes, welche die vorübergende Aufnahme von Menschen aus dem Katatstrophengebiet ermöglicht hätte.

Die Unterbrechung der Medevac-Flüge zugunsten der Superbowl-Notfallplanung ist jetzt dem Präsidentenpalast so peinlich, dass ein Sprecher des Weissen Hauses heute bekanntgegebn hat, die Hilfsflüge würden wieder aufgenommen.

Die Football-League (NFL) unterstreicht gleichzeitig ihre Initiative, 2,5 Millionen für die Haiti-Hilfe zu sammeln. Und die beiden aus Haiti stammenden Superbowl-Stars Jonathan Vilma und Pierre Garçon haben ihren Besuch in Haiti NACH dem Superbowl angekündigt.

Wunderbar.