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Dienstag, 17. Februar 2009

Nabucco-Gaspipeline: Der Iran als Retter für Europa?

Der Gassstreit zwischen Russland und der Ukraine um die Jahreswende hat in aller Deutlichkeit gezeigt, wie abhängig Europa von den Lieferungen aus Russland ist. Und zwar nicht nur in den Gebieten Osteuropas, die über Weihnachten schlicht gefroren haben, weil die Russen den Gashahn zugedreht haben.

Diese Abhängigkeit - und damit verbunden auch die politische Erpressbarkeit - ist den Europäern schon länger bewusst. Seit 2002 setzten sie deshalb ihre ganze Hoffnung auf "Nabucco".
Das unter österreichischem Management geführte Gross-Projekt sah vor, eine Gas-Pipeline aus Turkmenistan durch das kaspische Meer nach Aserbeidschan und die Türkei zu führen - unter Umgehung Russlands.

Karte: Budapest Business Journal

Nabucco zuerst abgeschrieben, jetzt neu lanciert
Doch eine Vielzahl von Konkurrenzprojekten und vorallem eine grosse Unsicherheit, wer überhaupt wieviel Gas liefern würde, hat das Projekt immer wieder stocken lassen. Als sich Turkmenistan, auf dessen Gasreserven Nabucco gesetzt hatte, letztes Jahr definitiv gegen eine Partnerschaft mit Europa entschied und einen fast exklusiven Vertrag mit der russischen Gazprom abgeschlossen hat, wurde das Projekt Nabucco von den meisten Experten abgeschrieben.

Doch seit ein paar Tagen sieht es für Nabucco wieder besser aus. Offenbar ist man in Brüssel (und in Washington) angesichts der jüngsten Gaskrise mit Russland nocheinmal über die Bücher gegangen. Und plötzlich setzen die Europäer mit Unterstützung der Amerikaner wieder alles daran, das Projekt doch noch zu retten (hier die Stratfor Analyse) (und ein ausführlicher Hintergrund von "Silkroadpapers" findet sich hier).

Die Rolle der Türkei
Kurz hat die Türkei Mitte Januar dazwischen gefunkt und nocheindmal demonstriert, welche Schlüsselrolle sie in der Energieversorgung Europas als Energie-Hub künftig spielen wird. Präsident Erdogan hat zur Unterstreichung des türkischen Anspruchs auf eine baldige Mitgliedschaft in der EU damit gedroht, ihre Haltung in Sachen Nabucco zu überdenken, falls nicht bald positive Zeichen aus Brüssel kämen - nur um am vergangenen Sonntag (15. Februar) seine volle Unterstützung zuzusichern. Das hat niemanden gewundert. Zu gross sind die Eigeninteressen der Türkei am Projekt - sowohl strategisch als auch nicht zuletzt finanziell. Denn inzwischen scheint das Projekt Nabucco wieder auf besserem Weg: Die Europäische Investitionsbank hat zugesichert, die fehlenden 7,9 Milliarden zur Finanzierung der Pipeline vom kaspischen Meer bis Oesterreich zu übernehmen.

Iran als Retter?
Vor allem aber hat Europa inzwischen andere Gas-Lieferanten für Nabucco als Turkmenistan im Visier: In erster Linie den Iran - und weitere arabische Staaten inklusive Irak und Aegypten. Schon im vergangene Sommer hatte sich Iran als Alternative angeboten (inkl. ein spannender Gazprom-Hintergrund). Dieses Angebot hat der Iran jetzt eben erneuert.

Und die Schweiz mischt mit. Letzten März hat die Elektrizitätsgesellschaft Laufenburg (EGL) mit der National Iranian Gas Export Company (Nigec) einen Vertrag über künftige Gaslieferungen geschlossen (sie erinnern sich an die Kopftuchäffäre von Bundesrätin Calmy-Rey).
Doch es gibt Zweifel, ob der Iran überhaupt fähig ist, bald grössere Mengen Gas zu liefern. Aufgrund der wirtschaftlichen Isolierung hat Iran bisher darauf verzichtet, grosse Investitionen in die Ausbeutung seiner grossen Gasreserven zu machen und ist heute selbst (noch) ein Netto-Gas-Importeur.

Doch Iran könnte/würde die Lösung heissen. Iran wäre bereit zu investieren und wäre fähig bis 2013, dem geplanten Start von Nabucco Gas zu liefern.

Und damit ist das Gas für Europa der zweite wichtige Punkt (neben Afghanistan), warum die USA wohl in Sachen Iran-Politik über die Bücher gehen werden. Der wachsende Druck der Europäer auf die USA hilft. Es darf die Prognose gewagt werden: Der Friede mit Iran kommt. Welcome back, Iran.

Montag, 16. Februar 2009

Gurbanguly Malikgulyyevich Berdymukhammedov

Gurbanguly Malikgulyyevich Berdymukhammedov, der Name ist zu schön, um ihn nicht zu einem Contextlink-Titel zu machen. Sie kennen ihn nicht? Ich hatte bis vor Kurzem auch nichts von ihm gehört, und ich mache eine Wette, auch ein Grossteil meiner auf Aussenpolitik spezialisierten Kollegen in den Schweizer Medien wissen nicht, wer dieser leicht rundliche - und trotz seinen 52 Jahren - jugendlich wirkende Herr ist: Gurbanguly Berdymukhammedov ist seit 2007 Präsident des zentralasiatischen Staates Turkmenistan,
Nicht so wichtig? Vielleicht müsste man all die Leute in Osteuropa von der Ukraine über Serbien bis nach Ungarn fragen, die diesen Winter gefroren haben, als ihnen die Russen das Gas abstellten. Berdymukhammedov ist eine Hoffnung für sie, auch wenn sie seinen Namen - im Gegensatz zu allen westlichen Energieunternehmen und -Ministern - noch nicht kennen.
Als Präsident Turkmenistans ist Berdymukhammedov auch Herr über die wichtigsten Erdgasreserven der Welt. Erst letztes Jahr wurden neue riesige Felder im ansonsten unwichtigen Ex-Sowiet-Staat an der Grenze zu Iran und Afghanistan entdeckt.

Russland gewinnt Turkmenistan
In den letzten Jahren haben sich die USA (und mit ihnen Europa) einen Wettstreit um die Gunst Turkmenistans mit Russland geliefert. Russland und sein Energieriese Gazprom haben ihn letztes Jahr (zumindest vorläufig) gewonnen und einen langfristigen, privilegierten Vertrag abgeschlossen. Das heisst nicht, dass künftig kein Gas aus Turkmenistan die Heizungen in Serbien oder Deutschland oder Belgien feuern wird, aber es heisst, dass Europa diesbezüglich weiter vom Goodwill Russlands abhängig sein wird.

Das heisst aber auch auch, dass die grossartigen Pläne, die Europa mit dem Projekt Nabucco zur Befreiung aus der Abhängigkeit vom Goodwill Russlands gemacht hatte, arg ins Schleudern geraten sind. Due geplante Pipeline aus dem Raum Kaspisches Meer via die Türkei nach Europa hat nur eine Zukunft, wenn die Europäer mit dem Iran ins Geschäft kommen.
Dazu aber mehr im Nabucco-Beitrag.