Sonntag, 20. Juli 2008

Freiheit für den Sport

Ich plädiere für eine Befreiung des Sports aus seiner Zwangsjacke, dem Saubermann-Mänteli ... und ersparen wir Stars wie Riccardo Ricco künftig solche Demütigungen:



Riccardo Ricco wurde als "Dopingsünder" überführt und abgeführt wie ein Verbrecher. Verurteilt nicht nur von den Behörden, sondern von seinen Sportskollegen, seinen Verbandsfunktionären, den Sport-Jounalisten und den meisten Sport-Konsumenten.

Das muss aufhören. Nicht das Doping, sondern die Verlogenheit darum.

Nocheinmal:
Freiheit für den Sport, Freiheit für die Spitzensportler.
Die Rede ist hier vom Spitzen- und/oder Showsport, einem kleinen, exklusiven Teil der Sportbewegung. Der Sport, von dem die Medien berichten und der uns in Massen als Konsumenten in den Bann schlägt. Wir reden hier nicht vom Breitensport oder gar von der aktiven Bewegung in der Freizeit, welche die Massen aktiv und zum Wohle ihrer physischen und psychischen Gesundheit betreiben.

Dieser Spitzensport ist in immer mehr Sportarten auch Hochleistungssport und schlicht der Beruf, der Job der Athleten.

Spitzensportler sind Höchstleister in ihrem Bereich, dem Sport, genauso wie einige Topmanager Höchstleister in ihrem Bereich sind, zum Beispiel im Finanzbusiness oder Künstler in ihrem Bereich, zu Beispiel der Musik.

Niemand käme auf die Idee, Herrn Vasella ein Berufsverbot zu erteilen, weil er am Morgen vor der entscheidenden Sitzung des Novartis-Verwaltungsrats ein starkes Anti-Grippemittel genommen hat, um trotz aufkommender Krankheit die Sitzung leiten zu können. Niemand verbietet einem Pianisten weiter Konzerte zu geben, weil er sich regelmässig mit medizinischen Mitteln zu Höchstleistungen aufpeitscht. Wen kümmert’s, dass ein Politiker, immer stärkere Schlafmittel nehmen muss, um trotz ständigem öffentlichem Druck einigermassen schlafen und sein Amt versehen zu können?

Es ist nicht einzusehen, warum man einer Berufsgattung, den Spitzensportlern, die Berechtigung abspricht, selber zu entscheiden, wann sie medizinische Hilfsmittel zur Ausübung ihres Berufes, ihrer Rolle in der Gesellschaft in Anspruch nehmen will.

Auch Sportler haben ein Recht auf persönliche Freiheit der Entscheidung. Sie haben ein Recht auf ihren eigenen Körper, das Instrument mit dem sie ihr Geld verdienen und nicht zuletzt haben sie ein Recht auf Chancengleichheit. Heute werden die raffinierteren Betrüger im Sport belohnt, diejenigen, die sich an die Regeln halten, haben keine Chance.

Wie kommt es bloss, dass für den Sport, für seine Spitzensportler, andere Regeln gelten sollen als in der übrigen Gesellschaft.

Wie kommt es bloss, dass sich einige, meist nicht mehr ganz fitte Kravattenträger (Funktionäre) zu allmächtigen Hohenpriestern aufschwingen können und mit Hilfe ihrer moralschwangeren Sittenwächter (Journalisten) „Sünder“, die gegen ihre weltfremden Regeln und Moralvorstellungen verstossen, an den Pranger stellen oder gar mit einem Berufsverbot bestrafen?
Dabei wissen sie ganz genau, dass sie auf die ständig noch extremeren Höchstleistungen ihrer Objekte angewiesen sind, um selbst in Amt du Würde zu bleiben.

Es ist überheblich und verlogen, wenn uns der Sport weiter als letzter Hort einer verlorenen „heilen Welt“ mit unschuldigen Helden der moralischen Sauberkeit, hehren Ehrlichkeit und ritterlichen Fairness verkauft wird, während wir jeden Tag die reale, unheile, aber umso faszinierendere Welt des Spitzensports sehen
Befreien wir den Spitzensport von diesem bestenfalls nostalgisch-moralischen Kitsch.
Und feiern wir seine Helden für das, was sie uns bieten und was wir konsumierend erleben wollen: Spektakel, Nervenkitzel, Extreme, Dramen. Nicht individuelle Bestleistungen, sondern absolute Maximalleistungen: „Weltrekord“, „Fabelzeit“, „der schnellste Mensch“, etc..

Wenn der Sport „ein Spiegel unserer Gesellschaft“ ist, dann ist der Hochleistungssport so etwas wie die Inkarnation der Leistungsgesellschaft. Hier gilt das Recht des Stärkeren nicht die Moral.

Ich freue mich auf die Olympischen Spiele. Wirklich.

1 Kommentar:

CyberWriter hat gesagt…

...ja grundsätzlich sollte man alle Drogen freigeben.