Montag, 5. Oktober 2009

Stratfor: Krieg USA - Iran "immer wahrscheinlicher"

Ein Krieg zwischen den USA und dem Iran sei "noch nicht unausweichlich", schreibt Stratfor in ihrer aktuellen Prognose für das letzte Viertel des Jahres 2009, "aber es sieht so aus, als sei er immer wahrscheinlicher". ("looking increasingly likely").
Seit Jahren werde immer wieder über einen solchen Krieg diskutiert, und Stratfor habe immer dazu tendiert, dieses Szenario zu bestreiten, schreibt die renommierte, dem US-Geheimdienst und Militärkreisen nahestehende Nachrichtenagentur, aber "verschiedene Ereignisse haben dieses Szenario im dritten Quartal glaubwürdiger werden lassen".
Kriegsauslöser in dem Szenario ist Israel. Als kleiner Staat sei es für Israel nicht gerade "komfortabel", sein Ueberleben von den Entscheiden Irans abhängig zu sehen. "Da das Nuklearprogramm Irans reift", schreibt Stratfor, " fühlt sich Israel gezwungen, die Bedrohung zu beseitigen, bevor sie Tatsache wird."
Israel habe nicht viel Vertrauen in die Fähigkeit der USA, diese Bedrohung zu beseitigen, aber Israel habe die Fähigkeit, "die Vereinigten Staaten in einen Angriff auf den Iran hineinzuziehen."

Das Kriegs-Szenario:
Israel führt gemäss dem Szenario einseitig einen militärischen Schlag gegen den Iran aus. Israel ist dazu seit längerer Zeit fähig, sei es mit einem Raketenangriff von israelischem Boden aus (Bild oben rechts: israelische Shahab-Raketen) oder mit einem Luftschlag ihrer Luftwaffe. (Karte links: CSIS)
Diesen Krieg gegen den Iran hat Israel in den letzten Jahren immer wieder trainiert (siehe u.a. Contextlink). Welche schrecklichen Folgen ein solcher (Atom-)Krieg Israel-Iran haben könnte, hat das US Center for Strategic and International Studies (CSIS) in einer Studie abzuschätzen versucht: Ein Alptraum, nicht nur für den Nahen Osten: CSIS rechnet mit 14 bis 18 Millionen Toten im Iran und 200'000 bis 800'000 Opfern in Israel. Nicht berechnet wurden die mittel- und langfristigen Auswirkungen der nuklearen Katastrophe auf die ganze Region.

Auch wenn dieser Schlag bestenfalls nicht sehr erfolgreich wäre (gemäss neusten Gerüchten verfügt der Iran jetzt über die nötigen russischen Abwehrwaffensysteme) und nicht gleich zu einer nuklearen Katastrophe führen müsste, wäre Iran gemäss Stratfor gezwungen zurückzuschlagen.
Allerdings ist Iran gar nicht fähig, Israel direkt anzugreifen, wie das Israel immer behauptet. Das Mullah-Regime in Teheran müsste indirekt zurückschlagen. Indem Teheran zum Beispiel die verbündeten Hisbollahs im Libanon (im Bild rechts) oder schiitische Gruppierungen im Irak aktivieren würde. Oder die Iraner würden die Schifffahrtsrouten der Oeltanker im persischen Golf angreifen. "Speziell diese letzte Aktion", schreibt Stratfor", würde einen amerikanischen Gegenschlag erzwingen - wenn nicht sogar einen Präventivschlag." Und wenn die USA einmal in eine Auseinandersetzung mit der iranischen Armee wegen der Schifffahrt stehe, wäre es "unlogisch", wenn die USA den Konflikt nicht auch auf die nuklearen Bereiche des Iran ausdehnen würde.

Natürlich ziehen es die USA vor, diesen Krieg zu verhindern, aber verstehen, dass ein Krieg "unausweichlich wird, wenn sich Israel direkt bedroht fühlt".

Die aktuellen Verhandlungen, inkl. die bevorstehenden Inspektionen der Internationalen Atomagentur in den iranischen Atomkraftwerken bezeichnet Stratfor als "11-Uhr-Verhandlung" - oder auf deutsch: Kurz vor 12.
Sollten diese Verhandlungen nicht zur Zufriedenheit des Westens verlaufen, erwartet Stratfor Sanktionen gegen den Iran als nächsten Eskalationsschritt, insbesondere im hochsensiblen, weil für Iran überlebenswichtigen Bereich der Erdgas-Importe.
Stratfor befürchtet aber, dass Drohmassnahmen der USA, die Sanktionen, vom Mullah-Regime in Teheran als nicht sehr glaubwürdig eingestuft würden. Sie halten Präsident Obama für wenig entschlossen und vor allem kriegswillig. Und sie zählen darauf, dass Russland das internationale Embargo unterlaufen und dem Iran das fehlende Erdgas liefern wird. Stratfor glaubt auch zu wissen, dass russische Nuklearexperten zur Zeit Irans Atomprogramm wieder in Schwung bringen.

Kriegsszenarien als Verhandlungsinstrument?
Man kann sich fragen, warum Stratfor dieses Szenario macht. Instrumentalisiert der US-Apparat die angesehene Nachrichtenagentur, um zuerst einmal nur indirekt mit den Säbeln zu rasseln, im Bemühen, die Iraner für die anstehenden Verhandlungen unter Druck zu setzen. Insbesondere, um den Machthabern in Teheran klar zu machen, dass die USA, dass Obama nicht frei ist in seiner Entscheidung. Dass vielmehr Israel ein Fait Accompli schaffen könnte, falls die Iraner im Bereich der Nuklearfrage nicht kooperativ sein wird.
Oder versuchen die USA via Stratfor Israel zu drohen, keine innenpolitisch motivierten Spielchen zu machen und "die Gunst der Stunde" zu nutzen, eine neue Krise vom Zaun zu brechen? Oder ist es ein Signal an die Europäer, den Iranern nicht allzuweit entgegen zu kommen?

... Affaire à suivre ....










There has been much discussion of this topic for years now, and STRATFOR has tended to dismiss it; there is a great chasm between remedial uranium enrichment programs and having a deliverable nuclear weapon. But events in the third quarter added credibility to the scenario. Primarily this is because of Israel. As a small state, Israel is not comfortable pinning its survival on Iran’s choices. As Iran’s nuclear program matures, Israel is feeling forced to eliminate the threat before it can manifest.

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