Samstag, 27. September 2008

16 Milliarden für die Armen, 700 Milliarden für die Banken


Der Armutsgipfel der UNO hat Finanzzusagen von 16 Milliarden US-Dollar erbracht. Ein Erfolg, der "alle Erwartungen übertrifft", meint UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Schande, finde ich.

Abgesehen davon, dass es sehr unsicher, wieviel die verschiedenen Geberstaaten von dem Geld, das sie jetzt beim UNO-Gipfel zur Armutsbekämpfung versprochen haben, auch wirklich bezahlen werden, reicht das Geld nirgends hin. Es unterstreicht die Erkenntnis, dass die hehren Milleniumsziele, die die "Internationale Gemeinschaft" 2000 beschlossen haben, mit Sicherheit bis 2015 bei Weitem nicht erreicht werden. Der britischen Hilfsorganisation Oxfam ist in ihrem Urteil beizupflichten, die Gipfelteilnehmer (rund 100, der 192 UNO-Mitgliedstaaten) hätten "versagt", insbesondere mit Blick auf die eskalierende Hungerkatastrophe.

Die ganze Peinlichkeit der 16 Milliarden wird aber erst richtig klar, wenn man sie mit den 700 Milliarden Dollar vergleicht, die die US-Regierung jetzt zur Rettung der Banken ausgeben will.

Andreas Zumach - Kollege aus der Zeit der Balkankriege und wirklich einer der Journalisten, die meinen uneingeschränkten Respekt geniessen - nennt in seinem Kommentar zum Armutsgipfel in der taz aufschlussreiche Vergleichszahlen:

- Mit den 700 Milliarden ließen sich für die nächsten 46 Jahre die Aidsmedikamente für die zehn Millionen Menschen finanzieren, die für ihr Überleben auf die sogenannte antiretrovirale Therapie angewiesen sind, sich diese aber wegen der zu hohen Kosten bislang nicht leisten können.

- Etwa die Hälfte dieser Summe, rund 350 Milliarden Dollar, geben die USA, EU, Kanada und Japan seit Mitte der Neunzigerjahre pro Jahr aus, um ihre Farmer und Bauern hoch zu subventionieren - diese setzen ihre Überproduktion dann mit Dumpingpreisen auf den Märkten der Länder des Südens ab, wodurch sie die Existenz vieler Bauern in diesen Ländern zerstören.

- 350 Milliarden US-Dollar - einmalig, nicht jährlich! - wären erforderlich, um den Anteil der Hungernden in der Welt und der "extrem armen" Menschen, die mit maximal 1,25 Dollar pro Tag auskommen müssen, bis zum Jahr 2015 nicht nur zu halbieren, wie es die Millenniumsziele vorsehen, sondern sogar auf null zu bringen.

-Ein Vierhundertfünfundsiebzigstel der 700 Milliarden US-Dollar würde ausreichen, um allen 250 Millionen Menschen, die sich jährlich mit Malaria anstecken, ein imprägniertes Moskitonetz zur Verfügung zu stellen. 880.000 Menschen, zumeist Kinder unter fünf Jahre, sterben daran.

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