Posts mit dem Label Kivu werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Kivu werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 9. November 2008

Kivu: Die andere Seite. Ordnung im Rebellengebiet


Rebellenführer Laurent Nkunda zeigt sich auch gern in staatsmännischer Pose  (Bild Spiegel-Online)

Wie immer gibt auch der Krieg im Kongo zwei Sichten auf die Lage.
Die allermeisten Medien des Westens berichten über die Lage im neusten Kivu-Krieg aus der Sicht der kongolesischen Armee und der UNO. Die Rede ist dann von Massakern der Truppen des Rebellenführers Laurent Nkundas, von Angst und Flucht der Bevölkerung, vom Chaos in Flüchtlingslagern.

Spiegel-online hat jetzt eine Reportage aus dem Gebiet im Kivu ins Netz gestellt, das seit einiger Zeit von der Rebellenbewegung Laurent Nkundas kontrolliert wird. Es liegt an der Grenze zu Uganda und ist von dort auch für Journalisten eigentlich leicht zugänglich, bietet aber weit weniger Spektakuläres: Hier herrscht Ruhe und der Alltag verläuft in geordneten Bahnen. Hier erscheinen die Rebellen nicht als unmenschliche Schlächter, sondern - in Polizeiuniform - als Garanten der Sicherheit im Alltag der Bevölkerung.

Es ist immer eine Frage des Blickwinkels - und des Reportagestandortes des Journalisten.




Ein blutiges Stück Kongo in unserer Tasche

"Er geht uns nichts an, der Krieg im Kongo. Er ist so weit weg und wir können nichts zu einer Veränderung dort beitragen."

Nicht wirklich. Nicht nur ist die Schweiz eine der Zentralen des weltweiten Rohstoffhandels, auf dem die Bodenschätze aus dem Kriegsgebiet gehandelt werden, mit deren Einnahmen der Krieg finanziert wird. Jeder und jede von uns hat heute ein kleines Stück Kongo in der Tasche, im Handy/Natel. Und es ist Blut dran.

80% des Coltans, welches in jedem Natel/Handy zur Anwendung kommt, stammt aus dem Kriegsgebiet des Ost-Kongo im Kivu.

Hier ein Video von Liberation Video News als Hintergrund:

Situation Kivu

Das neuste Video von Al-Jazeera. Aufgenommen am Samstag, wenige Kilometer ausserhalb von Goma:



...

La Suisse de l'Afrique

Noch einmal, auch wenn es nur ein künstlicher Bezug ist:
Die Kriegsregion Kivu wird in Afrika gern auch "La Suisse de l'Afrique" genannt. Zum Beispiel heute wieder vom Online-Wirtschaftsmagazin für Afrika "Les Afriques", wo ich auch das Foto oben geklaut habe.
Auch in zahlreichen anderen Publikation wird wohl wegen den Bergen, den Seen und dem "Reichtum", der Kivu mit der Schweiz verglichen. Einige Hintergründe zum Kivu gibt es hier. und einen grösseren Hintergrundsbericht zur politischen Situation bei der International Crisis Group hier.

Der Kivu mit seiner noch vor kurzer Zeit sehr angenehmen Hauptstadt Bukavu ist vorallem bekannt wegen den Virungabergen, in denen Berggorillas leben.
Wieviele es davon auf der Kongo-Seite der Virungaberge noch gibt, ist unbekannt. Mehrer Massaker an Berggorillas sind in den letzten Jahren bekannt geworden. Für die Rebellen sind die Menschenaffen in der Not schlicht Fleisch.
Touristisch erschlossen ist zur Zeit nur noch das Gebiet auf dem Territorium von Uganda und Ruanda.

Die Virungaberge bestehen aus mehreren aktiven Vulkanen, deren glühende Lavamassen bei heftiger Ausbrüchen immer mal wieder bis in den Kivusee und zum Beispiel in die zweitgrösste Stadt Goma vorstossen. Das letzte Mal 2002.