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Sonntag, 1. März 2009

Führungsmacht Deutschland

Natürlich weiss ich, dass das F... - Wort im Zusammenhang mit Deutschland immer noch irritiert. Aber spätestens seit Ex-Aussenminister Joschka Fischer es im vergangenen Dezember in einem Spiegel-Artikel verwendet hat, um der aktuellen deutschen Regierung eben diese Qualität abzusprechen ("Deutschland versagt als Führungsmacht"), ist es wohl auch für einen Schweizer Beobachter enttabuisiert.

Also sprechen wir es aus: Wir - Europa und nicht zuletzt auch die Schweiz - brauchen Deutschland als Führungsmacht. Jetzt. Dringend.

Natürlich hat Europa schwer unter Deutschland gelitten, seit sich die Deutschen 1871 zu einer "Nation" vereint hatten.
Es ist aber geostrategisch und historisch eigentlich keine Ueberraschung, dass diese neue Macht mitten in Europa im Sandwich zwischen Russland und Frankreich, Probleme bereiten würde. Klar war, dass es eine schmerzhafte Entwicklung brauchen würde, bis diese neue Macht im Zentrum ihre Position und ihren Status gefunden hatte. Nach dem Ende des ersten Weltkriegs glaubten die alten Europäer - dank der militärischen Unterstützung der USA - Deutschland in die Schranken gewiesen zu haben, um nur gute 20 Jahre später erneut mit alller Gewalt mit demselben Problem konfrontiert zu werden. Und erneut war es Amerika, das die entscheidende Rolle zur Besiegung der neuen Macht in Europa spielte. Die Teilung hat Deutschland geschwächt, nicht aber seinen logischen Aufstieg
verhindert. Mit der Wiedervereinigung 1989 ist Deutschland definitiv das geworden, was seiner "natürlichen" Position in Europa entspricht: "Es besteht kein Zweifel, Deutschland ist die wichtigste Macht in Europa", akzeptiert sogar die "Internationale Politik", das Publikationsorgan der Deutschen Gesellschaft für auswärtige Politik. Nicht-deutsche Experten durften diesen objektiven Tatbestand (Wirtschaft, Bevölkerung, Geographie) schon länger aussprechen.

Und seit dem 2. Weltkrieg ist, durch die Entwicklung der EU, Deutschland auch keine Bedrohung mehr für Europa (und Frankreich). Im Gegenteil: heute braucht Europa Deutschland als Führungsmacht. Fast hätte ich geschrieben, Deutschland wäre es Europa - mit Blick auf die in der Vergangenheit verursachten Schmerzen - SCHULDIG, jetzt in der Krise und der Neuordnung der Welt, die Führung zu übernehmen. Doch das ist falsch:
Deutschland hat genug Busse getan. Es ist an der Zeit, dass die Deutschen ihr schlechtes Gewissen überwinden. Deutschland muss jetzt die sich aus seiner realen Macht ergebende VERANTWORTUNG in und für Europa übernehmen.

Deutschland soll Osteuropa vor dem Bankrott retten
Zuerst - das schreibt die Zeit in ihrer jüngsten Ausgabe eindrücklich - geht es darum, die EU in der aktuellen Wirtschaftskrise zusammenzuhalten. Der in der Schweiz zur Zeit wenig beliebte Deutsche Finanzminister, Peer Steinbrück, hat es auf den Punkt gebracht: Notfalls muss Deutschland anderen europäischen Ländern finanziellen Beistand leisten.
In seinem Zeit-Artikel "Geld für die Sünder" fordert Mark Schieretz: "Nötig ist eine Koalition zahlungskräftiger Länder, die unter Einbindung des Internationalen Währungsfonds Finanzhilfen bereitstellt. Deutschland müsste eine zentrale Rolle spielen, denn es gilt am Kapitalmarkt noch als guter Schuldner und kann sich relativ problemlos Geld borgen."

Deutschlands Macht liegt im vereinten Europa
Die Forderung Steinbrücks ist durchaus auch gesteuert vom Eigeninteresse Deutschlands, deren Banken überlebensgefährdende Verluste erleiden könnten, wenn ganze Staaten in Osteuropa Bankrott gehen. Aber Deutschland scheint heute auch zu verstehen, dass seine Stärke in einem vereinten Europa liegt.
Die Staatschefs der EU-Mitgliedstaaten ringen zur Zeit am Krisengipfel in Brüssel um Einigkeit, denn der bisherige Verlaufe der weltweiten Wirtschaftskrise hat die Schwäche Europas deutlich an den Tag gebracht: In der Not ist sich jeder selbst der Nächste. Während andere Grossmächte wie die USA oder China zentralistisch und schnell entscheiden können, sind die Entscheidungswege in der EU kompliziert und langwierig. Grund: Jede Regierung bastelt sich auf die Schnelle ihr eigenes Regierungsprogramm.

Die europäischen Staatschefs sind nicht frei von den politischen Zwängen in ihrem Heimatland - denn dort müssen sie wieder gewählt werden -, doch immer mehr scheint sich in Europa die Erkenntnis durchzusetzen, dass diese Krise nicht mit protektionistischen Alleingängen gemeistert werden kann. Und da muss Deutschland als Führungsmacht vorangehen, eben zum Beispiel mit einer namhaften finanziellen Unterstützung Ungarns, Polens, Litauens oder Serbiens. Notfalls auch ohne die Hilfe der EU-Partner.

Finanzminister Steinbrück als Retter der Schweizer Banken?
Nebenbei: Eine solche Finanzhilfe für Osteuropa würde nicht zuletzt auch unsern Schweizer Banken viel nützen. Bei einem Bankrott einer oder mehrerer Osteuropäischer Banken müssten wir riesige Abschreiber machen, weil ein grosser Teil der Schulden dieser Länder Fremdwährungskredite in Schweizer Franken sind. Ironischerweise könnte es also gerade der in der Schweiz gehasste deutsche Finanzminister Steinbrück sein, der den Schweizer Banken aus ihrer überlebensbedrohlichen Not in Osteuropa heraushilft.

Deutschland muss sich von den USA emanzipieren
Nur wenn sich Europa in dieser Krise als Einheit beweist, wird es trotz Finanzkrise fähig sein, im aktuellen Kampf um die neue Weltordnung eine bedeutende Rolle zu spielen. Und auch dabei käme Deutschland eine zentrale Rolle zu. Allerdings müsste Deutschland noch lernen, seine Rolle als europäische Führungsmacht zu spielen, also die gemeinsamen Interessen der EU gegenüber den USA und China, den beiden anderen wichtigen Blöcken der neuen Weltordnung, zu vertreten.
Insbesondere gegenüber den USA wird sich Deutschland emanzipieren müssen. Erste Versuche machte Bundeskanzlerin Merkel im letzten Herbst, als sie offen gegen die US-Pläne für eine Erweiterung der NATO auf die Ukraine und Georgien eintrat. Das hat den Amerikanern damals mächtig Eindruck gemacht.
Inzwischen scheint sich zu verdeutlichen, dass Europa aufpassen muss, nicht in den Sog einer neuen amerikanisch-russichen Eiszeit zu geraten. Europa und speziell Deutschland ist nicht nur noch einige Jahre von den Gaslieferungen Russlands abhängig, auch die Geschichte zeigt, dass es nicht zuletzt im Interesse Deutschlands ist, Ruhe an der Ostfront zu haben.

Offensive Mittelmeer/Nahost: Weniger Israel, mehr Türkei
Befreien muss sich Deutschland auch von seiner einseitigen Israelpolitik. Hier ist die Ueberwindung des in der Geschichte liegenden Schuldgefühls noch schwieriger, aber spätestens der jüngste Gazakrieg hat gezeigt, dass die aktuelle Politik Israels den Interessen Europas, ein rasches Einvernehmen mit der islamischen Welt, im Weg steht. Deutschland wird sich ab sofort nicht nur Richtung Westen und Osten orientieren müssen, sondern vermehrt auch Richtung Süden, zum Mittelmeer, inklusive seiner nördlichen und östlichen Anrainer. Deutschland könnte da von der Erfahrung und den Beziehungen Frankreichs profitieren. Als wichtigster Partner aber bietet sich die Türkei an. Man hat schon eine grosse "gemeinsame Bevölkerung", also starke emotionale, aber auch wirtschaftliche Verbindungen. Vor allem aber kann - und wird wohl - die Türkei im Nahen und Mittleren Osten eine zentrale Rolle spielen. Es liegt in den Händen Europas und speziell Deutschlands, dass die Türkei gleichzeitig zu seinen eigenen, auch die Interessen Europas wahrnimmt.

Samstag, 28. Juni 2008

Max Küng in der Carlsbergfalle

Max Küng hat im "Magazin" (auch Tagi-Magi) einen herzerfrischenden Beitrag zu den UEFA-Fanmeilen der Euro 08 geschrieben:

http://dasmagazin.ch/index.php/selbstversuch-max-begeht-die-fanmeile/

Perfekt sein Bild der "Schlammlawine", welche "all den Konsum- und Entertainmentdreck ins Herz der Stadt gespühlt" hat.

Ein schmunzeln in Richtung des Kritikers kann ich mir aber nicht verkneifen, wegen dem Schluss. Wie viele Andere auch, die in Basel heute standard-mässig ein Bier mit dem Zusatz "...aber bitte kein Carlsberg" bestellen und dann im triumphalen Gefühl, sich nicht vereinnahmt haben zu lassen, selbstzufrieden ihr "1664" (Kronenbourg) kippen, macht er sich da etwas vor:

Anfang Mai hat Feldschlösschen die elsässische Brauerei Kronenbourg geschluckt und bekanntlich gehört Feldschlösschen zum Carlsberg-Konzern. Genau ist es so: Feldschlösschen, das zur dänischen Carlsberg-Gruppe gehört, hat das Schweizer Geschäft von Scottish & Newcastle übernommen. Zum britischen Konzern S&N gehören Marken wie Kronenbourg, 1664, Grimbergen und Kanterbräu.

Trotzdem Prost. Ich nehm dann halt Feldschlösschen.

Mittwoch, 25. Juni 2008

Enttäuschung

Nach einem Rundgang durch die Basler Innenstadt (leider ohne Kamera) zwei Stunden vor dem Halbfinale der Euro 08 zwischen der Türkei und Deutschland: Ein Gefühl der Enttäuschung.
Es sind nicht annähernd sviele Menschen gekommen wie beim Hollandspile vor 5 Tagen. Die Stimmung ist friedlich. Ich habe nirgends Agression gespürt. Aber auch nichts Vergleichbares zur ausgelassenen, karnevalesken Stimmung vor dem Holland-Spiel.

Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass es während und anch dem Spiel nicht noch zu gewalttätigen Frustreaktionen einzelner Fangruppen kommt.

Sonntag, 22. Juni 2008

Aftermath

Nach dem Spiel Holland - Russland. Irgendwann, weit nach Mitternacht:

... und, natürlich, Raphi.

Im Sinne einer Forsetzung des Posts vom 11. Juni "BTRaphi Euro 08":

Mitten im Holland-Trubel gestern, natürlich, Raphael Wyniger, Euro 08 Verantwortlich von BaselTourismus. Er hat das Bad in der Menge sichtlich genossen. Verdientermassen. Für dieses Erlebns, für diese Bilder hat er die letzen Monate gearbeitet:

Europameister und Euro 08 Verweigerer

88 Prozent der Schweizerinnenund Schweizer haben bisher die Liveübertragung der Spiele der Euro 08 gesehen. Dies hat eine "repräsentative Umfrage der Sonntagszeitung ergeben. 49% der Schweizer haben das Spiel Schweiz - Türkei live gesehen. Im Durschnitt aller Spiele ware es bisher rund 1 Million. Das lässt die BaZ ihren Kasten vom Samstag mit "TV Europameister" betiteln.
Leider bestätigen diese Zahlen meine Einschätzungen der letzten 2 Wochen: Die Schweizerinnen ud Schweizer interessieren sich sehr stark für die Euro, sie verweigern sich aber allem Offiziellen.

Man schaut sich das Spiel zu Hause an, am liebsten mit Freunden. Gestern abend waren es wohl Abertausende, die ihren Bildschirm in der Stube so gedreht haben, dass sie das Spiel auf dem Balkon oder im Garten ansehen konnten.



Die Euro-Verantwortlichen und allen voran die UEFA müssen sich Gedanken machen, was schief gelaufen ist im Vorfeld, dass sich die Schweizer Allem verweigern, was nach Uefa oder offizieller Zone riecht. Allein der Regen und das schlechte Abschneiden des Schweizer Teams reichen als Erklärung nicht.
Auch der Erfolg des Abends gestern in Basel beim Hollandspiel und hoffentlich seine Wiederholung am nächsten Mittwoch beim Spiel Deutschland - Türkei ändert daran nichts: Die Scweizerinnen und Schweizer wollte sich nicht vereinnahmen lassen.

Ganz direkt trifft diese Verweigerung der Schweizer auch die wichtigste Kundschaft der UEFA, die Sponsoren. Es kann zum Beispiel nicht in Sinne von Hauptsponsor Carlsber sein, dass in diesen Tagen viele Basler ihr Bier in der Beiz immer mit dem Zusatz "aber bitte kein Carlsberg" bestellen.

Die Strategie der 3 Beizen oberhalb der Mittleren Brücke, sich nicht in den Sponsor-Bann einbinden zu lassen, ist voll aufgegangen. "Die 3" waren immer überdurchschnitlich belegt. Allerdings: wer selbstzufrieden triumphierend zum Beispiel im "Schmalen Wurf" mit Blick auf den UEFA-Bildschirm ein Kronenbourg ("1664") gekippt hat mit dem herrlichen Gefühl, sich erfolgreich dem "Moloch UEFA" verweigert zu haben, der macht sich Illusionen: Neuerdings gehört das Bier aus der elsässischen Nachbarschaft auch zu Carlsberg/Feldschlösschen-Konzern.

Samstag, 21. Juni 2008

... und ein paar Schweizer

Vielleicht sogar mehr als auf den ersten Blick ersichtlich:

Die Holländer sind da

Endlich. Wovon Basel geträumt hat. Jetzt ist es eingetroffen. Die Stadt bebt von Fans. Positiv. Die ganze Innenstadt ist orange. Basel-PR pur. Danke Holland.
(Impressionen vom nachmittag zwischen 16 und 17 Uhr)

Freitag, 20. Juni 2008

Danke, Deutschland


Endlich so etwas wie Euro-Stimmung in Basel. Die Fanzonen waren voll und viele Leute haben in den Beizen das Deutschland-Spiel öffentlich gesehen. Noch gibt es ein beachtliches Steigerungspotential. Die Stadt war auch gestern nicht rappelvoll, aber die diejenigen, die da waren, haben gezeigt wie es sein kann.
Danke, allen deutschen Fans. Hoffentlich haben viele Basler die Fans gesehen und fühlen sich animiert, das nächste mal auch dabei zu sein und sei es nur, um sich das Spekatkel der auswärtigen Fans anzusehen. Die Deutschen Fans gestern abend waren eine gute Show. Die Inszenierung der Holländer am Samstag dürfte noch besser werden und beim Halfinale am kommenden Mittwoch werden noch viel mehr Deutsche nach Basel pilgern.
De gestrige Abend hat sollte auch all die Leute versichern, die, abgeschreckt von den endlosen Katastrophe-Szenarien, die im Vorfeld der Euro verbreitet wurde, es bisher nicht gewagt haben, in die Stadt zu kommen. (siehe auch das Video witer unten: "Mit dem Kind in die Fanzpne") Es gab auch gestern keine Sicherheitsprobleme, niemand wird angepöbelt oder gar physisch gefährdet.

Ein vielsversprechender Abschluss der Euro in Basel scheint in Sicht. Es wäre Basel und nicht zuletzt allen Organisatoren im Hintergrund zu gönnen. Der Projektleiter der Stadt, Christoph Bosshardt, der "Macher" hinter dem offiziellen Mister Euro Hanspeter Weisshaupt, und sein Assi Martin Kamber, haben es jedenfalls gestern Abend still genossen: Endlich eine volle Fanzone! (siehe mein Handy-Bild):

Donnerstag, 19. Juni 2008

Die Russen kommen

Mein Blick von VIP-Tribüne in Innsbruck auf das Spiel Schweden-Russland:


Die Russen waren den Schweden deutlich überlegen. Leichtfüssigkeit gegen Schwerfälligkeit. Sportlich richtig, dass die Russen zu Viertelfinale nach Basel kommen. Sehr schade für die schwedischen Fans. Die haben Innsbruck gestern Nachmittag und Abend ein friedliches Fest beschert. Hnterher war alerdings tote Hose. De Schweden sind praktisch aus dem Stadtzentrum geflohen.

Jetzt kommen also die Russen. Ein paar tausend "gewöhnlche" Fans werden's auch sein. Sie saufen wie andere auch, johlen "Rossija", sind aber friedlich. Dazu ist eine Spezialtruppe zu erwaret. Die Oligarchen. Sie werden am Samstag insbesondere dem Flugplatz viel Zusatzverkehr bringen. In Innsbruck ist gestern Nachmittag ein Privatjet nach dem andern gelandet

Freitag, 13. Juni 2008

Mit dem Kind in die Euro-Fanzone

Kinder findet man wenige in der Fanzone. Zumindest kleine Kinder. Offenbar sind viele Eltern abgeschreckt durch die Dauer-negativ-Propaganda, die in den letzten Monaten von allen Seiten gemacht wurde. Die Horrorgeschichten von ganzen Gruppen von gewaltbereiten Hooligans, welche unsere Städte verwüsten und sich unschuldige Opfer für Schlägereien suchen, haben sich zwar bisher als haltlos erwiesen, aber die Wirkung bleibt.
Ich habe meinen Freund, Roger Schnegg, den Direktor des Schweizer Volleyballverbands, praktisch genötigt, anlässlich des Spiels Schweiz-Türkei am vergangenen Mittwoch, zusammen mit seinem Sohn Timo auch einen kurzen Abstecher in den Fan-Boulevard in der Stadt zu machen. Leider hatten die beiden bei der Fahrt im Extrazug von Bern schon ein Negativ-Erlebnis, als sie die Pöbeleien einer Gruppe Unverbesserlicher erleben mussten. Etwas verschüchtert oder zumindest skeptisch-vorsichtig haben sich Roger und Timo aber trotzdem in die Steinenvorstadt und auf den Barfi gewagt:



Uebrigens: Vater und Sohn Schnegg haben in Basel schliesslich einen entspannten Abend genossen. Keine Probleme im Stadion. Timo hat im Extrazug zurück nach Bern entspannt geschlafen.

Donnerstag, 12. Juni 2008

Olé

Die Fangesänge rund um den Fussball sind ja nicht besonders vielfältig. Sie werden mehr oder weniger fantasielos der Gelegenheit und Gegebenheit etwas angepasst und sind echt völkerbindend. Fast alle Fangruppieren grölen die gleichen Lieder.
Dominant in der gesamten Fussballszene ist klar das "Olé".



Ob alle Olé-Brüllenden wirklich wissen, was sie das rufen, respektive wen sie da hochleben lassen, darf allerdings bezweifelt werden: Es ist der Gott der von vielen Verachteten Muslimen "Allah". Der Ausruf "olé" geht genau auf arabisch wa-llah („bei Gott“) zurück, welches von den Mauren bei ihrer Eroberung Spaniens vor 700 jahren nach Europa gebracht wurde. Die Spanier, welche es erst 700 jahre später, Mitte des 15. Jahrhunderts geschafft haben, die Mauren wieder aus Spanien zu verdrängen, haben deren Ruf wa-llah zu "olé" verballhornt. Das "olé" ist bei Weitem nicht das einzige Erbe Europas aus der maurischen Zeit. Die moderne Mathematik, die Medizin, aber auch die Landwirtschaft wäre ohne den Einfluss der muslimischen Spanier nicht das, was sie heute sind. Die Kultur der Mauren hat damals erst die Voraussetzung für die "Renaissance" in Europa geschaffen. Deswegen ist es auch gar nicht unangebracht, wenn heute die Massen, die Leitfigur dieser Kultur, die Europa mit entwickelt hat, hochleben lässt.

Dazu ein Buchtipp: Ilija Trojanow: "Kampfabsage". Grosse Zusammenhänge rund um "unsere" Mittelmeerkultur. Sehr anschaulich und leicht lesbar. Einiges wird von Trojanow, anders einordnet, speziell das Verhältnis der Kulturen. Seine Hauptthese: Neues entsteht an den Schnittstellen der Kulturen, dort, wo sich "Fremdes" begegnet und sich gegenseitig befruchtet. Das Buch ist gleichzeitig hochpolitisch und top-aktuell. Gruss an die SVP und Ihresgleichen.

Ehrenmeldung für Euro-Fans

Die Fans können ja nichts dafür. Deshalb möchte ich denen, die am Mittwoch zu Tausenden in Basel schon fast so etwas wie die erträmte Euro-Stimmung verbreitet haben, ein videales Kränzchen winden. Es waren vorallem auswärtige Fans, nicht Basler, die versucht haben, diese Stadt stimmungsmässig zu erobern. Zu Tausenden sind sie gekommen, türkische und Schweizer Fans, schon am Nachmittag, lange vor dem Spiel:




Viele kommen schon voll ausstaffiert an. Vieles erinnert an die Fasnacht. Die Fantasie, die Lust am sich Verkleidens und gemeinsam, über die Schnur zu hauen. Einige fassen erst animiert durch die Masse und offensivere Kollegen Mut, andere werden unfreiwillig bespreiht:



Auffällig wie viele Frauen da waren. Und alle wissen, je mehr Frauen, desto friedlicher. Es war friedlich, acuh den gabnzen Abend. Ergo: es müssen wirklich viele Frauen da gewesen sein. Frauen haben einfach weniger Aggressionen, auch wenn Einige den Männern in Sachen Selbstdarstellungen und grölendem Enthusiasmus locker den Bierbecher weichen können:




Darin unterscheiden sich die Frauen nicht von den Männern: Sie machen ständig auf Zweckoptimismus im Sinne von: "Man muss daran glauben, sonst passiert es nicht", erfrischend aber der weibliche Realismus: "Einer wird doch wohl reingehen."

Die Männer brauchen die Unterstützung der Anderen:



Danggschöön, liebi Fans. Dir hän Alles geh.

Abgesang?

Ich habe mir heute morgen mein orange-farbenes Sweatshirt angezogen. Ich kann einfach nicht akzeptieren, dass die Euro jetzt vorbei ist.
Es war eine feuchte Beerdigung der Schweizer Nati-Träume gestern im Joggeli und leider ist zu befürchten, dass damit auch die Hoffnung auf eine Euro, an der die Baslerinnen und Basler aktiv teilnehmen, endgültig zu nicht gemacht wurden.
Der Funken hätte überspringen können gestern. Vor dem Spiel kam in der Innenstadt sogar fast schon Stimmung auf. Die Fans haben wirklich alles gegeben. Allerdings waren nicht viele Basler darunter. Die haben sich imemr noch vornehm zurückgehalten. Leider hat sich das kurze Aufflackern dann halt doch rasch als Strohfeuer entpuppt. Erstickt nicht im Regen, sondern von einer dürftigen Leistung der Schweizer Nati in der zweiten Halbzeit und auch viel Pech.

Neue Durchhalteparolen:
Vielleicht kommen ja Samstag in einer Woche die Hollander zum Viertelfinale nach Basel. Vielleicht wollen sich ja dann auch noch ein paar Basler das Oranje-Spektakel in unseren Strassen ansehen. Oder müssen gar auf die Deutschen hoffen?

BTRaphi Euro 08 110608

Es gibt viele Leute im Hintergrund der Euro-Organisation in der Schweiz und in Basel, die geben alles. Sie machen's möglich, aber man sieht sie nicht. Einer ist Raphael Wyniger, der Euro-Verantwortliche von Basel Tourismus (BT). Mann der ersten Stunde und einer, der auch noch weitersingt im Sektor A im Joggeli, wenn 's Bindfäden schifft und alle anderen Würdenträger in Sorge um ihren deplatzierten Anzug mit Kravatte längst das regengeschützte Weite gesucht haben. Gestern hat er versucht, die etwas ungenügend geplante Besucherführung von zuoberst in der Freien Strasse einigermassen zu organisieren. Danggschöön Raphi!