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Mittwoch, 10. September 2008

Basel-Stadt und - Land: „Zu EINEM Körper gehörend“

Offiziell etwas verschämt feierte Baselland 2008 175 Jahre Hülftenschanz 1833, die Schlacht, welche die Trennung von Stadt und Land bis heute besiegelt hat. Doch einflussreiche Kreise im Baselbiet kultivieren noch immer unverhohlen den Geist der Trennung.
Dabei war die Stimmung im Baselbiet nur 30 Jahre früher noch ganz anders: 1798 zelebrierten Städter und Landschäftler ein Fest der Zusammengehörigkeit: Die „Revolution im Kanton Basel“.

Im Grossen Rat der Stadt Basel war heute, 10. September 2008, ein Re-Print der Festschrift von Martin Birmann 1882 anlässlich des 50. Geburtstags des Kantons Baselland aufgelegt. Darin gleich zu Beginn en Kapitel zur Vorgeschichte: „Die Rechtsgleichheit des Jahres 1798“ bei der „Revolution im Kanton Basel“.

Damals forderten die Landausschüsse die Gleichheit mit der Stadt und die Planung einer gemeinsamen Zukunft in einem Vierpunkte-Forderungskatalog. Punkt drei: „Enge Vereinigung der Stadtbürger mit den Landbürgern als zu Einem Körper gehörend...“

Die Landmilizen kamen zur Feier der Revolution in die Stadt und wurden vor den Toren von der städtischen Freikompagnie abgeholt. Gemeinsam zogen die Truppen in die Stadt „im Marsch zu Zweien abwechselnd je ein Stadtbürger zur Rechte, ein Landbürger zur Linken ... Bevor sie in Quartiere sich begaben, schworen die Truppen gegeneinander den Eid und gaben sie sich den Bruderkuss.“

In der Kirche von Liestal unterzeichneten die Vertreter der Landgemeinden gemeinsam mit den Vertretern der Stadt die Freiheits- und Gleichheitsurkunde mit der „ die ehevorigen Verhältnisse zwischen Stadt und Land durchaus und als zernichtet erklärt“ wurden.
„Die ganze Bevölkerung war in einem Freudenrausch“. Damit hatte die in der Revolution vereinte Stadt und Landschaft eine einmalige Gelegenheit für eine erfolgreiche, gemeinsame Zukunft. Es scheint rückblickend unglaublich, wie die Stadt innerhalb von 30 Jahren diese Chance und allen Goodwill bei der Landbevölkerung verspielten und von den ehemaligen „Brüdern“ an der Hülftenschanz blutig aufs Haupt geschlagen wurden.

Die bittere Enttäuschung der Baselbieter, die die Jahrhunderte lange Unterdrückung und Demütigung durch die Städter mit der Revolution vergessen und sich mit den Städtern „in Gleichheit“ verbinden wollten, haben einflussreiche Kreise im Baselbiet bis heute nicht verdaut und sie sind bis heute nicht bereit, den Schritt ihrer Vorväter die Wiederholen und die alten Zerwürfnisse „als zernichtet" zu erklären und eine gemeinsame Zukunft zu wagen. Man beschwört lieber den Geist der Trennung von 1832/33 als den Geist der Gemeinsamkeit von 1798.

Sonntag, 6. Juli 2008

Die Geister der Vergangenheit (II) ......

... haben durchaus auch einen sehr unterhaltenden Wert und ich merke, dass auch bei mir als alter Oberbaselbieter die Anti-Basler Reflexe unterschwellig noch sehr präsent sind. Auch wenn ich heute wirklich wenig Verständnis dafür aufbringen kann, warum die beiden Basel nicht auch politisch das sind, wie sie wahrgenommen werden von aussen und auch von den Meisten innen: Eine Einheit.
Aber eben: Ich gehöre zu einer Generation, die noch die letzte Wiedervereinigungsinitiative (Abstimmung 1969) erlebt hat. Persönlich habe ich "Politik" wohl damals rund um diese Initiative erstmals richtig erlebt. Es war unser Sissacher Dorfpfarrer, ein Schaffhauser, der uns Jugendliche nach Münchenstein mitgenommen hat zu einer grossen Anti-Wiedervereinigunsgveranstaltung. So was prägt und ich hatte lange das Gefühl, dass ich eigentlich "mit denen, die das Tram haben" - und das fährt ja bezeichnenderweise nur bis kurz vor die Hülftenschanz - nichts zu tun habe.
Und wenn ich mir jetzt die Geschichte rund um die Hülftenschanz in Internet (u.a. wunderschön bei Alt-Basel) zu Gemüte führe, kommt das abstruse Rampass-Gefühl hoch: ein Stolz, eine Befriedigung, dass wir es den Basler, den Grosskotzen aus der Stadt, damals gezeigt haben und sie im wahrsten Sinne des Wortes "auf's Haupt geschlagen" haben.

Es bleibt ein verwundertes Schmunzel über mich selbst, aber: Diese Reflexe sind Realität bei vielen Baselbietern und nicht zuletzt bei der Generation, die jetzt an der Macht ist, die noch von diesen Reflexen geprägt ist. Je nach persönlichen Niveau ist diese Prägung mehr oder weniger kontrolliert-zivilisiert.

Die Geister der Vergangenheit ....

.... sind in Basel (Land) leider immer nicht kräftig kultivierte Realität.


In knapp einem Monat jährt sich die Schlacht an der Hülftenschanz vom 3. August 1833 zum 175. Mal. Man liest zwar zur Zeit erstaunlich wenig über das historische Ereignis trotz der Nähe zum "Jubiläum", aber im politischen Altag, abgebildet in den Medien, ist der Geist von damals omnipräsent.
Jüngste Beispiele aus der schier endlosen Geschichte:
- die Sonntagszeitung kündigt den Streit zwischen BS und BL um die Auftelung der Zusatzkosten für die Euro 08 an und
- erst am Freitag ist bekannt gworden, dass sich die Baselbieter Gemeinden erneut erfolgreich gegen eine höhere Abgeltung der Leistungen des Basler Theaters gewehrt haben (u.a BaZ: "Baselbieter lassen das Theater fallen").

Nach dem "Positiv-Beispiel" Universität dürfte das Thema "Zentrumsleistungen" mit der Theaterfrage wieder mit Macht an die Oberfläche kommen.