Samstag, 29. November 2008

Fazination Afrika: Horror und Sehnsucht

Afrika, immer wieder Afrika.
Natürlich treibt mich zur Zeit vorallem der Kongo um. Ich lese alles, was ich in den Medien finde. Es sind immer auch Gedankenreisen, meine persönlichen Erinnerung sind wieder maximal präsent. Wenn ich Reportagen von Kollegen aus dem Kongo lese, lebe ich sehr intensiv mit.

Ich kann die Luft über der feuchten Dschungelstrasse riechen, wenn ich das Bild der beiden toten Soldaten sehe, welche der Fotograf Marcus Bleasdale im Hinterland von Goma aufgenommen hat. Ich höre das leise Knirschen der Sohle seiner Treckingschuhe auf dem nassen, roten-gelben Mergel auf der Strasse, wenn er sein Foto knipst. Ich kenne das unerklärliche Gefühl, das er empfindet, wenn er wieder zu seinem Fahrer in den Landrover steigt und sie vorsichtig - irgendwie respektvoll - um die Leichen auf der Strasse herumkurven und zurück in ihr Hotel in Goma oder Gisenji fahren.

Wenn Thomas Scheen von der FAZ - oder Les Neuhaus von Al-Jazeera oder .....- beschreibt, wie er über den letzten Kontrollposten der UNO hinausfährt, in das von den Rebellen kontrollierte Gebiet, dann sehe ich, wie hinter einer Kurve noch weit weg ein Strassensperre auftaucht. Während wir auf die Sperre – ein simples Seil zwischen zwei leeren Oelfässern - zufahren, zieht eine schales Gefühl zuerst meinen Mund und Hals zusammen und kriecht dann in meinen Bauch. Alle Sinne sind maximal wach, alarmiert, die Welt rundum beginnt in Zeitlupe zu laufen und fokussiert nur noch auf die zwei Gestalten, welche neben der Barrikade herumhängen:
Sind es Mai-Mai? – das wär das heikelste - oder Regierungssoldaten? - vielleicht besser - oder Rebellen? – das wär das Beste, denn die sind die Diszipliniertesten. Wie sind die Typen drauf? Sind sie vollgepumpt mit Drogen oder Alkohol?
Der Kameramann macht die Kamera runter zwischen seine Beine hinterm Beifahrersitz. Wir rollen im Schritt-Tempo auf die Barrikade zu. Low profile, entspannt wirken. Ich weiss, jetzt kommt es auf die ersten 5 Sekunden der direkten Kontaktnahme an, den ersten direkten Blickkontakt, die erste Ansprache: Entspannt sich der Ausdruck in den Augen des jungen Soldaten?... dann können wir zwei Minuten später mit den Typen ein Bier trinken und über blonde Frauen reden. Verhärtet sich der Ausdruck? ........ darüber erlaube ich mir nicht, nachzudenken.

Ich identifiziere mich sehr stark mit den Kollegen, die aus dem Kongo berichten, sobald sie Persönliches beschreiben oder wenn ich sie im Bild sehe. Ich bilde mir ein: sie sind wie ich. Und dann bin ich doch frappiert, wenn sie Sätze sagen oder schreiben, die ich meine, selbst gesagt oder geschrieben zu haben.
Im Interview mit dem ZeitMagazin sagt Marcus Bleasdale auf die Frage: „Warum tun Sie sich den Kongo seit zwölf Jahren immer wieder an?“:
„Ein Freund von mir sagt immer: Der Kongo ist einer dieser seltsamen Orte, den du nach deiner Ankunft gleich wieder verlassen willst. Wenn du ihn dann aber verlässt, sehnst du dich sofort wieder zurück. Das Land ist einnehmend und abstoßend zugleich. Es ist wie eine Droge.“

Ich kenne Marcus Bleasdale nicht, ich bin also sich auch nicht der Freund, den er zitiert, aber genau diese Beziehung zum Kongo - zu Schwarz-Afrika überhaupt - empfinde ich und habe sie auch schon mehrfach in ziemlich genau diesen Worten ausgedrückt.

Auch jetzt ist die Anziehung Afrikas sehr stark. Ich kann gar nicht wirklich verstehen, warum ich nicht dort im Kongo bin. Aber gleichzeitig bin unglaublich froh, dass ich nicht hingehen muss. Ich stelle mir schon vor, wie ich die letzte Nächte vor der Abreise zu Hause im wunderbaren, eigenen Bett von Albträumen heimgesucht werde. Es ist nicht so sehr die Angst, dass ich vielleicht nicht mehr zurückkehren werde. Es sind die alltägliche, praktische Sorgen einer Afrikareportage: Polizisten, die mich schikanieren, weil sie Geld von mir wollen; das Feilschen mit dem Besitzer eines Geländewagen; das Umgarnen eines Kindersoldaten an einer Strassensperre. Es ist dieses Ausgeliefertsein, diese Abhängigkeit von der Willkür von Menschen, die ich nicht wirklich kenne, die ich immer irgendwie auch als Bedrohung empfinde, welche mich stresst.

Und gleichzeitig erlebe ich schon das Gefühl der unglaublichen Erleichterung am Ende eines Afrikatrips, wenn das Flugzeug vom afrikanischen Boden abhebt und ich aus sicherer Höhe auf den traumhaft schönen Kivusee und die Virunga-Berge herunterblicke, wenn dieser Kontinent - in dem ich mich so bedroht fühle, der mich so vereinnahmt, sich langsam im Dunst auflöst. Aber mit jedem Kilometer, den ich mich mich entfernen darf, wächst auch wieder die Sehnsucht, nach Afrika zurückzukehren.

Noch mehr Zorn

Jetzt haben wir sie wieder 3 Tage lang gesehen, die kalte, selbstzerstörerische Wut der "Generation Zorn" der jungen Islamisten, wie ihn Peter Sloterdijk, aber auch andere Intellektuelle im Westen beschrieben haben (siehe den entsprechenden älteren Contextlink-Beitrag hier). Ein Zorn als Resultat über Generationen aufgestauter Frustrationen, Erniedrigungen und fehlender Perspektiven.
Mumbai scheint wie die pessimistische Antithese, die Bestätigung von Huntington's "Clash of Civilisation", zu Mahbubanis Optimismus über die friedliche Zukunft der Welt dank der "Rückkehr Asiens". Doch auch Mahbubani ist sich wohl bewusst, dass auf dem Weg zu seiner optimistischen Vision, noch viele Schmerzen zu erleiden sein werden.

Es ist sogar möglich, dass sich der Terroranschlag zu einem grösseren Problem nicht nur zwischen Indien und Pakistan entwicklet, sondern auch fü den Rest der Welt. (siehe dazu die aktuelle Analyse von Stratfor "Movement in the Post-Mumbai World")

Trauer und Wut
Viele Intellektuelle aus dem Nicht-Westen sind nicht nur traurig über das, was sich eben wieder in Mumbai erreignet hat, und was sich morgen schon wieder anderswo auf dieser Welt erreignen wird. Sie sind auch zornig - vor Hilflosigkeit. Wie der algerische Schriftsteller Mohammed Moulessehoul, der seine Bücher unter dem Pseudonym Yasmina Khadra veröffentlicht. Er hat dem Tagesanzeiger ein im wörtlichen Sinn bedenkliches Interview gegeben, welches auch auf baz.online erschienen ist. Find ich gut. Die Kommentare dazu zeigen, wie nötig es ist, dass solche Artikel künftig häufiger erscheinen. Wir müssen uns mit der Sicht anderer auf die Welt auseinandersetzen.

Schlüsselsätze von Yasmina Khadra:

"Auf der einen Seite haben wir den Westen, der nur auf seinen Bauchnabel schaut und .... Auf der anderen Seite, was dem Westen gegenübersteht: Gesellschaften, die völlig auf sich selbst gestellt sind und in ihrer Verzweiflung Hand an sich legen."

"Die Menschheit hat einen solchen Grad von Dummheit erreicht, dass sie nicht mehr zwischen Gut und Böse zu unterscheiden weiss. Was in Mumbai geschehen ist, überrascht mich nicht. Der Terror ist das logische Ergebnis eines gesellschaftlichen Nervenzusammenbruchs."

"Der Stoffwechsel mit den alten Werten, die uns zu kulturellen Wesen machten, ist gestört. Wir sind zu Zombies geworden, die nicht mehr wissen, wo sie ihr Heil finden können. Wir sind überzeugt, dass die Jagd nach Profit die einzige Form des Überlebens ist, und fallen zurück in tierische Verhaltensweisen."

"Diese (orientalischen) Gesellschaften sind in der Regel noch ganz benommen von einer langen kolonialen Dunkelheit. Während der ausländischen Besatzungszeit haben sie die alten Massstäbe, die ihre Kraft und Weisheit darstellten, verloren. Das hindert sie daran, die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. In dieser Leere setzt eine Fäulnis ein, die das Fundament des Fanatismus bildet."

"Wir (orientalischen Gesellschaften) haben es von innen heraus zerstört wie die Termiten. Irgendetwas fehlt uns. Die Leute haben nichts zu tun. Es gibt keine Kinos, keine Theater, keine Arbeit, keine Wohnungen. Sie können nicht einfach eine Frau lieben oder sich ins Café setzen. Kein Wunder, wenn sie durchdrehen!"

"Die Menschen vegetieren dahin - bis zu dem Tag, da jemand kommt und sagt, ihr seid nicht zur Untätigkeit verdammt, wenn ihr uns folgt."
"Und was haben diese Erlöser zu bieten?"
"Gewalt, immer nur Gewalt. Dahinter steht ein Versagen des Verstands. Das ist aber kein Zukunftsprojekt, wenn die Leute nichts einbringen können ausser ihrer Wut."

"Die muslimische Welt an sich ist keine Bedrohung für den Westen. Ihre Völker haben viel zu viele eigene Probleme, als dass sie sich mit Angriffsstrategien gegen den Westen beschäftigen würden. Heute wird im Westen selbst mit der Angst regiert. Man beschwört eine enorme Bedrohung herauf, die den Verstand der Wähler im entscheidenden Augenblick lähmt..."

"Die Schutzmassnahmen gegen mögliche Anschläge haben den Boden für eine Tyrannei bereitet. Wo Sie gehen und stehen, werden Sie überwacht. ... Die Freiheit ist im Namen der Bedrohung abgeschafft – und die Leute sind nicht einmal schockiert darüber. Sie gleichen einer Schafherde, mit der man anstellen kann, was man will."

Lösungen, Auswege?
Lösungen, wie diese immer Aufflackernde Wut überwunden, wie der Nicht-Westen und die muslimische Welt Wege in eine gemeinsame, friedliche Zukungt entwicklen, hat Yasmina Khadra keine, aussser: "Zwei Dinge muss er (der Weszen) einstellen: Manipulation und Desinformation." Dies ist eine neue Kritik am Westen, die auch Mahbubani erhebt, aber er zeigt positive Wege auf, an die wohl auch Khadra glauben möchte: Die Modernisierung des Nicht-Westen. Und der ist unausweichlich und trotz allen Rückschlägen wie Mumbai in vollem Gang.

Freitag, 28. November 2008

Fokus Asien

Buchstäblich mit Gewalt springt uns Asien zur Zeit ins Bewusstsein. Blutiger Terrorismus in Indien, Massenproteste in Thailand.

Gleichzeitig beginnt sich die westliche Welt darauf einzustellen, dass Asien eine neue, starke Rolle in der Weltordnung nach der aktuellen Wirtschaftskrise spielen wird. Und es ist offensichtlich: Der Westen muss zuerst lernen, mit diesem Asien umzugehen. Er muss es schnell tun, denn Asien wird nicht warten.

Es gibt Kreise im Westen, die Asien - und speziell China - zum neuen Feindbild hochstilisieren und es gibt Kreise, die Asien als neue Positivkraft einer post-anglophonen Moderne sehen.

Geradezu euphorisch feiert der Singaporer Politikwissenschaftler Kishore Mahbubani „Die Rückkehr Asiens“ und „Das Ende der westlichen Dominanz“. Diese asiatische Sicht auf die Welt tut richtig gut. Allerdings werden einige der Einschätzungen, die Mahbubani bei der Niederschrift seines Buches 2007 gemacht hat, durch die aktuelle Entwicklung als all zu optimistisch entlarvt.

Angesichts des schrecklichen Islamistischen Terrors, den die Welt zur Zeit via Fernsehen in der Indischen Megastadt Mumbai miterlebt , würde ich ihn gerne Fragen, wie dieser Gewaltexzess, der nur der bisherige Höhepunkt einer ganzen Reihe terroristischer Ereignisse in Indien in den letzten Jahren war, mit seiner Einschätzung zusammengeht, Indien werde künftig in der neuen Welt ein Motor der Integration unterschiedlicher Kulturen sein (S: 190): „Die indische Fähigkeit, andere Kulturen aufzunehmen, könnte die Rolle Indiens in den Beziehungen zwischen dem Osten und dem Westen bestimmen.... Diejenigen im Westen, die ein friedliches Zusammenleben mit der islamischen Welt für unmöglich halten, sollten sich ansehen, wie es Indien gelungen ist, so viele Kulturen zuzulassen – von der hinduistischen, über die buddhistische und islamische bis zur christlichen – und wie die meisten von ihnen während des grössten Teils seiner Geschichte in Frieden miteinander lebten.“

Auch Mahbubanis Einschätzungen über die neue Rolle Chinas in der neuen Weltordnung werden stark relativiert: China wird von der vom Westen ausgegangen Finanzkrise viel stärker betroffen als erwartet. Die Abhängigkeit Chinas von den Märkten in den USA, Europa und Japan ist offensichtlich, genauso wie die sozialen Probleme.

Da ist aber beileibe kein Grund für den Westen, irgendwie zu triumphieren, wie das erstaunlicherweise der Herausgeber der „Zeit“ , Josef Joffe, in der neusten Ausgabe (49/2008) passiert: „Die Krise zeigt gnadenlos die Schwäche Asiens.“ Richtig zynisch wendet er sich „den asiatischen Aufsteigern zu, die bekanntlich gerade dabei sind, 200 Jahre westlicher Vorherrschaft zu knacken.“ Mit Blick auf die Auswirkungen der aktuellen Krisen macht Joffe einen „Zwischenbericht: Die Aufsteiger werden weder die Retter noch die Rächer geben: Sie sind selber Teil der globalen Krise, und in der offenbaren sie nur ihre Schwächen.“

Fast scheint es, als habe Joffe bei seiner Erleichterung schon im Titel „Abendland ade? Keinesfalls“ nicht alle Artikel in der aktuellen Ausgabe der eigenen Zeitung gelesen: Max Otte schreibt in seinem sehr spannenden Beitrag im Zeit-Dossier „Wo ist das Geld geblieben“, wie China die aktuelle Krise nutzt, „um sich billig in westliche Firmen einzukaufen“.
200 Milliarden Dollar stehen dem chinesischen Staatsfond CIC für Investitionen zur Verfügung.“ Gao Xiqing, der Chef der CIC, hat den Auftrag, „80 Milliarden davon in ausländische Unternehmen zu investieren“. So hat er für 5 Milliarden Dollar Anteile der grössten US-Investmentbank Morgan Stanley übernommen und als er gar den chinesischen Anteil auf 49 Prozent steigern wollte, sind die Amerikaner in die Arme der Grossbank Mitsubishi UFJ geflohen, einem anderen asiatischen Grosseinkäufer im Westen.
„Schon länger fürchten amerikanische Politiker“, schreibt Otte, „ die Chinesen wollten ihr Land aufkaufen. Gao Xiqing hat darauf immer die gleiche Antwort: Politische Einflussnahme sei nicht sein Auftrag. 'Wir wollen nur Profit machen'. Er hat eben erst angefangen.“

Chinas Weg in die Moderne scheint unaufhaltsam, dürfte aber nicht so schnell dominant stattfinden, wie das Mahbubani 2007 gehofft hat. Aber viele Entscheidungsträger und möglichst viele ihrer Berater sollten Mahbubani lesen. Er hilft, die Sichtweise Asien zu verstehen, nicht zuletzt auch, dass der Westen vom Aufstieg Asiens nichts zu befürchten hat, sondern vielmehr davon profitieren wird.

Donnerstag, 27. November 2008

Warum werden keine Dividenden zurückgezahlt?

Die Finanz-Manager stehen weltweit am Pranger, weil sie Millionen an Boni abkassiert haben, während sie ihre Firmen an den Rand des Abgrunds fuhren. Unter dem Druck der öffentlichen Empörung mimen Topmanager Reue. Bisher dato (27.11.08 2200 Uhr) haben z.B. UBS-Manager eingewilligt, 70 Millionen Franken ihrer in den letzten Jahren kassierten Boni zurückzuzahlen. Scheint ja auch in Ordnung. Es waren ja auch Prämien für Verdienste, die sich langfristig als unberechtigt erwiesen haben.

Nur: warum eigentlich richtet sich die ganze Empörung nur gegen die Manager? Wirklich abgesahnt haben in den letzten Jahren zuallererst die Aktionäre, die Shareholder. Warum wird nur die Rückzahlung der Boni der Manager reklamiert? Warum nicht auch die Rückzahlung der Gelder, die als Dividenden an die Aktionäre ausgeschüttet wurden?

Schon länger frappiert mich eine Zahl: Die UBS hat in den ersten 10 Jahren seit ihrer Existenz gut 66 Milliarden Schweizer Franken Gewinn gemacht. Fast genau diese Zahl (68 Milliarden) stellt die öffentliche Hand - und damit wir Steuerzahler - der UBS im Rettungspaket zur Verfügung. Meine Milchmädchenrechnung: Hätte die UBS ihre fetten Gewinne auf die hohe Kante gelegt oder in den Sparstrumpf unter die Matratze gesteckt, hätten sie heute nicht die Hilfe des Staates gebraucht. Der Staat könnte das Geld gut für Dinge gebrauchen, die den Schweizerinnen und Schweizern wirklich zugute kommen.

5 bis 6 Milliarden Franken würden nach Angaben der Experten (u.a. B. Schips, ex-KOF) genügen, um die Schweizer Wirtschaft via ein Konjunkturprogramm wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Die 6 Milliarden fehlen aber, weil der Bund genausoviel Geld in die UBS steckt "zur Stärkung der Eigenmittelbasis der UBS".

Als einen der Gründe, warum die Kantonalbanken heute viel besser dastehen als die Grossbanken, nannte der oberste Chef der Basler Kantonalbank, Willy Gerster, in einem Gespräch mit baz.online die "konservative Politik" der Kantonalbanken: Weniger Gewinne "abzuschöpfen". Anders als die Manager der Geschäftsbanken stünden sie eben nicht so sehr unter Druck, kurzfristig Gewinne zu realisieren und diese laufend abzuschöpfen, um die Bedürfnisse ihrer Shareholder zu befriedigen.

Einen guten Teil der 66 Milliarden Gewinn hat die UBS bis letztes Jahr als Dividenden an die Aktionäre ausgeschüttet. Wieviel genau, schaffe ich nicht auszurechnen. Die Theorie sagt, dass in der Regel 40 bis 60% des Gewinns an die Aktionäre ausbezahlt wird. Die Summe der ausgeschütteten Dividenden wird nie ausgewiesen, sondern jeweils nur der Betrag pro Aktie. Soviel zur Transparenz. Natürlich kann man die genaue Zahl ausrechnen, aber niemand tut das öffentlich, auch nicht die Medien. Wie auch immer:
Die UBS-Aktionäre dürften seit 1998 so zwischen 30 und 40 Milliaren Franken abkassiert haben.

Warum zeigt niemand mit dem Finger auf diese Aktionäre? Warum fordert man nicht von ihnen die Dividende zurück. Wenn die Aktionäre dem Beispiel ihrer Manager folgen würden und ihrerseits wenigstens einen Teil der unberechechtigt abgeschöpften Gewinne zurückgeben würden - sagen wir 10 bis 20 Prozent -, dann wäre die Schweiz die gröbsten Sorgen los. Dann wäre die Konjunktur erfolgreich angekurbelt, es gäbe nächstes Jahr keine Rezession, viel weniger gewöhnliche Leute würden arbeitslos oder müssten auf ihre Ferien verzichten oder .... und die Schweizer Wirtschaft könnte nächstes Jahr wieder Gewinne erwirtschaften, der Staat müsste keine massiven Steuereinbussen in Kauf nehmen .... und die Aktionäre könnten selbst auch wieder höhere Dividenden kassieren.

Aber niemand zeigt mit dem Finger auf die, die wirklich abgezockt haben in den letzten Jahren. Warum werden nicht die Aktionäre in die Verantwortung genommen? Es wirkt doch reichlich zynisch, wenn die Aktionäre der UBS heute dem Rettungspaket der Steuerzahler "zustimmen" und den reuigen Managern für die Rückzahlung der Boni zuklatschen. Die 70 Millionen Boni der Manager sind ein Klacks im Vergleich zu den den 30 - 40'000 Millionen, die die Aktionäre nicht zurückbezahlen.

Donnerstag, 20. November 2008

Toiletten als Indikator für Entwicklung

Am Mittwoch war Welt-Toilettentag. Der 19. November ist auch der Gründungstag der Welt-Toiletten-Organsiation (WTO). Die NGO WTO wurde 2001 gegründet. Heute zählt sie 151 Mitgliederorganisationen in 53 Ländern.

Die WTO ist kein Scheiss, sondern eine sehr wichtige Organisation, die auch sehr ernst genommen wird. Die zum World Economic Forum (WEF) gehörende Schwab Stiftung hat die WTO 2006 ausgezeichnet als "Outstanding Social Entrepreneur of the Year", als "Ausserordentlicher Sozialunternehmer des Jahres".
Die WTO unterstützt eines der Ziele der Millenium Goals (MDG), die Halbierung der Zahl der Menschen bis 2015, die keinen Zugang zu Basis-Sanitärinstallationen haben.
2,6 Milliarden Menschen haben heute keine Toilette. Davon 980 Millionen Kinder.

Die Mission der WTO: Weltweite Verbesserung der Toiletten und Sanitären Einrichtungen.
Und die Vision: Gesundheit und Würde für alle dank guten Toiletten und nachhaltigen Sanitäreinrichtungen.

Die WTO musste zuerst die Erfahrung machen, dass das simple Werben für Toiletten mit der Argumentation Hygiene und Gesundheit nicht ausgereicht hat, um arme Menschen zu überzeugen, Geld für eine gute Toilette auszugeben. Deshalb zielt die WTO darauf ab, die Toilette zu einem Statussymbol und einem Wunschobjekt für Arme zu machen.

Gute, hygienische Toiletten sind zu einem Indikator für Entwicklung geworden.

Wir sind uns kaum mehr bewusst, welches Privileg es ist, über eine gute, saubere Toilette mit Wasserspülung zu verfügen. Einige Aeltere haben eine Erinnerung an eine "Bängelschissi" oder ein "Plumpsklo" irgendwo draussen vor dem Hof oder vor der Berghütte. Aber wir sind uns selten des Komfortes bewusst, der es uns erlaubt, stundenlang mit einer Zeitschrift oder einem Buch (oder dem Laptop) auf den Knien auf der Schüssel zu hocken bis uns die Füsse einschlafen und dann einfach die Spülung zu betätigen, ohne dass wir uns um den Rest, sprich die saubere Entsorgung kümmern müssen.

Für den singaporischen Politikwissenschaftler Kishore Mahbubani ist die Toilette mit Wasserspülung das Sinnbild der Moderne, genauer des "Aufbruchs in die Moderne". In seinem augenöffnenden Buch "Die Rückkehr Asiens. Das Ende der westlichen Dominanz" beschreibt er die Sensation, als er - mit 1o Jahren, also wohl 1958 - als einer der Privilegierten in Singapur ein Wasserklosett bekam. "An jenem Tag hatte ich das Gefühl als würde sich mein Leben auf magische Weise verändern. Mir wurde plötzlich klar, dass ich ein würdevolles Leben führen konnte...." (Mahbubani S: 23).
Ein würdevolles Leben. Das zählt.

Für Mahbubani könnte die private Verfügbarkeit eines Wasserklosetts "der beste Indikator dafür sein, wie viele der 6.5 Milliarden Menschen auf der Welt noch in vormoderner Welt leben." Nach inoffiziellen Schätzungen haben nur 15 bis 20 Prozent der Menschen Zugang zu einem WC mit Wasserspülung. Gemäs der offiziellen Statistik der UNO, welche auch die WTO verwendet, haben 2,6 Millionen Menschen gar keine Toilette. 42 Prozent verscharren also ihre Exkremente bestenfalls irgendwo in der freien Natur oder erleichtern sich einfach an einer Hausecke.

So erstrebenswert ein Wasserklosett für alle ist, mir kommt doch der bedenkliche Einwand..... und was, wenn wirklich alle ein WC mit Wasserspülung haben? Hat die Welt überhaupt genug Wasser dafür? Mit jedem Mal, in dem wir die Spülung betätigen, lassen wir 6 Liter Wasser in die Kanalisation rauschen. Nur, wie komme ich dazu, Milliarden von Menschen das Recht auf einen Konfort abzusprechen, der für mich absolute Selbstverständlichkeit ist.


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Super-Viktor: Bundesratswahl

Ich freue mich schon wieder auf Sonntagabend, wenn wieder Giacobbo/Müller auf SF kommt. Ob sie die letzte SVP-Bundesratswahl-Persiflage toppen können, wage ich aber zu bezweifeln. Das SVP-Stück zur Bundesratswahl finde ich heute noch sensationell (Müller's Toni Brunner!) und aktuell:



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Dienstag, 18. November 2008

"Follow the money trail"


Robert Stewart hat mir immer wieder geraten: Wenn Du wissen willst, was wirklich Sache ist, dann verfolge die Spur des Geldes. Die gilt natürlich auch für den Kongo, wo Robert lange Jahre selbst kräftig mitgemischt hat. Er hat damals im Auftrag der grössten Engineering-Firma der Welt, der amerikanischen Bechtel- Corporation, einen umfassenden Plan der Bodenschätze im Kongo erstellt. Basis waren Satellitenaufnahmen der NASA, die der amerikanische Geheimdienst CIA beigesteuert hat.

Alle wissen, dass es auch beim aktuellen Krieg im Ost-Kongo nicht um "Stammesfehden" geht. Die Rivalitäten der "Volksgruppen" sind nur das Vehikel, um handfeste wirtschaftliche Interessen durchzusetzen. Alle wissen, dass es bei all den Kriegen in den letzten Jahren eigentlich immer auch um die Rohstoffe im Boden des Kongo ging. Und das ist auch beim jetzigen Konflikt wieder so.

Hintergrund des aktuellen Kriegs im Kongo :
Die aktuelle Regierung der Demokratischen Republik Kongo (DRK) unter dem jungen Präsidenten Josef Kabila hat in den letzten Monaten versucht, einen Ueberblick über das Chaos der teils konkurrierenden Konzessionen zur Ausbeutung der reichsten Rohstoffvorräte der Erde zu bekommen. Ziel war es, endlich Klarheit in die Besitzverhältnisse zu bringen - und wohl auch die Konzessionen möglichst gewinnbringend neu zu verteilen. Tatsächlich warten grossen ausländische Investoren nur darauf, dass Ordnung und Stabilität im Kongo einkehrt. Nur wenn sie sicher sind, dass ihre Investitionen langfristig gesichert sind und die teuer erworbene Konzession nicht durch einen nächsten Machthaber wieder an einen anderen Investor weitergegeben wird, sind sie bereit, das nötige Geld im Kongo zu investieren. Und es sind gewaltige Investitionen nötig, um das riesige Land nur schon mit der nötigen Infrastruktur (u.a Strassen, Elektrizität, etc.) zu versehen.

Der lange erwartete Plan zur geordneten Ausbeutung der Bodenschätze mit der Vergabe entsprechender Förder-Konzessionen stand unmittelbar bevor, als der jüngste Konflikt im Kivu eskalierte. Das kann kein Zufall sein und bietet natürlich Anlass zu Spekulationen und Verschwörungstheorien. Sicher ist jedenfalls, dass mit der Eskalation des Krieges die Pläne zur Konzessionsvergabe gescheitert oder zumindest auf längere Zeit verschoben sind. Der Prozess zur Vergabe wurde inzwischen offiziell gestoppt. Sogar die UNO mutmasst, dass dadurch die Karten noch einmal neu gemischt werden. Es ist davon auszugehen, dass nicht nur die Preise für die Konzessionen nach dem Krieg viel billiger sein werden, sondern dass womöglich auch andere Investoren berücksichtigt werden. Und damit wäre das eigentliche Ziel des aktuellen Krieges eigentlich schon erreicht.
Für den Kongo und seine Bevölkerung ist das sehr schlecht. das erhoffte Geld wird noch länger nicht ins Land kommen, die Infrstruktur wird nicht verbessert und die Machtkämpfe der Chefs werden weitergehen.

Die Player und ihre Interessenvertreter
Interesse an diesem Krieg hatten und haben im Prinzip zwei Parteien: Erstens diejenigen, die bei der geplanten Konzessionsvergabe zu kurz zu kommen glaubten und zweitens die, die überhaupt nur Geschäfte machen können, wenn die Instabilität im Lande andauert, z.B. die Warlords und ihre Geldgeber im Hintergrund.

Zur ersten Gruppe gehört interessanterweise auch die Regierung Kabila in Kinshasa. Sie hat in den letzten Monaten vor der geplanten Konzessionsvergabe versucht, ihr Einflussgebiet im Kivu mit Hilfe der eigenen Armee von schlecht ausgebildeten, nie bezahlten Marodeuren zu sichern und auszudehnen. Damit sollte der Anteil Ugandas und Ruandas am Minengeschäft im Ostkongo zurückgedrängt werden. Damit hat sich die kongolesische Armee aber mit den viel besser ausgebildeten und ausgerüsteten "Rebellen" von Laurent Nkunda angelegt, der die Interessen der Nachbarn Uganda und Ruanda im Kongo wahrnimmt.
Weil die marodierende kongolesische Armee aber bei ihren Einsätzen vor allem die Bevölkerung des Kivu drangsalierte, deren Dörfer plünderte, Frauen vergewaltigte und immer wieder Massaker anrichtete, konnte Nkunda mit dem Argument des Schutzes der Tutsis in der Region zur Gegenoffensive übergehen und damit weitere Rohstoffminengebiete, insbesondere solche, die von der Hutu-Armee FDLR beherrscht wurden, und Transportrouten unter seine Kontrolle bringen.

Das aber hat wiederum eine ganze Reihe anderer Interessenten, die üblicherweise im Hintergrund bleiben, alarmiert.
Eben die, die darauf gezählt hatten, von der Regierung in Kinshasa Konzessionen für die Minen zu erhalten, die Nkunda jetzt wieder für seine Hintermänner sicherte - mögen sie in Uganda Salim Saleh (rechts) oder Khalil Nazeem Ibrahim heissen oder in Ruanda Ali Hussein oder Tibero Rugijiro.

Und plötzlich droht wieder ein "afrikanischer Weltkrieg":
Die Diamanten-produzierenden Angolaner und Namibier mischen mit, die Zimbabwer versuchen die Interessen ihrer wichtigsten privaten (weissen) Investoren (Billy Rautenbach (links), John Bredenkamp) zu schützen, die Südafrikaner (De Beers, Anglo American) schicken ihre privaten Söldnertruppen und darüberhinaus gibt es noch eine ganze Reihe von privaten Figuren, die über das Potential verfügen, geldgierige Warlords für ihre Dienste einzusetzen.
Zu ihnen gehören neben anderen die Israeli Benny Steinmetz und Dan Gertler (Foto rechts), der als einziger Weisser an der Hochzeit von Staatchef Josef Kabila dabei war, oder "der grosse alte Mann des kongolesischen Bergbaus" George Forrest, ein im Kongo geborener Belgier.

Und weil es um sehr viel Geld geht, mischen auch ein paar russische Figuren mit .... und natürlich ist das ganze auch irgendwie mit dem Finanzplatz Schweiz verhängt. Immerhin ist die Schweiz mit Zürich und Genf einer der wichtigsten Rohstoffhandelsplätze der Welt. Ueber die Schweiz läuft speziell das Gold und Diamantengeschäft, aber auch andere wertvolle Metalle - und Oel und Gas. So wundert es niemanden, dass auch der Welt grösster Rohstoffhändler, die Firma Glencore mit Sitz in Zug, kräftig mitmischt. Sie ist mit allen wichtigen Akteuren des Minengeschäfts im Kongo verbandelt, ist beteiligt an deren Firmen und sorgt diskret für den Ab- und Umsatz auf dem Weltmarkt.

Wer kämpft für wen? (Beste Uebersicht bei IPIS)
Grundsätzliche gilt: Die Rebellen (heute die Truppe Laurent Nkundas) kämpfen für die Interessen Ugandas und Ruandas. Die kongolesische Regierungsarmee für die Interessen des Kongo und seiner südlichen Nachbarn. Meist auf Seiten der kongolesischen Regierungstruppen kämpfen die Ueberreste der aus Ruanda geflohenen Hutu-Armee und die lokalen Mai-Mai-Milizen. Doch sie sind unsichere Partner. Bei allem ethisch aufgeladenen Hass auf die Tutsi (die Ugander, die Ruander) geht es ihren Chefs und Häuptlingen vor allem um Geld und um Waffen. So dealen die Hutus auch mal mit den Ruandern oder die Mai-Mai streiten sich mit den Regierungstruppen um die Herrschaft über eine einzelne Mine. Es kann aber auch sein, dass die Ugander und die Ruander, respektive ihre Stellevertreter, aufeinander losgehen, wie das im Jahr 2000 beim Krieg um die Vorherrschaft in der Diamantenstadt Kisangani ging.

Aber eben: Das ist alles so unglaublich kompliziert. Der Kongo ist weit weg und was geht es uns an, wenn dort unten ein paar unterentwickelte Neger ihrer Stammeskämpfe gegeneinander austragen.

Montag, 17. November 2008

Asien tut der Welt gut

Der Finanzgipfel von Washington hat viele positive Zeichen, viel Zuversicht und erwartungsgemäss nicht viel wirklich Konkretes gebracht. Stratfor-Herausgeber George Friedmann nennt die Schlusserklärung gar "meaningless", bedeutungslos. Die Lösung der Wirtschaftskrise scheint plötzlich nicht mehr so dringlich. Die Welt wartet auf den neuen US-Präsidenten Obama. Die G-20 will sich erst im nächsten März wieder treffen.

Noch immer standen in washington die Regierungschefs des Westens bei den Medienkonferenzen im Vordergrund - zumindest in denen, die bei uns gezeigt wurden. Aber für alle scheint es jetzt selbstverständlich, dass eine ganze Reihe Staaten aus anderen Kontinenten künftig nicht mehr nur zur Kaffeepause eingeladen sein werden, wie es Brasiliens Finanzminister Guido Mantega formulierte, sondern mit am Tisch sitzen und mit entscheiden werden. Das sind auch Schwellenländer wie Brasilien aus Südamerika, aber vor allem ist es Asien ( China, Indien, Iran, Saudiarabien).

Der Singaporer Politikwissenschaftler Kishore Mahbubani hat ein Buch geschrieben, das weltweit Beachtung findet.
Nicht nur schreibt Mahbubani selbstbewusst, "der Aufstieg Asiens wird der Welt gut tun", gut tut vorallem auch seine andere Sicht auf die Welt. Schon der Titel zeigt das: "Die Rückkehr Asiens".
Da spricht das Selbstvertrauen und Bewusstsein eines Menschen, der sich in einer Tradition versteht, die sich vor dem Westen nicht zu verstecken braucht.

Immer frappierend für uns Westler ist schon die Perspektive, aus der ein Asiate die Welt betrachtet. Wir sind auf ihrem Globus, auf ihrer Weltkarte irgendwo am äussersten Rand links-oben, kaum wahrnehmbar. Die Welt, die im Blickfeld, die im Zentrum steht, beginnt für die absolute Mehrheit der Menschen dieser Erde ganz links aussen mit Israel und endet rechts mit Japan. Israel und Japan bezeichnet Mahbubani in seinem Buch als "die beiden einzigen modernen Gesellschaften Asiens" im alten (westlichen) System.
Israel gehört zu Asien. Das ist geographisch unbestritten, aber für uns - und für Israel selbst - gehört Israel klar zur westlichen Hemisphäre. Erst an Israels Ostgrenze beginnt für uns "die fremde Welt".
Auf Grund seiner asiatischen Sicht auf die Welt, ist es aber für Mahbubani nichts als logisch, dass es eine Lösung für Israel nur gemeinsam mit den anderen asiatischen (arabischen) Staaten am Westende Asiens geben kann.

In einem ausführlichen Gespräch mit dem Leiter des angesehenen "Institute of International Studies" der Universität Berkley California, Harry Kreisler" erläutert Mahbubani seine Thesen.



Für Mahbubani wird die Welt dank dem Aufstieg Asiens sicherer und stabiler. Der Westen müsse sich nicht vor der aktuellen Machtverschiebung - oder zumindest der neuen Machtteilung - fürchten, sondern er könne sich viel mehr darüber freuen. Asien werde nicht einfach die Werte des Westens übernehmen, sondern zusätzlich eigene Kompetenzen einbringen.

In einem Interview mit dem Spiegel unter dem Titel "Schluss mit Belehrungen" hat Mahbubani zum Beispiel erläutert, warum es in der Welt auch Platz für autoritäre Regimes geben müsse:

SPIEGEL: Lehren Sie Ihre Studenten, dass autoritäre Staatsformen unter Umständen besser sein können als demokratische?
Mahbubani:
Interessant, dass es in Ihrem Verständnis nur Schwarz oder Weiß gibt, demokratisch oder autoritär.
SPIEGEL:
Gibt es Zwischenformen?
Mahbubani:
Ja. Uns geht es um verantwortungsbewusste Regierungsführung. Alle Staaten müssen verantwortungsbewusst geführt werden, Entwicklungsländer aber ganz besonders. Ob man das autoritär oder demokratisch macht, ist erst mal nicht so wichtig. Die Form muss zu einer Gesellschaft und zu ihrem Entwicklungsstand passen. China zum Beispiel wird nicht demokratisch regiert, aber verantwortungsbewusst.

Eine zentrale Rolle wird auch für Mahbubani der Iran spielen, nicht nur als Brücke zwischen Asien und dem Mittelmeerraum und Europa.

Den gleichen Blick auf die Welt hat auch ein anderer wichtiger Player der neuen Weltordnung, der Regierungschef Singapurs, Lee Hsien Long.
Asien werde gestärkt aus der Weltwirtschaftskrise hervorgehen, sagt er im Interview in der "Zeit" (Printausgabe 47/08), und an Einfluss gewinnen. Gleichzeitig beruhigt er den Westen mit einem auf den ersten Blick bescheidenen Argument: "China kann die Welt nicht retten." Die Krise habe dem Ansehen des Westens in Asien zwar geschadet und die Weltwirtschaft werde multipolarer. "Doch wenn es um Macht geht, denke ich, dass die USA die einzige Supermacht sind und es für eine ganze Weile noch bleiben werden. Die Chinesen wissen, dass sie sich auf ihr Wirtschaftswachstum konzentrieren und mit der Rückständigkeit und Armut eines grossen Teils ihres Landes umgehen müssen."

Sonntag, 16. November 2008

Krieg: Das hässlich normale Gesicht

Auf dem Bild von Al-Jazeera ist Boniface Ajbebjou. Er ist 32 Jahre alt und Korporal der Regierungsarmee des Kongo an der Front im Kivu. Er hasst die Soldaten der Rebellenarmee einen halben Kilomter weiter die Strasse runter. Wenn sie nicht wären, könnte er wieder heim nach Kinshasa. Nichts wünscht er sich mehr.

Al-Jazeera Reporter Les Neuhaus hat eine hässlichen Bericht von der Front im Kivu, auf Seiten der Regierungsarmee ins Netz gestellt. Er zeigt die Normalität dieses Krieges, der sich n nichts von anderen Kriegen unterscheidet. Die Soldaten sind kaputt, psychisch zerstörte Menschen, traumatisiert von dem, was sie erlebt haben, von dem, was sie selber angerichtet haben. Zynisch, häuifg zugedöhnt von Drogen oder Alkohol, fähig alles zu erleiden oder anzurichten. Sie sind Opfer und Täter.

Es herrscht ein ganz normaler Krieg im Osten des Kongo, wie damals in Troja oder am Rubikon oder in Bibracte oder in Marignano oder zu St.Jakob an der Birs oder in Dornach. Oder später in Verdun oder in Stalingrad, dann in Vukovar oder in Djakova oder in Faludja oder in Kandahar. Oder wie heute in Nadjaf oder in Goma und morgen in Tiflis oder in Pjöngjang oder in Täbris oder ...

Krieg eben. Er zerstört Menschen. Nicht nur die, die sterben.
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Samstag, 15. November 2008

Bretton Woods II: Kampf um Vormachtstellung

Stratfor denkt immer in militärischen Dimensionen. Es geht um Macht und Führungspositionen, um Strategie und Dominanz. Nach solchen Kriterien beurteilt Stratfor die Welt, und so beobachtet und interpretiert die in den USA sehr einflussreiche Nachrichtenagentur natürlich auch den G20-Gipfel von Washington:

1. Die Europäer unter der aggressiven Führung des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy streben die Schaffung einer internationalen Finanz-Kontrollbehörde an, in der sie (die Europäer) dominieren:
"Creation of a European-lead oversight body..."

2. USA werden aber auch mit ihrem neuen Präsidenten Barack Obama nicht bereit sein, ihre Vormachtstellung in der Weltwirtschaft "zu opfern": "(Obama) doesn't look as though he is prepared to sacrifice American primacy in the global economy."

Was an der aktuellen Stratfor-Analyse verwundert, ist die Fixierung auf das "Duell" Europa-USA. Welche Absicht verfolgt Stratfor (und die Amerikaner), dass sie versuchen, unsere ganze Aufmerksamkeit auf die Europa/USA-Frage zu lenken und gleichzeitig die Rolle Chinas still zu schweigen?

Während der Gipfel in Washington angelaufen ist, wird immer deutlicher, dass die Hoffnungen, die die Europäer in den künftigen US-Präsidenten Obama setzen, unrealistisch sind. Obama wird die Interessen von Wallstreet verteidigen.

Gleichzeitig müssen die Europäer zur Kenntnis nehmen, dass in Washington an diesem Wochenende wohl keine wirklich wichtigen Entscheide für eine Neuordnung der Weltwirtschaft fallen wird. Die Erwartungen der Europäer sind überzogen. Die Europäer versuchen offenbar vergeblich, jetzt - im Vakuum des nicht mehr handlungsfähigen Noch-Präsidenten Bush - Fait-Accomplis zu schaffen. Doch diese Taktik scheint bereits gescheitert. Die Welt wartet auf Obama.
Gleichzeitig spielt die USA auf Zeit ... und verhandelt wohl im Hintergrund mit den Chinesen und den Schwellenländern (Brasilien, Indien, Korea, etc.).
Das werden die Europäer aber wohl genauso tun. Es läuft im Hintergrund wohl ein wirklich spannender und extrem zukunftsreleavnter Weltthriller: Die neue Weltordnung.

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Sonntag, 9. November 2008

Kivu: Die andere Seite. Ordnung im Rebellengebiet


Rebellenführer Laurent Nkunda zeigt sich auch gern in staatsmännischer Pose  (Bild Spiegel-Online)

Wie immer gibt auch der Krieg im Kongo zwei Sichten auf die Lage.
Die allermeisten Medien des Westens berichten über die Lage im neusten Kivu-Krieg aus der Sicht der kongolesischen Armee und der UNO. Die Rede ist dann von Massakern der Truppen des Rebellenführers Laurent Nkundas, von Angst und Flucht der Bevölkerung, vom Chaos in Flüchtlingslagern.

Spiegel-online hat jetzt eine Reportage aus dem Gebiet im Kivu ins Netz gestellt, das seit einiger Zeit von der Rebellenbewegung Laurent Nkundas kontrolliert wird. Es liegt an der Grenze zu Uganda und ist von dort auch für Journalisten eigentlich leicht zugänglich, bietet aber weit weniger Spektakuläres: Hier herrscht Ruhe und der Alltag verläuft in geordneten Bahnen. Hier erscheinen die Rebellen nicht als unmenschliche Schlächter, sondern - in Polizeiuniform - als Garanten der Sicherheit im Alltag der Bevölkerung.

Es ist immer eine Frage des Blickwinkels - und des Reportagestandortes des Journalisten.




Ein blutiges Stück Kongo in unserer Tasche

"Er geht uns nichts an, der Krieg im Kongo. Er ist so weit weg und wir können nichts zu einer Veränderung dort beitragen."

Nicht wirklich. Nicht nur ist die Schweiz eine der Zentralen des weltweiten Rohstoffhandels, auf dem die Bodenschätze aus dem Kriegsgebiet gehandelt werden, mit deren Einnahmen der Krieg finanziert wird. Jeder und jede von uns hat heute ein kleines Stück Kongo in der Tasche, im Handy/Natel. Und es ist Blut dran.

80% des Coltans, welches in jedem Natel/Handy zur Anwendung kommt, stammt aus dem Kriegsgebiet des Ost-Kongo im Kivu.

Hier ein Video von Liberation Video News als Hintergrund:

Ziemlich peinlich, Herr Ogi

Stimmt das wirklich Herr Ogi, was die Medien heute schreiben? Dass Sie eine Taskforce fordern, die dafür sorgen soll, dass Obama möglichst bald die Schweiz besucht?

Wenn das stimmt, ist es arg peinlich-populistisch, denn natürlich wissen Sie genau so wie Bundesrat Merz, dass der gewählte US-Präsident zur Zeit Wichtigeres zu tun hat, als mit Ihnen wandern zu gehen.
Oder ist es einfach nur naiv-herzig gemeint von Ihnen? Jedenfalls erinnert es mich an eine eigene, kindliche Vorstellung:

John F. Kennedy wurde erschossen, als ich gut 7 Jahre alt war. Irgendwie habe ich damals mitbekommen, dass da etwas Schlimmes passiert war und man sich Sorgen für die Sicherheit in dieser Welt machte. Wir mussten damals immer still sein, wenn das Zeitzeichen von Radio Beromünster um halb eins den Beginn der Mittags-Nachrichten signalisierte. Und ich hatte in der Zeit ausgiebig die Bildbände zum 2. Weltkireg auf Vaters Büchergestell studiert.
Ich weiss nicht mehr genau, wie es dazu kam, aber in meinem Kopf setzte sich für lange die beruhigende Gewissheit fest, John F. Kennedy habe sterbend gesagt, er habe dafür gesorgt, dass Amerika weiterhin die Schweiz schützen werde.

So ähnlich, Herr Ogi, verstehe ich auch Ihren in den Medien zitierten Satz: "Es ist jetzt ganz wichtig, Barack Obama so schnell wie möglich positiv auf die Schweiz aufmerksam zu machen."

Sollte Herr Obama wider Erwarten doch die Schweiz besuchen, sind Sie ja vorbereitet. Wir wissen alle, was Sie ihm beschwörend ans Herz legen werden: Der Sport muss gefördert werden, denn "im Sport lernt man zu verlieren". Und einen Kristall "aus den Schweizer Bergen" werden sie ihm schenken. So einen Kristall wie den, den Sie schon UNO-Generalsekretär Kofi Annan geschenkt haben, so einen, wie den, den sie selbst immer in ihrer Hosentasche herumtragen und bei ihren Vorträgen schon mindestens 3784 mal hervorgeholt haben, wenn Sie die schöne Geschichte vom Verlierenlernen im Sport und ihrer Wanderung mit Kofi zum Oeschinensee erzählt haben.

Erlauben Sie aber, dass ich hoffe, dass Obama NICHT in die Schweiz zu Besuch kommt. Denn das würde heissen, dass die Schweiz tatsächlich weit oben auf seiner Prioritätenliste steht. Und das würde nichts Gutes bedeuten. Ganz sicher nicht für unser Bankgeheimnis.

Situation Kivu

Das neuste Video von Al-Jazeera. Aufgenommen am Samstag, wenige Kilometer ausserhalb von Goma:



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La Suisse de l'Afrique

Noch einmal, auch wenn es nur ein künstlicher Bezug ist:
Die Kriegsregion Kivu wird in Afrika gern auch "La Suisse de l'Afrique" genannt. Zum Beispiel heute wieder vom Online-Wirtschaftsmagazin für Afrika "Les Afriques", wo ich auch das Foto oben geklaut habe.
Auch in zahlreichen anderen Publikation wird wohl wegen den Bergen, den Seen und dem "Reichtum", der Kivu mit der Schweiz verglichen. Einige Hintergründe zum Kivu gibt es hier. und einen grösseren Hintergrundsbericht zur politischen Situation bei der International Crisis Group hier.

Der Kivu mit seiner noch vor kurzer Zeit sehr angenehmen Hauptstadt Bukavu ist vorallem bekannt wegen den Virungabergen, in denen Berggorillas leben.
Wieviele es davon auf der Kongo-Seite der Virungaberge noch gibt, ist unbekannt. Mehrer Massaker an Berggorillas sind in den letzten Jahren bekannt geworden. Für die Rebellen sind die Menschenaffen in der Not schlicht Fleisch.
Touristisch erschlossen ist zur Zeit nur noch das Gebiet auf dem Territorium von Uganda und Ruanda.

Die Virungaberge bestehen aus mehreren aktiven Vulkanen, deren glühende Lavamassen bei heftiger Ausbrüchen immer mal wieder bis in den Kivusee und zum Beispiel in die zweitgrösste Stadt Goma vorstossen. Das letzte Mal 2002.

Samstag, 8. November 2008

Kongo: Endloser Albtraum

Es fällt mir schwer, darüber nachzudenken. Jetzt hat es der Kongo, respektive die Katastrophe im Osten Kongos, im Kivu, wieder in die Schlagzeilen der internationalen Medien geschafft.
Eigentlich gut so. Nur: Ich fürchte, das wird nicht weiter helfen. Mir kommt es vor, als wären wir in einer Endlosschleife des immer gleichen Albtraums:
Die Bilder sind immer dieselben. (Sie fördern bei mir viele üble persönliche Erinnerungen wieder an die Oberfläche: Ruanda, Kisangani, Kisese, aber auch schöne: Goma, Bukavu). Die Probleme und Hintergründe sind immer noch dieselben wie 1996 (Bild links), wie 1999, 2001 2004, 2007, 2008, .....:

Keine politische Ordnung im Ost-Kongo
Die zentrale Regierung in Kinshasa ist unfähig, Ordnung zu schaffen im unendlich weit entfernten, landschaftlich gigantisch-schönen Ostkongo.
Umso näher liegt der Kivu für die Nachbarn Uganda und Ruanda, welche ein vitales Interesse an der Situation jenseits ihrer Grenze haben und dieses auch aktiv durchsetzen, militärisch und wirtschaftlich:

Die reale Bedrohungssituation durch bewaffnete Einheiten der ehemaligen Hutu-Armee, welche nach dem Genozid in Ruanda in den benachbarten Kongo geflohen sind, nutzt Ruanda (und Uganda), um wichtige Rohstoffquellen innerhalb des Kongo zu kontrollieren. Der Zufluss dieser Rohstoffe auf die internationalen Märkte war und ist während all den Konflikten und humanitären Katastrophen nie abgebrochen. Die westliche Finanzwelt verdient Milliarden an den Rohstoffen aus dem Katastrophengebiet.

Historische Altlasten
Der Kongo ist seit Jahrzehnten ein natürlicher Ueberlauf für die Uebervölkerung des Gebiets rund um die grossen afrikanischen Seen, speziell für das kleine Ruanda, Uganda und Burundi. Seit Jahrzehnten ziehen Menschen, die kein Auskommen haben in diesen Ländern Richtung Westen in den Kongo, wo es noch viel mehr Platz und (vielleicht) eine Zukunft gibt.
Die Menschen diesseits und jenseits der Grenzen sind also sehr eng verwandt und inzwischen dürfte der Anteil der Bevölkerung im kongolesischen Kivu, der aus dem Gebiet östlich der Grenze stammt, grösser sein als die "alteingesessene" Bevölkerung im Kivu. Doch dies ist eine Sicht, die den Verhältnissen vor Ort nicht wirklich gerecht wird. Sie wurde geschaffen, durch eine künstliche Grenzziehung durch den Kolonialismus und die Schaffung von Nationalstaaten auf der Basis der kolonialen "Grenzen", die nichts mit den realen demographische-historischen Verhältnissen zu tun hat.

Die Regierung im fernen Kinshasa verfügt nicht über die Macht, das Problem im Osten des Landes zu lösen. Einflussreiche Politiker aus dem Ost-Kongo,welche das Problem in ihrer Heimatregion vielleicht lösen könnten, werden im übrigen Kongo und speziell in der Hauptstadt als Bedrohung empfunden, mögen sie Kabila, Bemba oder auch nur Nkunda heissen. Im zentralen und südlichen Kongo grassiert ein starker Rassismus gegen die "Tutsis" aus dem Osten.

Der Untergrund: Bodenschätze

Und: Als wär das alles nicht schon kompliziert genug, wird die ganze demographisch-historische Problematik noch überlagert vom Kampf um die Reichtümer, die im Boden der Region schlummern: Hier lagern die reichsten Rohstoffvorkommen der Erde: Diamanten, Gold, Kupfer, Coltan, usw.. Sie wecken die Begierden der grossen globalen Minengesellschaften von Südafrika über Kanada bis China.

(Uebrigens: Fast jeder von uns hat ein kleines Stückchen Ost-Kongo in der Tasche: Das Metall Coltan, das in jedem Handy-Telefon verwendet ist, kommt zum allergrössten Teil aus den Minen im Kriegsgebiet.)

Solange die Situation im Ost-Kongo instabil ist, können die Bodenschätze von den internationalen Minengesellschaften und ihren Strohmännern ohne jede Kontrolle ausgebeutet werden. Es genügt, sich mit den lokalen Warlords zu verständigen. Und das ist auch der Grund, warum der Krieg im Ost-Kongo endlos erscheint: Die Warlords verfügen ständig über gegenügend Geld, um sich nicht nur Waffen zu beschaffen, sie bieten jungen Menschen auch eine Beschäftigung - und das Gefühl von Macht, was wiederum zu den ständigen schlimmen Menschenrechtsverletzungen, zu ständigen Vergewaltigungen, Plünderungen, Flucht und immer wieder zu Massakern an der Zivilbevölkerung führt.

Und so geht der endlose Albtraum weiter. Meist nimmt die Welt davon keinen Notiz, manchmal dringt der Ostkongo wegen seiner humanitären Katastrophe kurzzeitig an die Oberfläche, Hilfsorgansiation haben eine Daseins- und Sammelberechtigung, es werden internationale Konferenzen abgehalten und Appelle verbreitet. Dann verschwindet der Ostkongo wieder von der medialen Bildfläche der Welt. Aber der Albtraum geht weiter.

Information hilft nicht
Hier nocheinmal ein guter Hintergrund zur aktuellen Situation im Kivu. Diesmal von Reuters. Aber ich habe inzwischen Zweifel, ob die Information etwas hilft. Es fehlt der Wille der welt, im Kongo wirklich etwas zu verändern. Wir haben schliesslich grössere Probleme, zum Beispiel die Neuordnung der Finanzwelt, die dank der katastrophalen Situation im Kongo Milliarden verdient an den Rohstoffen aus der Region. ....und mit dem Geld aus dem Rohstoffhandel finanzieren die kongolesische Warlords wieder ihre Waffen und Soldaten .... und .... und der endlose Albtraum geht weiter......

Freitag, 7. November 2008

Die Alternative zur Atomenergie aus der Sahara


Während die Schweizer Politik zur Zeit weiter in St. Florianspolitik macht und wohl auch weiter über keinen Standort für die Deponierung des Abfalls aus den Schweizer Atomkraftwerken im eigenen Land verfügen wird, plant die Energiewirtschaft schon längst neue AKWs - und rührt dazu kräftig die PR-Trommel.
Noch wehrt sich die Schweiz - und vorallem die Kantone - gegen die Forderung der Energiewirtschaft, wieder auf die Atomenergie zu setzen.
Die Option Atomenergie sei unausweichlich, sagen die wichtigsten Schweizer Stromproduzenten und der Widerstand in der Schweiz erodiert zusehends. Doch tatsächlich scheint es eine wirkliche Alternative zur politisch heiklen Nukleartechnologie zu geben: Billig und sicher:

Solarstrom aus der Sahara
Millionen von Spiegeln zur Bündelung des Sonnenlichts auf einer Fläche von 0,3 Prozent der Sahara und die Umwandlung der konzentrierten Hitze in solarthermischen Kraftwerken würden ausreichen, um den Strombedarf im Nahen Osten, in Nordafrika und in ganz Europa zu decken (eihe Karte weiter unten). Zu einem unschlagbaren Preis von 5 bis 6 EuroCents pro Kilowattstunde. Damit aber noch nicht genug: Die Solarenergie aus der Sahara könnte auch eine Meerwasserentsalzung im grossen Stil ermöglichen und das akute Wasserproblem der östlichen und südlichen Mittelmeeranrainer von Marokko bis Syrien lösen.

Das ist die Vision des Projekts DESERTEC. Das Desertec-Konzept wurde vom TREC-Netzwerk entwickelt, welches 2003 vom Club of Rome, dem Hamburger Klimaschutzfonds und dem Jordanischen Nationalen Energieforschungszentrum (NERC) gegründet wurde. Wissenschaftlich untersucht und weiterentwickelt wird Desertec vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Wissenschaftler, Politiker und Experten auf den Gebieten der erneuerbaren Energien und deren Erschließung bilden den Kern von TREC.

Grosses Interesse an Desertec zeigt die Union für das Mittelmeer, welche die EU im vergangenen Sommer neu lanciert hat und will einen solaren Mittelmeerplan realisieren.

Mittelmeerunion
Schon länger träumt die Mittelmeerunion und ihre wichtigsten Förderer Frankreich und Spanien davon, dank einem Energieverbund mit den südlichen und östlichen Mittelmeerstaaten auch eine politischen Union zu entwickeln, welche nicht nur neue Märkte erschliesst, sondern auch sicherheits- und migrationspolitische Gewinne und nicht zuletzt mehr Unabhängigkeit von den USA bringen würde. (siehe den Contextlink-Artikel „MareNostrum“).

Prinz Hassan von Jordanien, einer der Lobbyisten für das Desertec-Konzept spielt im Interview mit der "Zeit“ (Ausgabe 46/08) genau diese politische Karte: „Ich hoffe, dass mehr Energie- und Wassersicherheit dazu beitragen, die Migration nach Europa zu begrenzen ..... Zeit: „... und dass der der Stromexport Europa und seine südlichen Nachbarn friedlich miteinander verbindet?“ Hassan: „Auch das. Die Europäische Union ist einst auch aus einer Gemeinschaft für Kohle und Stahl hervorgegangen.“

Technolgien vorhanden
Technisch ist die Realisierung von Desertec problemlos möglich. Schon seit 1985 werden solarthermische Kraftwerke, wie sie Desertec vorsieht, u.a. in der kalifornischen Wüste betrieben (siehe Bild Kramer Junction/Cal).
In der Sahara würde Millionen von Spiegeln aufgebaut, welche das Sonnenlicht bündeln. Mit der damit entwickelten Hitze werden Dampfturbinen betrieben, welche dann den Strom erzeugen - 24 Stunden am Tag. Ein solches Solarkraftwerk ist auch in Europa, im spanischen Andalusien schon in Betrieb. Eine ganze Reihe von thermischen Kraftwerken ist in Nordafrika und im arabischen Raum geplant.
Zusätzlich zu den Kraftwerken und den Spiegelfeldern muss ein gewaltiges Netz für den Transport des Stroms aus der Wüste nach Europa gebaut werden. Zur Anwendung kommt die Hochspannungs-Gleichstromübertragung (HGÜ), dank der der Stromtransport auch über tausende von Kilometern kein Problem bereitet.
In diesem Geschäft mischt übrigens auch die Schweizer Firma ABB an vorderster Front mit. Ein Milliardenbusiness.

Hindernisse
Noch ist der Strom aus Solarthermischen Kraftwerken zu teuer. Gemäss den Berechnungen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) wird der Solarstrom aus der Wüste aber schon 2020 günstiger sein als Strom aus Oel, Gas oder aus Atomtechnologie. Werden Solarthermische Kraftwerke in grossem Stil gebaut, wird der Produktionspreis pro Kilowattstunde gemäss der DLR auf 5 bis 6 EuroCent sinken. Spätesten bei einer zu erwartenden weiterenVerteuerung der fossilen Energie ist der Strom aus der Wüste mehr als wettbewerbsfähig.
Dem Strom aus Atomkraftwerken ist die Solarenergie nicht nur preislich, sondern insbesondere auch punkto Sicherheitsrisiken weit überlegen.
Das Argument der Bedrohung der Solarkraftwerke durch de Terrorismus in der Region scheint kaum haltbar. Oel ist darauf viel anfälliger. Der Ausfall eines Solarkraftwerks oder einer Transportleitung ist leicht durch andere kompensierbar und richtet vorallem auch keine Umweltschäden an.

Fazit
Der Solarstrom aus der Wüste ist definitiv eine Option, die sehr sorgfältig geprüft werden muss, bevor die Schweiz wieder in teure und politisch immer noch hochumstrittene Atomtechnologie investiert.